Im Land der Zahlen

Mathe leicht: Einfach vier vor und zwei zurückhüpfen.Foto. ej

Altheim - (ej) „Willkommen im Zahlenland“ prangt in bunten Buchstaben über der Tür des Turnraumes im Evangelischen Kindergarten in Altheim. Dahinter herrscht geschäftiges Treiben. Kinder mit Stirnbändern, auf denen eine Zahl steht, sitzen in einem Reifen auf dem Boden, während ihre Helfer fleißig das heranschaffen, was der Herr oder die Herrin des Zahlenhauses verlangt.

Dabei wird auf einen höflichen Umgang miteinander viel Wert gelegt.

Die „Entdeckungen im Zahlenland“ ist ein Konzept des Mathematikprofessors Gerhard Preiß für die frühe mathematische Bildung im Kindergarten. Im Oktober 2008 haben die Erzieherinnen Sigrid Vollhardt und Brigitte Hermanns aus dem Altheimer Kindergarten die nötige Fortbildung besucht. Nach Erhalt der von der Sparkasse Dieburg gespendeten Materialien konnten sie sich dann mit den angehenden Schülern einmal in der Woche auf Entdeckungsreise ins Zahlenland begeben.

„Lieber Helfer, bringe mir bitte vier Holzscheiben“, sagt die sechsjährige Elena zur fünfjährigen Marie. Häuslich eingerichtet wird sich auch mit Farbtürmen oder Gewichtswürfeln. Auch ein Gärtchen darf nicht fehlen. Bunte Perlen auf einem Teller aus Holz sind die Blumen im Beet. Die Bedingung: Jedes Teil muss in der Anzahl vorhanden sein, wie es die Zahl auf einem Fähnchen oder auf dem Stirnband des Hausbesitzers vorgibt. Der Hausmeister Bastian kontrolliert, ob alles stimmt. Wenn da nicht der Fehlerteufel Simon wäre, der, während die Häuslebauer mit ihren Helfern „schlafen“, alles durcheinander bringt. Aber keine Sorge: Der Hausmeister richtet es wieder. Und wenn er es alleine nicht schafft, helfen die anderen Kinder mit.

„Eigentlich ist das Zahlenland 1 auch schon für Vierjährige geeignet“, sagt Sigrid Vollhardt. Es umfasst zehn Lerneinheiten, in denen die Kinder mit den Zahlen eins bis fünf vertraut gemacht werden und erste Erfahrungen mit dem Zahlenraum eins bis zehn aufbauen. „Wir haben uns entschieden, mit den Fünf- und Sechsjährigen zu starten, damit diese dann fit sind für das Zahlenland 2. Die Vierjährigen beziehen wir dann im kommenden Kindergartenjahr mit ein“, erläutert die Erzieherin. Im Zahlenland 2 mit zwölf Lerneinheiten lernen die Schulanfänger die Nummern sechs bis zehn kennen und beschäftigen sich mit dem Zahlenraum eins bis 20.

Dass es im Zahlenland nicht ums Stillsitzen und Pauken geht, merkt man schon beim Zuschauen: Die Knirpse sind ständig in Bewegung, jeder hat seine Aufgabe und getadelt wird nicht, wenn etwas auf Anhieb nicht klappt. „Hier geht es mehr darum, den Kindern ein Gefühl für Zahlen und deren Verwendungsarten zu vermitteln“, betont Vollhardt. Fast unmerklich soll dann die gewonnene Vertrautheit mit Zahlen in erste Vorstellungen vom Rechnen münden. Neben dem Zahlenhaus gibt es den Zahlenweg, auf dem sich kleine Wissensdurstige den Zahlen „Schritt für Schritt“ nähern. Wichtigstes Hilfsmittel ist hierbei das Zählen. „Natalie, gehe vier Schritte vor und zwei zurück“, fordert eine Erzieherin die Sechsjährige auf. Natalie geht auf bunten Teppichkacheln mit aufgemalten Ziffern vier vor, überlegt kurz, dann tritt sie zwei Schritte zurück. „Wo stehst du nun“, wird sie gefragt. Sie schaut zwischen ihre Füße. „Auf der Zwei“, antwortet sie strahlend. „Das stimmt. Denn vier minus zwei ist zwei“, ergänzt die Kindergärtnerin. Bei dieser Übung hat Natalie intelligentes Zählen gelernt, das auch das Zurückzählen einschließt. Außerdem hat sie sich nebenbei noch die Ziffernschreibweise eingeprägt, da das Mädchen beim Gehen darauf schaut, wohin sie tritt. Ein weiteres Erfahrungsfeld ist das Zahlenland. An diesem Morgen regiert die Fünf. Dort gibt es alle Dinge fünfmal. Am Tor des Fünferlandes wacht ein strenger Wächter. Er gewährt den Besuchern nur dann den Eintritt, wenn diese sich etwas ausgedacht haben, was mit der Zahl Fünf zu tun hat:

Basti macht fünf Purzelbäume und Lena bringt ihre fünf Fußzehen mit. Ist man ins Zahlenland hereingelassen worden, wird darin eine Geschichte vorgelesen, ein Lied gesungen oder ein Rätsel gelöst. Natürlich dreht sich dabei alles um die jeweilige Zahl.

„Die Kinder haben große Freude am Zahlenland und sind sehr lernfähig“, erzählt Sigrid Vollhardt. Für sie und Brigitte Hermanns geht es an diesem Morgen Schlag auf Schlag. Ist die eine Gruppe von Kindern nach etwa einer Stunde fertig, folgt die nächste. Um jeden der 36 Schulanfängern aus dem Altheimer Kindergarten die Reise in die Welt der Zahlen zu ermöglichen, müssen drei Gruppen gebildet werden. „Dabei werden die Teams jede Woche wieder neu zusammengestellt, damit sich die angehenden Schüler mal so richtig untereinander kennenlernen und nicht immer nur in gleichen Grüppchen zusammen sind“, räumt Hermanns ein. Im Zahlenland lernt man also mehr als Addieren.

Quelle: op-online.de

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