„Team-Building“ an der Aueschule

Als verschworener Haufen gen Irland

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Sportlehrer Thomas Müller zeigt den Schülerinnen, worauf es beim „Fröbelkran“ ankommt: auf gezielte Kooperation. Bis zu 15 Schüler stehen im Kreis, jeder hält zwei Fäden in der Hand, zusammen muss ein Holzklotz aufgehoben werden.

Münster - Ende September reisen 35 Neuntklässler der Schule auf der Aue mit zwei Lehrern für neun Tage auf die grüne Insel Irland. Darauf werden sie von den Pädagogen im Vorfeld intensiv vorbereitet.

Wenn 13-jährige Lily am Dienstag, 26. September, morgens in Frankfurt das Flugzeug in Richtung Dublin betritt, wird sie wohl etwas aufgeregt sein. Einerseits, weil sie sich unbändig auf Irland freut. Andererseits, weil sie noch nie geflogen ist. „Ich werde sie ablenken und ihr die Hand halten, wenn’s sein muss“, verspricht die 14 Jahre alte Sophie, die bestimmt schon 20 Mal mit dem Flugzeug unterwegs war. Vorbereitet und begleitet werden die Neuntklässler in diesem Jahr von Englischlehrerin Sonja Rackensperger und Sportlehrer Thomas Müller. Um vorher aus den Schülern aus sämtlichen Schulzweigen – also Gymnasium, Real- und Hauptschule – eine verschworene Gemeinschaft zu formen, treffen sich alle an mehreren Donnerstag-nachmittagen in der Gersprenzhalle. Dort gestaltet Müller ein abwechslungsreiches Programm unter dem Thema „Team-Building“. Jetzt feierte dieser besondere Kurs Premiere.

Müller, seit über 20 Jahren erfolgreicher Handballtrainer, hat sich im Bereich Coaching fleißig fortgebildet. Dass er zudem als Lehrer drei Jahre in den USA lebte und arbeitete, macht ihn zum perfekten Begleiter der jungen Gruppe. So startet die erste, 90-minütige Einheit mit einer besonderen Kennenlernrunde: Alle 35 Neuntklässler stellen sich auf schätzungsweise 30 Zentimeter breite Bänke und müssen dort oben miteinander die Plätze tauschen – jedoch erst, nachdem sie sich auf Englisch vorgestellt haben. In der nächsten Übung halten vier Schüler mit den Fingerspitzen einen ausgeklappten Zollstock und müssen ihn gemeinsam langsam in Richtung Boden balancieren. Beim berühmten „Fröbelkran“ kommt es dann auf gezielte Kooperation an: Bis zu 15 Schüler stehen im Kreis, jeder hält zwei Fäden in der Hand, alle Schnüre laufen in der Kreismitte zusammen. Dort befindet sich ein Metallbügel, mit dem die Teilnehmer gemeinsam einen umgekippten Holzklotz aufheben müssen. „Um zum Ziel zu gelangen, müssen die Mitspieler miteinander kommunizieren. Da können sich interessante Prozesse abspielen, die es vermögen, den Zusammenhalt zu stärken“, erklärt Lehrer Müller.

Der Pädagoge, der bereits schon Skikurse für Blinde gab, lernte hierbei eine andere Übung kennen: Ein Ball, der mit Schellen gefüllt ist, muss mit verbundenen Augen in ein Tor befördert werden, und zwar auf allen vieren. „Man muss sich auf sein Gehör und sein Gespür verlassen und zudem aufmerksam darauf achten, was die Mitspieler tun, wie sie sich bewegen, was sie beabsichtigen.“ Rücksichtnahme lässt sich auf diese Weise ebenso spielerisch festigen wie die Übernahme von Verantwortung für die Mannschaft. „Auf der Auslandsfahrt müssen wir als Gruppe funktionieren. Unser ,Team-Building‘ soll unsere Gruppe enger zueinander führen“, erläutert Müller Sinn und Zweck seiner Kursreihe.

Abschlussfeier der Schule auf der Aue in Münster: Bilder

Die 35 Schüler kennen sich – zumindest vom Sehen auf dem Pausenhof. In Irland werden sie mit bis zu fünf Mitschülern in Gastfamilien leben. Und nicht immer gehen diese „Zimmergenossen“ in die gleiche Klasse. Folglich ist es eine hervorragende Idee, dass sich die Irlandfahrer vorher besser kennen lernen.

In Irland selbst haben sie dann einiges vor: Von ihrem „Heimatort“ Kingscourt aus geht es täglich in andere Städte. In Navan wird „geshoppt“, in Newgrange gibt es mittelalterliche, neolithische Fundstätten zu bestaunen, in Giant’s Causeway besichtigt die Gruppe ein Freilichtmuseum. In Dublin besucht die Gruppe berühmte Sehenswürdigkeiten, und in Belfast können die Aueschüler das „Titanic-Museum“ bestaunen. Auch ein Besuch der „Secondary-School“ von Kingscourt steht auf dem Programm.

Sophie, die, wie eingangs erwähnt, bei 20 Flugreisen schon einiges von der Welt gesehen hat, freut sich beim Gedanken an Irland am meisten auf „die grünen Wiesen und die vielen Kühe“. Die wird sie sicher auf vielen Busfahrten bewundern können. Die Aueschüler kommen wieder einmal weit herum. Es wird interessant sein, was sie nach ihrer Rückkehr am 4. Oktober zu erzählen haben. (tm)

Quelle: op-online.de

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