„Kunst zwischen der Kerb“

Tiere mit menschlichem Körper

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Bei der „Kunst zwischen der Kerb“ nimmt Bandbreite an Themen und Objekten zu. Das „Funkeln in den Augen“ liebt Elke Huther bei ihren Keramikfiguren.

Münster - Die Kunst zwischen der Kerb gibt es in Münster schon ein paar schöne Jahre. Trotzdem können immer noch nicht alle, die davon hören oder sogar vorbeischauen, mit dem Titel etwas angefangen. Von Michael Just

So gibt Bürgermeister Walter Blank jedes Jahr die Begründung aufs Neue: „Es heißt Kunst zwischen der Kerb, weil die Veranstaltung zwischen der Kerb in Münster im September und der Kerb in Altheim im Oktober liegt.“

Am Wochenende lud die Traditionsschau erneut in die Kulturhalle ein. 40 Aussteller zeigten an drei Tagen, inklusive dem Eröffnungsabend am Freitag, ihre Werke. Das waren sechs Künstler mehr als 2012. Zur Eröffnung kam dieses Jahr mit Landrat Klaus-Peter Schellhaas noch ein besonderer Gast. Er lobte die Teilnehmer vor allem unter dem Aspekt, dass er keine praktische künstlerische Ader habe. So wirke das Geschaffene äußerst faszinierend auf ihn.

Bürgermeister Walter Blank sagte, dass man immer wieder höre, dass Kunst von Können kommt. Nun dürfe man gespannt sein, welches Können die Künstler 2013 präsentieren. Zu den Künstlern zählte er auch die jugendlichen Musiker der Musikschule Groh, die die Austellung akustisch untermalten. Blank freute es besonders, dass hier junge Menschen auftraten.

Die Fäden in Sachen Organisation

Bei Nicole Ewig von der Gemeindeverwaltung liefen die Fäden in Sachen Organisation zusammen. Sie kümmerte sich um Speis und Trank, Terminplanung, Aufbau, sowie die Einladung und Zuordnung der Künstler. „Es ist wichtig, für ein breites Spektrum der Künstler zu sorgen“, sagte Ewig. Teilweise rufe sie diese an, einige brächten sich selbst ins Spiel. Grundsätzlich dürfe jeder Kreative, egal welche Richtung, ausstellen. Waren zu Beginn nur lokale Künstler zu sehen, hat man dies kürzlich geändert, um mehr Abwechslung und Zugkraft in die Sache zu bringen.

So tritt immer wieder Neuartiges in Erscheinung, zum Beispiel Mangas, Comics oder Seifen und Badezusätze. Diese bringen das Ausstellungskonzept weiter. Insgesamt konnte sich die Bandbreite in Münster mit Gemälden, Fotografien, Schmuckdesign, Porzellan, Keramik, Speckstein, Taschen, Kerzen, Teddybären oder Stoff-, Woll- und Holzarbeiten erneut sehen lassen.

Zu den interessantesten Künstlern gehörte die Münsterin Yildiz Birsen. Die 35-jährige Kunstlehrerin präsentierte abstrakte Bilder in Acryl und Öl, mit denen sie gegen die Verletzung der Menschenrechte und den Tod vieler unschuldiger Kinder in Syrien protestierte. Die Kurdin aus der Türkei und Mutter, die seit sieben Jahren in Deutschland lebt, sieht die Aussage ihrer Kunst nicht politisch, sondern als humanitäre und soziale Notwendigkeit.

Kerb in Münster

Kerb in Münster

Kunst als Protest, wie sie immer wieder geübt wird, zeigte sich als weiteres Novum bei der „Kunst zwischen der Kerb“. Eine andere Motivation hat Elke Huther: „Ich habe das als Jugendliche schon gemacht und seit drei Jahren wieder damit angefangen“, erzählt die 49-Jährige über ihre Keramikfiguren. Bei denen fallen vor allem Tiere mit menschlichem Körper ins Auge. „Toll ist immer, wenn Besucher das gleiche Lächeln und Funkeln in den Augen erkennen, das ich auch sehe“, so die Informatikerin aus Münster, die zum zweiten Mal dabei ist. Ihr Hobby liebt sie aufgrund der vielen Gestaltungsmöglichkeiten mit Ton, dazu sei es bei Form, Farbe und Glasur immer wieder spannend, was nach dem Brennen herauskommt. Bis zu drei Tage verweilen die Werke im Ofen.

Der Brennprozess überführt den getrockneten Formkörper in ein hartes, wasserbeständiges Produkt. Immer wieder wird Huther gefragt, warum das Brennen nicht im Backofen geht. „Zum einen ist die Temperatur zu niedrig, zum anderen muss diese langsam hochfahren, dass die Figuren keinen Schaden nehmen“, antwortet sie dann. In ihrem Ofen variieren die Temperaturen zwischen 900 und 1 240 Grad. Das mehrere Tage dauernde Brennen verbraucht nicht wenig Strom. Deshalb hofft die Münsterin mit den Kollegen, die ebenfalls in Materialien und Zeit investiert haben, dass die Besucher sich nicht nur aufs Schauen beschränken, sondern auch was kaufen.

Quelle: op-online.de

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