Lieber Schaukeln und Kastanienbäume

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Günter Warmons (links) und Dietmar Weidauer wollen nicht tatenlos zusehen, wie der Spielplatz in der Münsterer Robert-Koch-Straße zum Baugrundstück wird. Das hingegen planen Gemeindeverwaltung und CDU-Fraktion.

Münster - „Sowas macht mein einfach nicht“, sagt Günter Warmons und schüttelt den Kopf. Was den 69-jährigen Münsterer umtreibt, ist der Kinderspielplatz, der direkt an sein Grundstück im Wohngebiet „Im Schöll“ angrenzt. Von Alexander Klug

Stimmt das Parlament einer Änderung des Bebauungsplans für das 900-Quadratmeter-Areal in Gemeindebesitz zu, wäre das der erste Schritt Richtung eines Verkaufs – und Richtung des Baus neuer Häuser. Um das so schwer wie möglich zu machen, haben Warmons und seine Mitstreiter nun eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen.

Denn den Verlust der Grünfläche an seiner Grundstücksgrenze will der Rentner nicht hinnehmen, zusammen mit Nachbar Dietmar Weidauer schildert er die Lage aus seiner Sicht. Nicht nur, dass viele Gebühren steigen sollen, um das aktuelle Haushaltsloch zu stopfen, der „größte Brocken“ Geld soll nun durch den Verkauf des lauschigen Grundstücks in die Gemeindekasse kommen.

Kastanien- und Platanenbäume

Argumente, der Spielplatz würde kaum mehr von Kindern genutzt, lässt Warmons nicht gelten. „Natürlich wird er noch genutzt“, sagt Günter Warmons. Außerdem sei die Benutzung von Spielplätzen nicht konstant. „Es gibt Zeiten, da ist hier richtig Remmidemmi, dann geht es wieder ruhiger zu.“ Viele Eltern würden den Spielplatz wegen der Kastanien- und Platanenbäume, sieben an der Zahl, und des Schattens, den sie spendeten, sehr schätzen. „Dieser schöne Ort wäre unwiederbringlich verloren, wenn er ersteinmal verkauft ist“, meint der Münsterer.

Ganz zu schweigen davon, was an dieser Stelle entstehen könne: Von Mehrfamilien- und Reihenhäusern habe er munkeln hören, sagt Warmons – so mancher sehe bereits Bagger und Kräne in seinem beschaulichen Viertel auffahren. „Freilich sind das Eigeninteressen, aber aussprechen darf man sie doch trotzdem“, meint der 69-Jährige. Der langjährige Gemeindevertreter schätzt die Chancen, den Verkauf noch abwenden zu können, recht gering ein. „Das wird die Mehrheit im Parlament durchwinken.

Verkauf könnte Gemeinde 260.000 Euro einbringen

Den Zwang, Geld in die Gemeindekasse zu bekommen, hält CDU-Fraktionschef Matthias Wagner entgegen: „Die Steuerausfälle sind immens. Als Reaktion können wir nicht nur Ausgaben kappen, sondern müssen auch zusätzliches Geld einnehmen.“ Zählungen hätten ergeben, dass die Nutzung des Spielplatzes in der Robert-Koch-Straße gering sei. Der Verkauf könnte der Gemeinde rund 260 000 Euro einbringen.

Was die Größe der eventuellen künftigen Häuser angeht, spricht Wagner von der Aufteilung in zwei 450 Quadratmeter große Parzellen und „moderater Bebauung“, die er und wohl auch seine Fraktion favorisieren – orientiert an den direkt angrenzenden Häusern. „Die Variante mit dem Zehn-Familien-Haus mit Tiefgarage käme nur zum Zuge, wenn sich die kleineren Grundstücke überhaupt nicht vermarkten lassen“, meint der Fraktionsvorsitzende. Ihm lägen, wie er sagt, noch keine Anfragen von Einzelpersonen oder Investoren vor.

Bürgermeister für den Verkauf

Auch die Verwaltung gehe, meint Bürgermeister Walter Blank auf Anfrage unserer Zeitung, von der Aufteilung des Areals in zwei Grundstücke aus. „Aber es soll bei der Sitzung der Gemeindevertreter am Montag ja ersteinmal nur die Änderung des Bebauungsplans beschlossen werden. Der liegt dann zur Einsicht aus und jeder kann Bedenken und Sorgen anbringen“, erläutert der Verwaltungschef.

Dass ihm der Verkauf zupass käme, daraus macht er keinen Hehl: „Wir würden die laufenden Ausgaben für die Pflege einsparen. Und mit dem Erlös könnten wir an anderer Stelle investieren.“ Zum Beispiel in nötige Umbauten im Feuerwehrhaus; auch im Seniorenwohnheim gebe es ständig etwas zu erledigen. „Und irgendwo muss das Geld dafür schließlich herkommen“, stellt der Bürgermeister klar.

Quelle: op-online.de

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