Ort für lebendige Gemeinschaft

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Sie freuen sich besonders darüber, dass die Kindertagesstätte St. Michael nun auch ein Familienzentrum ist: Eltern, Kita-Leiterin Marietta Geist und Pfarrer Bernhard Schüpke stoßen miteinander auf das Erfolgsprojekt an.

Münster - Die katholische Kindertagesstätte St. Michael in Münster ist jetzt ein Familienzentrum.  Von Ellen Jöckel

Wer sich unter diesem Begriff eine Einrichtung mit überdimensionalen Ausmaßen vorstellt, wird beim Besuch des beschaulichen Kindergartens in unmittelbarer Nähe zur Schule auf der Aue zunächst einmal enttäuscht sein.

Und doch hat sich die Kita, die mit 90 Kindern eher zu den kleineren Einrichtungen in der Gemeinde zählt, in den letzten drei Jahren zu einem Kommunikationszentrum für Familien gewandelt. Für ein solches Vorhaben sind nämlich nicht in erster Linie schicke Räumlichkeiten vonnöten.

„Das fängt in den Köpfen von uns Erziehern an“

„Wenn man ein Familienzentrum aufbauen möchte, ist das Allerwichtigste, dass sich die Haltung gegenüber den Eltern verändert. Das fängt in den Köpfen von uns Erziehern an. Die Eltern sind die Experten für ihre Kinder, wir die Fachleute für die pädagogische Arbeit. Gemeinsam können wir das Bestmögliche zum Wohle des Kindes erreichen“, sagt Leiterin Marietta Geist. Vor drei Jahren hat sich die Kita St. Michael beim Diözesancaritasverband in Mainz um die Teilnahme am Modellprojekt „Den Wandel gestalten – Kita als Familienzentrum“ beworben. Seit dieser Zeit hat die Einrichtung gemeinsam mit engagierten Eltern, der katholischen Pfarrgemeinde und deren Verbänden zahlreiche Bildungs-, Beratungs- und Freizeitangebote für Familien auf die Beine gestellt.

Zu Beginn und Ende des Projekts wurden die Eltern befragt und die Angebote auf deren Wünsche und Bedürfnisse zugeschnitten. Die Ergebnisse der letzten Elternbefragung, die vom Institut für Kinder- und Jugendhilfe Mainz durchgeführt wurde, stellte Marietta Geist jetzt interessierten Eltern, Vertretern der Gemeinde, der Pfarr- und Kolpinggemeinde vor.

Elterncafé wird von über der Hälfte der Befragten genutzt

Hochzufrieden zeigte sich die engagierte Kita-Leiterin mit der Beurteilung der Angebote durch die Eltern. So wird das Elterncafé von über der Hälfte der Befragten genutzt, in dem an bestimmten Vor- und Nachmittagen bei Kaffee und Kuchen Gelegenheit für den Austausch besteht, während der Nachwuchs betreut wird. Beim „Essen für einen guten Zweck“ machten 86 Prozent der Befragten mit. Dies ist ein Angebot, bei dem von Eltern gebackener Kuchen und Waffeln im Kindergarten verkauft werden. Die Einnahmen kommen finanziell schwächer gestellten Familien zugute und fließen in die Erziehungberatung. Zudem wird zweimal im Jahr „Kulinarisches“ angeboten, bei dem auch die Migrationsfamilien miteingebunden werden.

„So viel Solidarität von ihnen als Eltern erleben zu dürfen, macht einfach nur Spaß. Ich bin stolz auf sie“, begeisterte sich Geist während ihres Vortrags. Außerdem werden Fahrten zur Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes organisiert, für die Familien mit wenig Einkommen angesprochen würden. Hier können sie hochwertige Kleidung äußerst günstig erwerben. „Wir bieten etwas für die Minderheiten in unserem Kindergarten an. Sie sollen auch das Gefühl haben, dass wir uns um sie kümmern und dass sie genauso dazu gehören“, betonte die Leiterin. „An anderer Stelle sind diese Familien dann froh, mit ihrem Einsatz hier wieder etwas zurückgeben zu können.“

Entspannungsabende für gestresste Eltern

Neben einem spielerischen Englischkurs für die Kleinen gibt es Entspannungsabende für gestresste Eltern oder pädagogische Themenabende, für die Eltern vorher angeben, was ihnen „auf den Nägeln brennt“. Auch diese Angebote werden gut angenommen. Beim Wald- oder Gartentag für Familien am Wochenende haben auch die Vollzeit-Berufstätigen, deren höchsten Anteil die Väter stellen, die Chance, mitzumachen.

Die Erziehungsberatung ist ein neues Angebot in der Kita, das zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht eingeführt war. Bisher sei das Honorar für die Beraterin über Gelder aus dem Kuchen-Verkauf, Raum-Vermietungen und Kolping-Spenden finanziert worden. Wie das Angebot auf Dauer weiterfinanziert würde, stehe noch nicht fest, so Geist. „Wir werden eine Lösung finden, denn der Bedarf ist da“, sagte die Kita-Leiterin zuversichtlich.

Urkunde für gelungene Projektteilnahme

Die Ergebnisse der Elternbefragung wurden dem Bistum Mainz vorgestellt. Dabei wurde bestätigt, dass die Münsterer Kindertagesstätte ihre Ziele, sich zu einem Kommunikationszentrum zu entwickeln und Familien in ihren unterschiedlichen Bedürfnissen zu unterstützen, erreicht hätte. Für die gelungene Projektteilnahme gab es eine Urkunde vom Mainzer Caritasverband. Beim Informationsabend in den heimischen Wänden der Münsterer Kita dankte Marietta Geist allen Beteiligten: „Sie haben dazu beigetragen, dass wir ein Familienzentrum geworden sind. Für uns bedeutet das eine lebendige Gemeinschaft. Das heißt, wir können uns gegenseitige Unterstützung geben.“

Quelle: op-online.de

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