Nachbar fährt ihn zu Spielen

Lars Tautz (15) pfeift schon in der Kreisoberliga

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Als Assistent darf Lars Tautz bereits in der sechstklassigen Verbandsliga fungieren. Als Hauptschiedsrichter pfeift er nun in der Kreisoberliga.

Münster - Wenn Lars Tautz auf dem Fußball-Platz steht, dann ist er mit Abstand der Jüngste der Protagonisten. Von Jens Dörr 

Mit gerade einmal 15 Jahren hat der Münsterer zur neuen Saison den Aufstieg in die Kreisoberliga der Männer geschafft – und dirigiert dort Spieler, die mitunter mehr als doppelt so alt sind wie er. Ihm könnte als Unparteiischer des SV Münster eine fulminante Karriere bevorstehen. Seit drei Jahren pfeift der Aue-Schüler Lars Tautz, der im kommenden Jahr aufs Dieburger Alfred-Delp-Oberstufen-Gymnasium wechseln und dort sein Abitur machen will, Fußball-Spiele. Als Zwölfjähriger zählte er bereits auf dem Neulingslehrgang der Kreisschiedsrichter-Vereinigung Dieburg zu den „Küken“. Und entschloss sich damals zu diesem Schritt, obwohl es die ersten Erfahrungen in sich hatten.

Wie Tautz zur Schiedsrichterei kam? Der Münsterer überlegt kurz. Die Grundlage: Er ist in jeder Hinsicht fußballverrückt – ob als Spieler (derzeit in der B2 des SV Münster), als Fan der Frankfurter Eintracht, als Kiebitz auf den Sportplätzen der Region und seit einiger Zeit eben auch als Mann in Schwarz. Als er 2015 mal wieder ohne Vorahnung am Münsterer Mäusberg stand, kam plötzlich ein Bekannter auf ihn zu: Ob er nicht mal das E-Junioren-Spiel des SVM, für das kein anderer Referee zur Verfügung stand, pfeifen wolle. Tautz sprang ins kalte Wasser und ging auf den Platz. Die Sache ging recht gut, was sich

bei seinem zweiten Spontaneinsatz – noch immer vor dem Beginn seiner Ausbildung – ändern sollte: Ein B-Jugend- Spiel des SV Münster gegen den SV Sickenhofen geriet zum abschreckenden Beispiel, wie Nachwuchspartien immer öfter laufen: Aggressive und respektlose Spieler in der Pubertät, zusätzliche Hektik durch die Beteiligten am Spielfeldrand. Tautz machte naturgemäß noch nicht die souveränste Figur und Fehler, überstand die Partie aber. Und schmiss die Pfeife nicht in die Ecke, sondern meldete sich zum Lehrgang an. „Im Endeffekt war’s gut, gleich mal so etwas erlebt zu haben“, blickt er zurück.

Mittlerweile, drei Jahre älter, viele Zentimeter größer und vor allem mit der Erfahrung etlicher Junioren- und der ersten Aktivenspiele, würde Lars Tautz solch schwierige Aufgaben ganz anders über die Bühne bringen. Sein Talent, Fußball-Begegnungen zu leiten, physisch und regeltechnisch auf der Höhe zu sein und trotz der jungen Jahre schon einen kühlen Kopf und den Überblick bewahren zu können, fiel auch innerhalb der Schiedsrichter-Vereinigung auf. Er wurde Mitglied des Förderkaders, besuchte schon einen Lehrgang in der Sportschule Grünberg. „Der Zweitjüngste dort war fast 18“, lächelt er. Auch unter den Spitzenschiedsrichtern des Fußball-Kreises Dieburg – also unter den Referees, die Männer-Kreisoberliga (achte Ebene) oder höher pfeifen dürfen – steht er in einer Reihe mit sonst ausschließlich Volljährigen, bis hinauf zu Mitt- und Endvierzigern.

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Nachdem sich Tautz über Juniorenspiele hochgearbeitet hatte, folgten in der Rückrunde der Vorsaison die ersten Aktivenspiele. Am Ende der Runde stand der Aufstieg in die Kreisoberliga, ab der noch intensiver beobachtet wird und der weitere Aufstieg deutlich schwerer wird. „Ich lass’ mich erstmal überraschen, wie es jetzt weitergeht“, blickt Tautz voraus. „Natürlich soll es für mich als Schiedsrichter so weit nach oben gehen wie möglich.“ Auch als Assistent stieg er im Sommer auf, darf nun in der Verbandsliga winken und damit eine Etage höher, als die erste Mannschaft seines SV Münster (Gruppenliga) spielt.

Bliebe noch zu klären, wie Lars Tautz seinen Stil als Schiedsrichter selbst beschreibt. „Ich greife relativ wenig zu den Karten, vielleicht bin ich sogar etwas zu großzügig“, meint er. „Ich versuche viel, im Gespräch mit den Spielern zu klären.“ Mit jeder Partie, jeder Kommunikation auf dem Platz und jeder gelungenen Entscheidung wächst dabei das Selbstvertrauen. Weitere Aspekte, die Tautz (neben dem Einsatz als Spieler) bis zu zwei Begegnungen pro Wochenende leiten lassen, seien „die Gemeinschaft unter den Schiedsrichtern und dass Fußball einfach mein halbes Leben ist“.

Ein paar Euro Spesen gibt’s als Belohnung obendrein – für ein Männer-Kreisoberliga-Spiel derzeit 25 Euro. „Das ist aber nicht der Hauptgrund, weshalb ich Schiedsrichter bin“, stellt er heraus. Auch wenn für ihn Sonntag für Sonntag sogar noch ein bisschen mehr hängen bleibt: „Meine Nachbarn Helmut und Irmgard Schrod fahren mich zu den Spielen – letzte Woche zum Beispiel freitags nach Brandau und sonntags nach Geinsheim.“ Und das Kilometer-Geld, das ein Schiedsrichter neben den Spesen erhält, darf das Münsterer Schiri-Talent ebenfalls behalten.

Quelle: op-online.de

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