Vertreibung und Himmelreich

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Dr. Kirsten Sames eröffnete mit Büchereileiterin Jasmin Frank (Mitte) den Themenabend „Flucht und Vertreibung“, in dessen Mittelpunkt die Lesung der Münsterer Autorin Hannelore Deinert (sitzend) stand.

Münster - „Literatur und Geschichte: Flucht und Vertreibung“ – unter diesem Motto stand der abwechslungsreiche Themenabend im Münsterer Museum an der Gersprenz in der Bahnhofstraße. Von Matthias Grimm

Hauptpunkt des Abends war die Lesung der Autorin Hannelore Deinert, die Ausschnitte aus ihrem Buch „Geliebtes und verfluchtes Land“ präsentierte.

Ausrichter der Lesung waren die Gemeindebücherei sowie der Heimat- und Geschichtsverein Münster. Jasmin Frank, Leiterin der Bücherei und Historikerin, erklärte, dass die Bücherei vor Ort auch kulturelle Angebote machen wolle. Zu diesem Zweck suchte sie die Zusammenarbeit mit dem Kunsthistoriker Kai Herd, der auch Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins ist. Er wurde am Themenabend von der Historikerin Dr. Kirsten Sames vertreten, die gemeinsam mit Jasmin Frank die Veranstaltung eröffnete.

Mit gut 40 Zuhörern voll besetzt

Das Café des Museums war mit gut 40 Zuhörern voll besetzt. Sie verfolgten mit viel Spannung die Lesung der Münsterer Autorin. Manche Zuhörer dürften in ihre Jugend und Kindheit zurückversetzt worden sein – in die Zeit, als sie selbst und ihre Eltern nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen mussten.

Und sie konnten ihre Erinnerungen nicht nur verbal auffrischen, sondern auch schmecken und riechen – in der Pause der Lesung wurde mit dem „Schlesischen Himmelreich“ ein typisch ostmitteldeutsches Gericht gereicht. Hierbei kommen Kassler-Fleisch mit Knödeln und typisch schlesisches Trockenobst auf den Teller.

In der lockeren Atmosphäre des Abends waren die Zeitzeugen dazu eingeladen, sich über ihre persönlichen Erfahrungen zum Thema „Flucht und Vertreibung“ auszutauschen. Wie haben sie die Flucht erlebt, und wie erging es ihnen nach ihrer Ankunft in Münster?

„Geliebtes und verfluchtes Land“

In ihrem Roman „Geliebtes und verfluchtes Land“ verarbeitet Hannelore Deinert das Schicksal der Familie ihres Mannes. Nach tatsächlichen Begebenheiten, die sich aus den Erinnerungen von Zeitzeugen, Dokumenten und zeitgeschichtlichen Büchern ergeben, ist die Handlung so wirklichkeitsnah wie möglich nachgezeichnet. Neben den Erlebnissen der eigenen Familie flossen so auch Biografien anderer Familien in die Handlung ein, die Namen der Personen wurden geändert. Der Roman ist im „public book media Verlag“ in Frankfurt am Main erschienen.

Mit dem Themenabend ist es den Organisatoren trefflich gelungen, eine Begegnungsplattform zwischen Literatur und Geschichte zu schaffen. Und dies soll nach Aussage von Jasmin Frank öfter mal geschehen, „um Geschichte lebendig werden zu lassen“.

Quelle: op-online.de

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