Luxuriöse Notlösung

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Spiel und Spaß für die Kleinen, Informationen für die Großen: Elternbeirat, Kitateam und Gemeinde sorgten für eine gelungene Präsentation rund um die Pavillionanlage vom Haus der Kinder.

Münster - Wer erstmals durch die Räume der Übergangsunterkunft für rund 60 Kinder samt Erzieherinnenteam und Leitung vom Münsterer Haus der Kinder geht, staunt nicht schlecht. Von Ellen Jöckel

Da werden großzügige, kindgerecht eingerichtete Gruppenräume, eine voll ausgestattete Küche, ein Besprechungsraum und ein Raum mit Schallschutz für ungestörte Sprachübungsstunden präsentiert.

„Für eine Notlösung ist es hier sehr luxuriös“, äußerte sich Viola Theuerling, die mit ihrem Mann und ihrem zweijährigen Sohn Kjell zur öffentlichen Präsentation in die Friedrich-Ebert-Straße 73a neben der Kulturhalle gekommen war. Die junge Familie wohnt seit einem Jahr in Münster und schaut sich nach einem Tagesplatz für ihren Sohn um, der im Dezember drei Jahre alt wird. Die Geschehnisse rund um das Haus der Kinder hätte das Paar über die Zeitung verfolgt. „Pavillon klang für uns nicht so attraktiv“, gab Viola Theuerling zu. Doch durch den Besuch der Anlage habe sich ihre Meinung geändert. „Wir finden, es ist sehr gut gelungen und wir können uns vorstellen, unseren Sohn hier anzumelden.“

Viele Unanehmlichkeiten für Familien und Kita-Team

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Für Aussagen wie diese hatten sich die Anstrengungen der letzten Wochen bis Monate für Erzieherinnen und Eltern gelohnt: Nicht nur die jüngste Öffnung für jedermann mit einer Theateraufführung, Rollenrutsche, Würstchen und einer informativen Führung durch das Haus wurde in Zusammenarbeit mit dem Träger, der Gemeinde Münster, auf die Beine gestellt. Seit Bekanntgabe der umfangreichen Mängel am Haus der Kinder wie Feuchtigkeit an den Außenwänden und Schimmelbefall unter dem Estrich vor anderthalb Jahren sahen sich das Kitateam, Eltern und der Träger mit vielen Unanehmlichkeiten konfrontiert: Die Gemeindevertreter mussten sich über die Art der Sanierung einigen. Ein Ausweichdomizil musste errichtet, eingerichtet, ein Umzug mit „Kind und Kegel“ organisiert und bewältigt werden.

„Natürlich gab es Ängste und Befürchtungen bei den Eltern, wie der Kindergartenalltag dann in einer solchen Anlage ablaufen soll. Nun hat sich die Skepsis aber gelegt und alle sind zufrieden. Das liegt hauptsächlich an der Leitung und dem Team, die Blut und Wasser in die Gestaltung der Räume gesteckt haben“, betont Elternbeiratsvorsitzende Melanie Ellermann. Am wenigsten gelitten hätten die Kinder: Für sie sei die neue Umgebung ein großes Abenteuerland gewesen, das es zu erobern galt, so Ellermann.

Starke Unterstützung durch Eltern

Für gute Unterhaltung sorgte das Theater Tatüt beim Tag der offenen Tür in der Pavillonanlage der Münsterer Kindertagesstätte Haus der Kinder.

Insgesamt sind 400 Kubikmeter Transportgut von der Stettiner in die Friedrich-Ebert-Straße geschafft worden. Beim Tag der offenen Tür ist bei den Organisatoren statt Erschöpfung große Erleichterung zu spüren. „Elternbeirat, Kindergartenteam und Gemeinde arbeiten optimal zusammen“, weiß Kitaleiterin Marion Kinzl. Nur mit Hilfe der starken Unterstützung durch die Eltern, die hohe Belastbarkeit des Teams und dem Einsatz von Olaf Salg, dem stellvertretenden Leiter der Abteilung Jugendföderung und Soziales, sei die Pavillonanlage so geworden wie sie ist, lobt die Leiterin. Lediglich zwei Familien hätten sich entschieden, den Kindergarten aufgrund des für sie verlängerten Anfahrtweges zu verlassen.

Insgesamt seien für dieses Jahr 20 Neuanmeldungen zu verzeichnen, berichtet Kinzl. Lange werden die Neuankömmlinge in der Übergangsstätte nicht verweilen müssen. „Die Sanierungsmaßnahmen sind im vollen Gange. Der Estrich ist raus und die Entkernung fast abgeschlossen“, berichtet die stellvertretende Bauamtsleiterin der Gemeinde Münster, Luise Schmidtke. Sie ist zuversichtlich, dass der „Rückzug“ ins echte Haus der Kinder im März oder April 2013 erfolgen kann.

Ende gut alles gut? Ein großer Wermutstropfen bleibt: Am Ende wird die Gemeinde rund 915 .000 Euro wegen des Baufehlers ausgegeben haben. Ein herber Schlag für den amtierenden Bürgermeister Walter Blank. Projekte wie der Weiterbau an der Darmstädter Straße verzögerten sich nach seiner Aussage nach durch diese unvorhergesehene Mammutaufgabe.

Quelle: op-online.de

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