Lebensqualität auch für Demente

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Die Gäste der Demenzgruppe (hier mit Betreuerin Christine Beuck, 2. von rechts) haben gemeinsam viel Spaß - es wird gesungen, gemalt und gebastelt.

Münster - Immer mehr Menschen erkranken an Demenz, derzeit sind in Deutschland etwa eine Million Menschen betroffen, Tendenz steigend. Gerade der aktuelle Todesfall von Gunter Sachs bestätigt: Sowohl Männer als auch Frauen haben große Angst vor dieser Diagnose. Von Jasmin Frank

Doch ist ein Leben mit Demenz wirklich nicht lebenswert? „Sicher kommt es auf die individuelle Ausprägung der Krankheit an, doch ich kann nur für den Großteil der Betroffenen sprechen, die ich in den letzten 15 Jahren betreut habe: Auch mit einer Demenz gibt es Lebensqualität“, so Martina Müller, Initiatorin des Vereins Spurensuche. Sie hat regen Kontakt zu Kranken und deren Angehörigen und weiß, dass Demenzkranke schlicht auf einer anderen Ebene abgeholt werden müssen.

„Sie alle haben eine Menge Ressourcen, die aber nicht im kognitiven, sondern im emotionalen Bereich liegen. Deshalb muss man erlebnisorientiert mit ihnen arbeiten, so singen wir sehr viel gemeinsam, denn gerade in Zusammenhang mit Musik werden elementare Fähigkeiten wieder freigesetzt. Viele Patienten finden über das Singen von Liedern wieder zur Sprache zurück“, erläutert sie. Wichtig sei, nach einer Diagnose nicht in Depressionen zu verfallen, zudem sollten Angehörige den Betroffenen nicht alles abnehmen, denn gerade über eine Vielzahl von Aufgaben blieben die Menschen fit.

Informationen gibt es bei Martina Müller, Tel.:06071 30700.

Deshalb bietet der Verein auch zwei Mal pro Woche einen Nachmittagstreff an, an dem Demenzkranke in verschiedenen Stadien gemeinsam aktiv sind. „Ich helfe hier schon seit etwa zwei Jahren mit und erlebe, dass einige unserer Besucher sich stets wieder erkennen und gerne zusammen sind. Das Langzeitgedächtnis ist ja bei den meisten Gästen noch intakt, und so plaudern alle gemeinsam über Kindheitserlebnisse oder singen Lieder, die sie schon in ihrer Jugend gemocht haben.“ So geht es auch Leo Herd, der begeistert „Wir wollen zu Land ausfahren“ anstimmt. „Das ist mein Lieblingslied und wir singen es jedes Mal.

„Du bist genauso schusselig wie ich“

Ich bin in der Dienstagsgruppe, aber es gibt auch montags einen Treffpunkt“, weiß der Münsterer, der sich noch gut zurechtfindet. Jeder der Anwesenden ist auf einem anderen Niveau, sagt Betreuerin Christine Beuck und geht zu Elisabeth Gruber, die auch sehr gerne sing. Und weil sie aus Eppertshausen kommt, trällert sie auswendig das Lied der „Eppertshäuser Settche“. Zudem ist sie besonders fingerfertig und immer als erste mit den Bastelarbeiten fertig. Die Arbeit macht ihr Spaß, auch wenn sie nicht mehr genau weiß, was sie letzte Woche angefertigt hat. So fragt sie ihre Freundin, die es aber ebenfalls vergessen hat, worauf Gruber schmunzelt: „Du bist genauso schusselig wie ich“, und die beiden Damen lachen herzlich über den kleinen Scherz.

Die Zeit, die für die erkrankten Gäste so schnell vergeht, soll aber nicht nur sie erfreuen, sondern vor allen Dingen die pflegenden Familienangehörigen entlasten, die so ein paar freie Stunden genießen können. Doch die Gruppe braucht vor allen Dingen noch eines: weitere Ehrenamtliche, die nach einer Schulung mit den liebenswerten Senioren Zeit verbringen wollen, und Spenden, Geldmittel oder Sachzuwendungen – sogar selbstgebackene Kuchen sind willkommen und für die Männer und Frauen stets eine Freude.

Quelle: op-online.de

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