Lesespaß mit grünem Getüm

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Die Schüler hingen alle an seinen Lippen und verfolgten die theatralische Gestik: Max Petermann, Lehrer an der Regenbogenschule, bei der Lesung von „Das Getüm“ von Dietlind Neven-du Mont.

Altheim ‐ „Eigentlich sind die Ungetüme schon vor Jahrhunderten ausgestorben. Heute findet man nur noch gewöhnliche Getüme, die am liebsten hoch oben im Bücherregal hocken.“ Von Ellen Jöckel

Gebannt hängen die Schüler der Regenbogenschule an den Lippen von Max Petermann, der ihnen „Das Getüm“ von Dietlind Neven-du Mont, einem Buch aus den 1970er Jahren, vorliest. Nicht mehr halten vor lachen konnten sich die Grundschüler, als Petermann, der neben Lehrer auch Schauspieler und Regisseur ist, mit gespitzten Lippen und wild gestikulierend das liebenswert-freche, grüne Getüm nachahmte. In der vergangenen Woche stand der Unterricht in der Altheimer Regenbogenschule ganz im Zeichen des Buches. Zum dritten Mal fand eine Lesewoche statt, in der in den Klassen viel gelesen wurde und die Schüler mit ihren Lehrern in Sachen Literatur unterwegs waren.

„Wir wollen, dass die Kinder durch die Lesewoche Freude am Lesen bekommen. Wenn sich die Kinder gegenseitig etwas vorlesen, über ihre Lieblingsbücher reden oder ein Lesetagebuch schreiben, trägt das wesentlich zur Sprach- und Schreiberziehung bei“, erläuterte Schulleiterin Helga Blitz.

Wie wird ein Buch gemacht?

Die Schüler hatten sich für die Woche Kissen und Decken mitgebracht, auf denen sie dann eingekuschelt in ihrem Buch schmökern konnten. „Es ist unglaublich, was für eine atemberaubende Stille in den Klassen herrscht, wenn die Kinder lesen“, erzählte Blitz, die selbst unterrichtet. „Wenn der Lehrer auch ein Buch zur Hand nimmt, spornt das die Schüler an. Viele Kinder haben über die Lesewoche eine Leidenschaft für das Lesen entdeckt“, führte Blitz aus.

Wie ein Buch gemacht wird, wollten die Kinder aus der dritten Klasse wissen und sind mit ihrem Klassenlehrer Max Petermann in eine Buchbinderei nach Darmstadt gefahren. „Vorher habe ich es nicht für möglich gehalten, dass wir einen Einblick in den gesamten Arbeitsablauf der Buchherstellung bekommen“, äußerte sich der Pädagoge überrascht. Die acht- bis neunjährigen Schüler seien sehr fasziniert gewesen und hätten sich Ausschussware der Buchbinderei zur Erinnerung mitgenommen. „Hier wurden nicht, wie man meinen könnte, historische Bücher aufbereitet. Wir haben sogar unser Mathematikbuch entdeckt, was dort gefertigt wurde“, sagte Petermann.

Kinder nehmen die Sache sehr ernst

Auch die Eltern wurden bei der Lesewoche miteinbezogen. Neben einem Abend unter Erwachsenen mit Bücher-Tipps von Eltern für Eltern (wir berichteten), hatten die Schüler der Klasse 3a ihre Mamas und Papas ins Café „Lesewurm“ eingeladen. Hier wurden sie von ihren Sprösslingen mit selbst gebackenen Muffins und Kaffee verwöhnt. Dazu lasen die Grundschüler aus eigenen oder fremden Texten vor. „Die Kinder finden es toll, ihre Eltern zu bedienen und nehmen die Sache sehr ernst. Sie sind gerne einmal Gastgeber“, erklärte Petermann.

Am Ende der Lesewoche wurden einige der in den Klassen gelesenen Werke im Freitags-Schlusskreis vor der gesamten Schule vorgestellt, wie zum Beispiel die der Klassen 4a und 4b, die das Leseprojekt „Rund um Astrid Lindgren“ hatten. Die darin beiden zweiten Klassen hatten sich mit dem Buch „Jakob und der große Junge“ von Paul Maar beschäftigt. Darin geht es um die Erfahrungen eines Grundschülers auf seinem Schulweg. Die kindgerechte Sprache und Wortwahl der Lektüre sorgen dafür, dass die jungen Leser gut vorankommen und auch zum Weiterlesen motiviert werden.

So wurde die Lesewoche für alle Schüler der Regenbogenschule ein abwechslungsreiche Zeit rund ums Buch.

Quelle: op-online.de

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