Kunst, Plüsch-Knut und Kalender

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Zahlreiche Teddys lassen sich auch in diesem Jahr bewundern und sind wie das Exemplar „Knut“ gleich mehrere Blicke wert.

Münster - „Die Kunstausstellung ist eröffnet!“ Mit diesen Worten hat Bürgermeister Walter Blank bereits langjährige Erfahrung: Am Samstag eröffnete er zum elften Mal die „Kunstausstellung zwischen der Kerb“ von Münster und in Altheim. Von Michael Just

Bis zum 2. Oktober werden 23 Hobbykünstler aus Münster und Umgebung in der Kulturhalle ihre „Objekte in Farben und Formen“ zeigen.

Wie Blank sagte, hat er in den vergangenen Jahren schon viele einführende Worte zur Ausstellung gesprochen. Eine Frage beschäftige ihn dabei stets aufs Neue: „Was ist eigentlich Kunst?“ Sollte man es hier mit Wilhelm Busch halten, für den Kunst die Welt verziert? Oder komme die Antwort einem anderen Zitat nahe, laut dem die Kunst eine Quintessenz unseres Daseins ist, weil es das Leben von seinen Defekten reinigt? Nachdem auch ein weiteres Zitat keine Lösung brachte, entschied sich der Bürgermeister dafür, die Frage besser im Raum stehen zu lassen.

Ein Lob an die Künstler war da schon eher angebracht: „Es ist die Vielfalt, die gefällt“, würdigte er die mehreren hundert Kunstgegenstände, die von Gemälden, Fotografien, Schmuck, Patchwork, Glas, Porzellan, Teddys, Tücher bis hin zu Holzarbeiten reichen. An ihnen lasse sich Aufwand, Ausdauer und Freude erkennen. Inge Eckmann berichtete im Namen der ausstellenden Kreativen, dass diese mittlerweile zu einer überregionalen Gemeinschaft zusammengewachsen sind, die sich einmal im Monat trifft.

Günter Willmann, Vorsitzender der Gemeindevertretung, führte an, dass die Aussteller nicht nur ihre Arbeiten präsentieren, sondern auch darüber berichten. So finde ein Lernprozess auf beiden Seiten statt: Die Künstler lernten durch ihre neuen Ideen, die sie in jedes Jahr haben, die Besucher dadurch, dass sie sich darauf einlassen.

Motive aus Münster

Eine Künstlerin, die sehr viel zu erzählen hat, ist Heike Messemer. Aufgrund ihrer Anregung wurde vor elf Jahren die Münsterer Kunstausstellung ins Leben gerufen. In den letzten Jahren ist Messemer vor allem als Fotografin in Erscheinung getreten. 2011 präsentiert sie einen surrealen Fotorealismus in der Kulturhalle, der begeistert. Darunter sind Fotomontagen von schaurig-schönen Burgen in düsterer Nacht oder das Bild „Inselviertel“, bei dem sie Motive aus dem neuen Münsterer Wohngebiet zu einer visuellen Insel zusammen setzte. Nur wer sich selbst schon an Fotomontagen am Computer versucht hat, weiß, dass dahinter eine wochenlange Arbeit steckt.

Das i-Tüpfelchen ist ein Kalender, in dem ein Großteil der Münsterer Künstler in Fotomontagen auf, in oder zwischen ihren Kunstwerken platziert wurden. Unter anderem liegt Eleonore Heckwolf in den Armen ihrer Teddys und das Antlitz von Edith Haase wurde - wie ihre Patchworks - liebevoll zerpflückt. Die Kalender der limitierten Auflage sind für zehn Euro zu erwerben und könnten kaum besser zum Ausstellungsmotto „Wir sind Kunst“ passen.

Bei Beatrice Schneider liegen gleich mehrere Motive für ihre Beteiligung an der Ausstellung vor. „Ich will einmal die Meinung anderer zu meinen Werken bekommen“, sagt die 59-jährige, die zum dritten Mal dabei ist. Sie hat ein Faible für Engel in verschiedenen Materialien, die von Pappmaché bis Ton reichen. Wie sie anführt, bringen viele Künstler den stillen Wunsch mit, auch das eine oder andere Objekt zu verkaufen. Obwohl sie auf ihre Kunstwerke oft angesprochen und diese bewundert würden, hätte das bei ihr beim letzten Mal nicht so gut geklappt. Vor allem beim Pappmaché sähen einige Besucher oft nur das Material und nicht die mehrstündige Arbeitszeit sowie den künstlerischen Aspekt. Dabei seien diese Werke mit ihren Drahtstützen und dem dazugehörigen Kleistern sehr zeitaufwendig. „Auch wenn van Gogh sehr berühmt ist: Ich hoffe nicht, das Schicksal mit ihm zu teilen, kaum etwas zu verkaufen“, so Schneider abschließend.

Quelle: op-online.de

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