Münster

Lernen mit Rechenschieber und Sütterlin

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Auf alten Fotos sieht man wie der Schulalltag früher einmal war.

Wie sich die Schule mit den Jahren verändert hat, zeigt eine Ausstellung im Museum an der Gersprenz in Münster. Dort kann man erleben, wie es zu Großmutters Zeiten auf der Schulbank war.

Münster - Zu Beginn eine Anekdote: Da wird ein kleines Mädchen eingeschult und hat bis dahin alles – im Wortsinn zu verstehen – mit links gemacht; sprich, gemalt und erste Buchstaben gekritzelt. Und dann muss dieses Mädchen plötzlich erstmals etwas ausschließlich mit der rechten Hand machen: schreiben. „Schon meine Mutter hatte mir das vor der Einschulung eingetrichtert. Heute mache ich noch immer alles besser mit der linken Hand, nur schreiben kann ich auch mit der rechten“, sagt Margarete Elster.

Sie ist das kleine Mädchen aus der Anekdote, wurde im Jahr 1954 eingeschult. Zudem ist sie noch bis zum Sommer 2009 Schulleiterin und Lehrerin an der Schule am Bürgerhaus in Nieder-Roden, geht dann in den Ruhestand. „So gesehen habe ich einen persönlichen Bezug zum Thema der Ausstellung“, meint Elster. Den hat sie – in doppelter Hinsicht. Denn die „Schule im Wandel der Zeiten“, so der Titel der neuen Ausstellung im Münsterer Museum an der Gersprenz, kennt sie deshalb besonders gut.

„Morgens mussten wir dem Lehrer zuerst unsere Fingernägel und das saubere Taschentuch zeigen“, erinnert sich Margarete Elster. „Hinter die Ohren hat der Lehrer auch ganz genau geschaut, ob da nicht was krabbelt.“ War ein Kind nicht sauber, gab’s schon mal die Unterredung mit den Eltern. „Körperlich gezüchtigt wurde in den Schulen nach dem Zweiten Weltkrieg aber kaum noch“, erzählt die Lehrerin.

Mit Unterstützung des Heimat- und Geschichtsvereins Münster und vor allem des Arbeitskreises mit Ernst-Peter Winter, Helma und Heinz Müller, Ewald Schneider und Karl Müller hat Elster die historische Schulschau im Museum auf die Beine gestellt. 200 Besucher seien zur Eröffnung gekommen, darunter 30 Kinder, berichtet die Organisatorin mit einem zufriedenem Lächeln.

„Also lautet der Beschluss, dass der Mensch was lernen muss“, heißt es im vierten Streich von Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ – doch viele kommen in die „Schule im Wandel der Zeiten“, weil sie bekannte Gesichter sehen wollen: „Viele Leute schauen wegen der zahlreichen Fotos früherer Schulklassen aus Münster vorbei“, sagt Elster. Die ältesten Fotos würden vom Geburtsjahrgang 1913 stammen, ab dem Jahrgang 1920 seien die Fotos sogar ziemlich lückenlos zusammengetragen worden. Andere Exponate, wie etwa ein alter Rechenschieber, originale Schreibhefte oder Atlanten stammen teils sogar aus der Zeit von vor 1900. Der Dieburger Heimatverein steuerte zudem Mobiliar aus der dortigen Marienschule bei – wer also mal wieder eine uralte Schulbank drücken will, kann dies in der Ausstellung ausgiebig tun. Auch das Schulmuseum in Rodgau Nieder-Roden trug einige Exponate bei.

Was sich denn nun gewandelt hat? „Die Klassen sind heute wesentlich kleiner, Jungs und Mädchen werden gemischt unterrichtet“, sagt Elster. Vor allem aber habe sich der Anspruch an die Schule geändert: Früher habe im Gegensatz zu heute niemand erwartet, dass die Kinder in der Schule erzogen würden. Und: „Pädagogik richtet sich heute immer mehr auf die Lernentwicklung des einzelnen Kindes aus, als auf die gemeinsame.“ Das sei auch nötig, denn etwa seit Mitte der 80er Jahre würden die Kinder zuhause unterschiedlicher erzogen. „Früher gab es da eine größere Homogenität im Elternhaus, zum Beispiel hinsichtlich der Werte“, erklärt Elster ohne Vorwurf in der Stimme. Inzwischen gelte für die Lehrer, dass die Grundregel-Erziehung in den schulischen Blickpunkt rücken müsse. Zudem seien die Lehrer bei Eltern heute weit weniger angesehen als in den 50er und 60er Jahren.

Quelle: op-online.de

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