Lernen, wie richtiges Liegen funktioniert

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Kursleiter Walter Horn von der Sozialstation Münster erläutert detailliert, was im Fall von Pflegebedürftigkeit in den eigenen vier Wänden zu tun ist.

Münster - Vier von zehn Personen melden sich, als Walter Horn von der Sozialstation Münster die Frage stellt: „Wer von Ihnen hat einen Pflegefall zuhause, der betreut werden muss?“Vier Menschen, die damit eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe übernommen haben. „Die Liegezeiten in Krankenhäusern werden immer kürzer, die häusliche Pflege wird immer wichtiger“, erklärt Horn. Von Jens Dörr

Er weiß Bescheid: Der sympathische Mann von der Sozialstation Münster ist examinierter Krankenpfleger und leitet den Kurs „Zuhause pflegen“, den die Barmer Ersatzkasse gemeinsam mit den Krankenkassen der Teilnehmer im ehemaligen Storchenschulhaus in Münster ausrichtet.

Die Teilnehmer – neun Frauen und ein Mann – kommen derweil nur zum Teil aus Münster; auch aus Dieburg, Groß-Zimmern und Eppertshausen wollen sich Interessenten über die Krankenpflege zuhause informieren. An elf Abenden folgen sie seit vergangenem Donnerstagabend Horns theoretischen Erläuterungen und erhalten zudem praktische Einweisungen.

Die Themen, die der Kurs „Zuhause pflegen“ anspricht, sind so vielfältig wie die Aufgabe: Vom Anheben und Führen eines pflegebedürftigen Menschen bis hin zur richtigen Bestückung der Hausapotheke reicht das Spektrum. Auch die Teilnehmer äußern zu Beginn der ersten Kurs-Stunde ganz unterschiedliche Erwartungen. „Ich möchte die richtige Lagerung eines Menschen lernen und wie es gelingt, dass er sich nicht wund liegt“, sagt etwa eine Frau aus Münster. Sie lässt dabei durchblicken, in dieser Hinsicht bereits die eine oder andere negative Erfahrung gemacht zu haben. „Praktische Tipps, wie man einen Pflegebedürftigen wäscht“,erhofft sich derweil eine Dame aus Dieburg.

„In Deutschland gibt es immer mehr Pflegefälle, deren Ursachen Schlaganfälle und Herzinfarkte waren“,erläutert Walter Horn. Dies seien die häufigsten Erkrankungen, die zu Pflegefällen führten, auch solchen der Pflegestufen zwei und drei, die bedeuten, dass der Betroffene bettlägerig ist.

Alleine durch die Tatsache, dass jemand nahezu den ganzen Tag liegt, können zahlreiche Probleme entstehen. Über sie klärte der Kurs auf und hatte eine Reihe von Methoden parat: So gibt es beispielsweise eine eigene Einheit, die „Zweiterkrankungen verhindern“ heißt und sich mit richtiger Lagerung, Lagerungshilfen und Druckgeschwüren befasst. Nicht immer schön, aber äußerst wichtig. Eigene Kurs-Stunden beschäftigen sich auch mit Aspekten wie „Sterbenden beistehen“ und „Verwirrtsein im Alter“. Nicht nur fachlich, sondern außerdem psychisch eine oft anspruchsvolle Aufgabe für die pflegenden Angehörigen.

Vor all dem stünde laut Horn allerdings zunächst die Feststellung, „wie stark jemand pflegebedürftig ist, sprich: Welche Pflegestufe er hat.“Viele Angehörige wüssten zunächst nicht einmal, an wen sie sich wenden können, wenn es mit Vati oder Mutti bergab ginge, meint der Referent. Die Pflegedienste der Krankenhäuser und die Sozialstationen könnten in diesen Fällen als erste Anlaufstellen dienen.

Kontakt zur Sozialstation

Die Münsterer Sozialstation ist unter der Telefonnummer 06071/30680 und per Fax an 06071/30682 zu erreichen. Auch E-Mail ist möglich: sst.dieburg@caritas-dieburg.de. Wer persönlichen Kontakt wünscht, ist im Büro richtig - es ist im Münsterer Storchenschulhaus zu finden (Frankfurter Straße 3). Bürozeiten sind montags bis freitags zwischen 9 und 16 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten werden Anrufer über die Rufweiterleitung verbunden.

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