Roger Rigoth

Kunst hängt hoch am Hessischen Hof

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Roger Rigorth vor dem Hessischen Hof mit Installation.

Altheim - Nein, ein Zunftzeichen ist es nicht, was da seit geraumer Zeit über dem Eingang des lange Zeit verwaisten Hessischen Hofs an der Hauptstraße von Altheim hängt. Es ist Kunst von Roger Rigoth. Von Thomas Meier

Groß und Ehrfurcht gebietend wirkt es, das lange, gedrehte Holzpaddel mit vom Wetter gegerbten Gesicht, dessen Schaft in einen rundlichen Körper aus rauer Kokosfaser mündet. Doch auch wenn es kein Symbol eines Handwerkerbundes ist, so verrät die eindrucksvolle Skulptur einiges über ihren Erzeuger. Der heißt Roger Rigorth und ist Künstler. Und seit drei Jahren Bewahrer des alten, repräsentativen Fachwerkbaus, den 1802 das Babenhäuser Adelsgeschlecht der Gaylings als Handelshaus an der exponierten Kreuzung in Altheim erbauen ließ.

Der gebürtige Schweizer kam weit in der Weltgeschichte umher, ehe er sein Ei aus Kokosfaser an den Hessischen Hof hängte. 1965 erblickte er in Saanen im Kanton Bern das Alpenlicht der Welt als Kind einer Deutschen und eines Franzosen, die als Gastarbeiter in der Schweiz arbeiteten. Mit fünf Jahren verschlug es die Familie nach Babenhausen, dort ging er in die Joachim-Schumann-Schule, um allerdings sein Abitur auf dem technischen Zweig in Darmstadts Heinrich-Emanuel-Merck-Schule zu bauen. Dann war die Ingenieursakademie in Dieburg sein Zuhause, hier studierte Rigorth Elektrotechnik. Zu technisch, befand der Kreative, der abbrach und seinen Zivildienst bei der JUH in Nieder-Roden ableistete.

Holz und Elfenbein

Ein Tag der offenen Tür in der Berufsfachschule für das Holz und Elfenbein verarbeitende Handwerk in Michelstadt sollte wegweisend sein. „Das war eine Eingebung“, erinnert sich Rigorth. Eine kleine, feine aber überschaubare Werkstatt für Schreiner, Drechsler, Elfenbeinschnitzer und Holzbildhauer wurde seine neue Heimat. „Hier schaute jeder jedem über die Schulter, man lernte von- und miteinander“, schwärmt der Handwerker in ihm. Die dreieinhalbjährige Ausbildung ist dem 47-Jährigen in bester Erinnerung: „Eine wilde Zeit in Wohngemeinschaften, viele Leute, die künstlerisch angehaucht waren, obwohl die Schule Wert darauf legte, handwerklich ausgerichtet zu sein. Und das war gut so.“

Mit Kunst selbst hatte Rigorth damals noch ganz wenig bis nichts am Hut. Mit Holz etwas plastisch zu gestalten war sein Ding. „Dass das später mal auf Kunst hinausläuft, kam erst viel später. Wichtig war, da zu sein und zu lernen.“

Künstler auf Achse

Roger Rigorth vor dem Hessischen Hof mit Installation.

Es folgte eine Zeit des Restaurierens und eine Zusatzausbildung hierzu in Hannover. Wand- und Deckenmalereien zu konservieren war nun Aufgabe. Allerdings eine mit ungeahnten Gefahren. Rigorth reagierte allergisch auf die viele Chemie, die in diesem Handwerk zur Anwendung kommt. Der Holzbildhauer wandelt sich zum freischaffenden Künstler, beginnt eine ganz eigene Art von Walze. Seine Kreativ-Wanderschaft führt ihn nach Norwegen in das Camphill. Eine kleine Gemeinschaft arbeitet hier mit behinderten Menschen, Rigorth macht einen Abstecher als Pferdehirte in die Landwirtschaft. Obwohl ihm die Arbeit gefällt, zieht es ihn alsbald wieder fort: „Es war das Wetter, das mich schaffte. Man kam nicht aus den Gummistiefeln. Drei von vier Tagen regnete es.“

Studienaufenthalte in Polen und Irland folgten, doch nach Krakau und Galway lockte mit aller Macht der Odenwald. Hierher ging er in eine kleines Nest, Bulla bei Erbach, um sich als Holzbildhauer selbstständig zu machen. Zunächst mehr auf der handwerklichen Schiene; Sofas aufmöbeln, Schränke restaurieren, Säulen zimmern, aber auch Porträts schnitzen. Weil Rigorth keinen Meisterbrief hatte, der nötig ist, um eine Werkstatt aufzumachen, eröffnete er als Künstler sein Atelier. Das geht immer. Seine erste Ausstellung, die er mit Skulpturen bestückte, war im Elfenbeinmuseum in Erbach mit dem Titel: „Die gute Form“. Die Heydenmühle in Otzberg baute der Umtriebige mit einer antroposophischen Gemeinschaft mit auf. Hier fand er Platz und Raum für seine Ideen und Installationen. „Das Leitbild der Mühle war mein Ding.“ Doch irgendwann auch zu klein und beengt für seinen Schaffensdrang.

Mittlerweile sind Installationen und Kunstwerke von Rigorth in aller Welt zu sehen. Seit zehn Jahren lebt er allein von seiner Kunst. Er verwendet seine handwerklichen Fähigkeiten indes kräftig für sein Haus, das er vor drei Jahren kaufte. Und im und am Hessischen Hof ist noch viel zu tun.

Quelle: op-online.de

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