Per kurzer Welle in weite Welt

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Edgar Ries knüpft beim Clubtreffen in Münster Kontakte in die große, weite Welt der Kurzwellenfunker.

Münster ‐ „Hallo, ich bin DB5UW und hier ist mein Stellvertreter DK4EF“, sagt Hannelore Loheide freundlich. Doch geht es bei der etwas kryptisch anmutenden Begrüßung nicht etwa um einen Geheimbund, sondern es handelt sich um die Rufzeichen der beiden Vorsitzenden des Ortsverbandes Münster im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC). Von Jasmin Frank

„Diese kurzen Codes erhalten diejenigen, die sich erfolgreich einer Prüfung bei der Bundesnetzagentur unterzogen haben. Sie dürfen dann auf bestimmten Frequenzen miteinander funken. Über Kurzwelle geht das mit schlichten Mitteln rund um die Welt“, informiert DB5UW alias Rolf Netzlaff. Er ist schon seit seinem 14. Lebensjahr begeisterter Funker und liebt auch das Basteln an den Funkgeräten. „Ich habe das Hobby zum Beruf gemacht und bin Nachrichteningenieur geworden“, lacht er und fügt hinzu, „man muss aber kein Technikfreak sein, um funken zu können.“

So sieht es auch Hannelore Loheide, die als junge Mutter in einem einsamen Dörfchen in der Rhön lebte und in ihrer Abgeschiedenheit zu dem ausgefallenen Hobby fand. „Ich funke schon seit den 70er Jahren. Damals waren meine Kinder klein und ich kam kaum aus dem Haus. Da war es einfach toll, von meinem kleinen Dorf aus Kontakt mit anderen Menschen aufzunehmen. Zudem zu welchen, die auf der ganzen Welt verstreut leben“, erzählt die muntere Vereinsvorsitzende.

Gemeinde der Amateurfunker ist eine große Familie

Auch Netzlaff sieht in der vielfältigen Kommunikation die Vorteile des Amateurfunks: „Es ist einfach eine Brücke zur Welt, die man sich ohne Gebühren und ohne einen Telefon- oder Internetanbieter erschließen kann. Ich selbst funke sehr viel und habe sogar schon einmal die antarktische Forschungsstation Neumayer auf Band gehabt. Das war wirklich ein bleibendes Erlebnis“, so der Münsterer.

Überhaupt sei die allein in Deutschland rund 70.000 Mitglieder umfassende Gemeinde der Amateurfunker eine große Familie, schwärmen die Clubmitglieder. Mit allen sei man per du und komme schnell ins Gespräch. Meistens drehen sich die Unterhaltungen auf Funk um das Hobby selbst und um technische Details. Nach den Gesprächen werden sogenannte QSL-Karten verschickt, auf denen der Gesprächsbeginner bestätigt bekommt, den Gesprächsempfänger erreicht zu haben. „Es ist schon amüsant zu sehen, wen man da auf Band gehabt hat. Manchmal ist es eben auch ein Professor von sehr weit weg“, freut sich Loheide.

DG4FEJ alias Edgar Ries versucht, vom Clubtreffen aus jemanden zu erreichen. „Am besten funktioniert das Ganze natürlich im Freien. Mein entferntester Treffer war einmal ein Schiff im Mittelmeer“, berichtet Ries.

Auch für Behinderte ist der Amateurfunk gut geeignet

Um über UKW funken zu können braucht ein Einsteiger erst einmal eine Antenne und ein Funkgerät, das beides ab etwa 600 Euro zu haben ist. Bei Kurzwelle kommt man schnell auf den doppelten Preis. „Das sollte aber niemanden davon abschrecken, Amateurfunker werden zu wollen. Es gibt ja auch viele gebrauchte Geräte und man kann sich auch rasch etwas selber bauen. Wir sind hier 28 Leute und stehen jedem Neuankömmling gerne mit Rat und Tat zur Seite“, versichert Netzlaff.

Zum Austausch treffen sich die Amateurfunker jeden dritten Freitag um 20 Uhr im Café Pavillon in Münster. Es werden auch gemeinsame Ausflüge unternommen und Wettbewerbe besucht. Interessenten können sich bei Hannelore Loheide über halotours@aol.com über den vielseitigen Zeitvertreib informieren.

Der Verein, dessen Mitglieder ihn als „Zusammenschluss von Individuen“ bezeichnet, hat seine Spezialisten auf den verschiedenen Gebieten: Einer arbeitet lieber am Computer und mit viel Software, ein anderer ist der Mechaniker, ein dritter begeisterter Elektroniker. Auch für Behinderte ist der Amateurfunk gut geeignet, besonders für Blinde oder für Rollstuhlfahrer, da man von zu Hause aus schnell in Kontakt mit anderen kommen kann. „Die Jugendlichen sollten das Spielen am PC mal sein lassen, denn mit dem Computer kann man etwas viel besseres machen - nämlich Funken“, lacht Netzlaff, der sich wie die anderen über weitere Funker aus Münster und Umgebung freuen würde.

Quelle: op-online.de

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