Lesenacht ohne Langeweile

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Gebannt hängen die Kinder in der Lesenacht an den Lippen der Vorleserin und Autorin Inge Zahn.

Münster ‐ Immer mehr Kinder strömten Freitagabend in die Bücherei in Münster und breiteten sich mit Isomatten auf dem Boden aus, bis kein freies Plätzchen mehr zu finden war. Anlass für diesen Andrang war eine Veranstaltung der Bücherei mit der Jugendförderung der Gemeinde. Von Jasmin Frank

Wir machen das in diesem Rahmen zum ersten Mal“, erläutert die Leiterin der Einrichtung, Barbara Winter. „Zwar gab es schon unsere beliebten Adventslesungen, die wir auch in diesem Jahr wieder anbieten werden, aber eine Aktion für Kinder, die sich bis in die Nacht hineinzieht, hatten wir noch nie“, berichtet sie.

Auch für die musikalische Unterhalterin, Ingeborg Hagelauer, ist die Uhrzeit und das Publikum ungewohnt: „Ich spiele heute Abend auf meiner Veeh-Harfe. Das ist ein Instrument, das es erst seit etwa 20 Jahren gibt und schnell zu erlernen ist. Normalerweise bin ich bei den Senioren aktiv, aber auch für Kinder sind die ruhigen Stücke bestimmt eine schöne Sache.

Mit dieser Vermutung liegt die Autodidaktin richtig, denn kaum erklingen die ersten Töne der sanften Musik, verstummen alle Kinder und spitzen die Ohren. Auch als Hagelauer ihre Harfe erklärt, sind die 22 Jungen und Mädchen ganz bei der Sache.

Junge Leseratten brauchen regelmäßig Nachschub

Doch die Musik ist an diesem Abend nur Beiwerk, die Hauptsache ist das Lesen. So sehen das auch Bianca und Christina Vay. Die beiden Schwestern sind richtige Leseratten und besuchen die Bücherei häufig. Vor allem die ältere der beiden, die neunjährige Bianca, braucht regelmäßig neuen Lesestoff: „Ich lese ein ganz dickes Buch in nur zwei bis drei Tagen aus. Deshalb leihe ich mir immer mehrere Bücher auf einmal aus, damit ich lange genug etwas davon habe.

In einer anderen Ecke des Raumes hat es sich eine ganze Gruppe von Kindern gemütlich gemacht: Die Isomatten sind eng aneinander gerückt, eine Decke ist über die Steppkes gelegt und alle plaudern und kichern miteinander. Auf die Frage, warum sie sich für diesen Abend angemeldet haben, verweist jedes der Mädchen auf ihre jeweilige Freundin mit der Aussage, sie sei nur wegen ihr mitgekommen.

Kim Larssen Initiator der Runde

Zuletzt bleibt Kim Larssen übrig, die sich als Initiatorin der Runde herausstellt und erzählt: „Ich lese jeden Tag ganz viel. Und ich bekomme auch gerne vorgelesen. Deshalb habe ich meinen Freundinnen Bescheid gesagt, dass es diesen tollen Abend in Münster gibt und jetzt sind wir alle hier.

Und da kann es auch schon mit den Geschichten losgehen, die von Inge Zahn erzählt werden. Die Dieburgerin verfasst an sich sozialkritische Werke für Erwachsene, hat aber auch schon einiges an Kinderliteratur geschrieben. Ihre Bücher werden von ihrem Mann Peter, der eigentlich Mathematiker ist, liebevoll illustriert. An diesem Abend gibt sie surrealistische Erzählungen aus ihrem Buch „Lili Mähi-Lili“ zum Besten, in dem ein Ziegenbock an Walpurgisnacht plötzlich sprechen kann und sich an ein Mädchen wendet, mit dem er dann einige Abenteuer erlebt.

Den Kindern gefällt es offensichtlich, denn mit großen Augen und offenen Mündern hören sie Inge Zahn bis spät in den Abend hinein zu.

Quelle: op-online.de

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