Letzter Ausweg: Frauenhaus

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Der Verein „Frauen helfen Frauen“ berät- wie in dieser nachgestellten Szene - wenn häusliche Gewalt droht oder sie bereits massiv vorhanden ist.

Münster - Der Verein „Frauen helfen Frauen“ kennt kein Sommerloch, hat ständig viel zu tun, denn er unterhält gleich zwei Anlaufstellen im Landkreis: Frauen, die Informationen rund um das Thema Gewalt brauchen, können sich an die Beratungsstelle in der Dieburger Altstadt wenden, Frauen, die in direkten Bedrohungssituationen sind, können Schutz im Frauenhaus finden, dessen Sitz geheim gehalten wird. Von Jasmin Frank

„Natürlich greifen beide Bereiche ineinander. Es kann sein, dass eine Frau ihre Situation nicht richtig einschätzen kann, denn vielen Betroffenen ist gar nicht bewusst, wo Grenzen überschritten werden und welche Rechte sie haben“, informiert Diplom-Sozialpädagogin Marion Riegel. Häufig werden die Frauen zunächst kontrolliert, dürfen nur in Begleitung ihres Partners ausgehen, müssen genaue Rechenschaft über das Haushaltsgeld ablegen und werden zunehmend isoliert. Häusliche Gewalt kennt viele Varianten, zu der eben auch physische Gewalt, also Schläge und Misshandlungen, gehört. „Frauen stehen auch finanziell enorm unter Druck, haben kein eigenes Geld und zum Teil auch Schulden, denn die Männer lassen sie alles mögliche unterschreiben. So lasten vielfältige Probleme auf ihnen“, informiert Riegel.

Sie kennt viele Beispiele und erläutert anschaulich, wie schwierig es für die Betroffenen beispielsweise ist, eine eigene Wohnung zu finden: In einem Fall hat der Ehemann Verträge geschlossen und die Unterschrift der Frau gefälscht, so dass diese dann einen Schufa-Eintrag bekam und nun von keinem Vermieter angenommen wurde. „Erst als die Anwältin eingeschaltet und Strafanzeige wegen Urkundenfälschung erstattet wurde, konnten nach einiger Zeit die Schufa-Einträge gelöscht werden.

Frauen helfen Frauen, Beratungsstelle: Altstadt 29, 64807 Dieburg, Tel.:  06071 25666, E-Mail: beratung@frauenhelfenfrauen-da-di.de;

Frauenhaus: Tel.:  06071 33033, E-Mail: frauenhaus@frauenhelfenfrauen-da-di.de, oder auf der Internetseite

Doch alleine schaffen Frauen solche langwierigen Verfahren nicht“, weiß Riegel. So ist es eine der Hauptaufgaben des Vereins, die Betroffenen zu beraten und zu begleiten: Der bürokratische Aufwand ist häufig enorm und es müssen zahlreiche Anträge gestellt werden, vor allem, um die finanziellen Bedürfnisse zu regeln. „Ein Teil der Frauen hat ohnehin keine Arbeit, andere müssen sie aufgeben, weil der Gewalttäter ihnen dort auflauert. So sind sie zunächst einmal auf Hartz IV angewiesen und bis da Geld fließt kann es viele Wochen dauern, was auch für uns als Einrichtung ein Problem ist, denn wir sind auf den Mietzuschuss angewiesen“, bemängelt die Fachfrau.

Spendenkonto: Sparkasse Dieburg, Bankleitzahl: 508 526 51, Kontonummer: 330 328 30.

Neben diesen Einnahmen finanziert sich der Verein über öff entlich e Fördermittel und Spenden, die immer dringend gebraucht werden. Der Weg ins Frauenhaus ist ganz individuell: Oft werden die Frauen nach einem heftigen häuslichen Streit von der Polizei ins Frauenhaus gebracht, manchmal weist ein Arzt den Frauen den Weg, in anderen Fällen entscheiden sich die Betroffenen erst zur Flucht, wenn ihre Kinder bedroht werden oder das Jugendamt einschreitet.

Kinder sind im Frauenhaus keine Seltenheit und sie finden dort, was ihnen lange gefehlt hat: Ruhe und Sicherheit. „Dennoch gibt es immer wieder Fälle, in denen Frauen zu dem gewalttätigen Mann zurückkehren, teils weil sie sich selbst die Schuld geben, teils weil sie denken, es ohne ihn nicht zu schaffen. Auch die traditionelle Vorstellung, dass Kinder, insbesondere Söhne, ihren Vater bräuchten, obwohl dieser aggressiv wird, spielt eine große Rolle. Doch häufig wird recht schnell deutlich, dass auch dieser letzte Versuch vertan war“, informiert Riegel. Schaffen die Frauen den Schritt in die Selbständigkeit, werden sie auch nach ihrem Aufenthalt im Frauenhaus nicht alleine gelassen, sondern können sich immer wieder an die Beratungsstelle wenden. „Wichtig ist, sich über seine Rechte im Klaren zu sein, zu realisieren, wo Grenzen überschritten sind und sich dann Hilfe zu holen. Auch wer sich unsicher ist, ob zu Hause alles so ist, wie es sein sollte, kann sich an uns wenden“, bietet Riegel an.

Quelle: op-online.de

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