Leseproben in der Bücherbar

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Sue Ferrers forderte die Aufmerksamkeit der Zuhörer heraus und bewies schauspielerisches Talent beim Vorlesen eines englischen Kurzkrimis.

Altheim ‐ „Die Bekanntschaft mit einem einzigen guten Buch kann ein Leben verändern.“ Diese Erfahrung schienen einige Besucher der „Bücher-Bar“ in der Altheimer Regenbogenschule mit dem hier zitierten französischen Dramatiker Marcel Prévost zu teilen. Von Ellen Jöckel

Sie hatten auf Anregung der Lehrer Max Petermann und Angela Müth ihre Lieblingslektüre mitgebracht und stellten diese in einer familiären Runde von rund 40 Eltern und Lehrern vor. Dazu wurde das Foyer der Grundschule vom Förderverein mit kleinen Sitzgruppen, Blumen, Kerzen und schwarzen Samtvorhängen in eine gemütliche Bücher-Bar verwandelt. Und wie es sich für eine Bar gehört, konnten zum Ohrenschmaus diverse Getränke genossen werden. Der Erlös daraus floss in die Kasse des Vereins.

Weil die mitgebrachten Werke so unterschiedlich waren, gestaltete sich der Abend entsprechend abwechslungsreich. Manchmal wurde schallend gelacht, wie zum Beispiel bei einer Geschichte über einen gewissen Herrn Schmalenbach, einem Alltagshelden aus dem Buch „Die schlimmsten Dinge passieren immer am Morgen“ von Wolfgang Brenner. Selbst Dieter Reisert wurde beim Vorlesen der liebevoll-bissigen Satire vom Gelächter des Publikums angesteckt und hatte zum Teil Mühe, weiterzulesen.

Heiterkeit und Freude auslösen

Bei anderen Texten hingegen war die Nachdenklichkeit unter den Zuhörern spürbar, wie beispielsweise bei dem Roman „19 Minuten“ von Jodi Picould, der von Jürgen Thinius vorgestellt wurde. „19 Minuten“ ist das detaillierte Psychogramm eines Highschool-Amokläufers. „Für mich war es das schrecklichste Buch, das ich je gelesen habe“, sagte Thinius mit Bezug auf den Inhalt.

Ein trauriges Thema hat auch das Werk „Wie man unsterblich wird“ von Sally Nicholls, aus dem Lehrerin Angela Müth vorlas. Doch trotz der bedrückenden Tatsache, dass der Plot aus Sicht zweier an Leukämie erkrankter Teenager geschrieben ist, gelingt es der Autorin auch, Gefühle wie Heiterkeit und Freude auszulösen. „Ich habe das Buch mit meiner Klasse gelesen. Besser kann man Kinder nicht an die heiklen Themen Tod und Krankheit heranführen und ihnen klarmachen, dass jede Minute im Leben zählt“, erzählte Müth zur Einführung.

Besonders herausgefordert wurde die Aufmerksamkeit des Publikums von Anja Haus und Sue Ferrers: Haus hatte als einzige unter den Vorlesern selbstverfasste Texte mitgebracht. Sie trug Gedichte vor, die von der Kommunikation zwischen Mann und Frau handelten. Ferrers las den Kurzkrimi „Lamb to the Slaughter“ von Roald Dahl auf Englisch vor. Dabei setzte die Australierin ihr schauspielerisches Talent so gekonnt ein, dass die humorvolle Geschichte um einen Mord mit einer gefrorenen Lammkeule trotz Fremdsprache bestens bei den Zuhörern ankam.

Später begeisterte Ferrers durch ihre Virtuosität beim Geigenspiel in der Folk-Rock-Band Can-Gurus. Die Band sorgte in der Bücher-Bar mit fetziger Musik für Auflockerung zwischen den ruhigen, geistvollen Momenten. Dazu sagte Max Petermann in seiner Begrüßung: „Wer sagt denn, dass bei Lesungen immer nur Chopin gespielt werden darf. Und warum sollte eine Schule nur für Kinder sein? Wir möchten sie auch für Eltern öffnen.“

Seit Herbst letzten Jahres werden in der Regenbogenschule nun regelmäßig Kulturangebote für Erwachsene gemacht. Ähnlich wie bei den vielfältigen kulturellen Aktivitäten mit den Schülern ist das Prinzip, dass Eltern die Möglichkeit haben, den Abend kreativ mitzugestalten. „Von Eltern für Eltern“ ist das Motto der Reihe, deren Anfang ein gemeinsamer Konzertabend machte.

Die Pforten der Regenbogenschule sind bei diesen Veranstaltungen aber nicht nur den Eltern geöffnet. „Altheim hat noch keinen eigenen Kulturort. Die Idee hinter der Veranstaltungsreihe ist, den Ort kulturell zu beleben. Die Schule muss abends ja nicht leer stehen“, sagte Petermann, der seit Sommer 2009 Kulturberater für den Schulamtsbezirk Darmstadt-Dieburg ist. Dennoch wünsche er sich mehr Raum für Theaterstücke oder Konzerte. Das Schulgebäude böte nur begrenzte Möglichkeiten. Auch die Sporthalle nebenan sei keine Alternative. „Turnhallen sind Turnhallen und bieten nicht das, was ein Theater ausmacht“, so Petermann.

Für einen anregenden Abend mit vielen Buchtipps von Eltern für Eltern boten die Räumlichkeiten der Schule aber, dank der behaglichen Gestaltung durch den Förderverein, das passende Ambiente. Bis nach Mitternacht tanzten die Besucher zu den mitreißenden Klängen der Can-Gurus.

Quelle: op-online.de

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