Es gibt sie wieder mehr: Maikäfer

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Eine junge Eiche am Ortsrand Altheims hat es diesem hungrigen Krabblerpaar angetan. Doch keine Gefahr: Die vom Maikäferbefall geplagten Pflanzen erholen sich rasch, sagt Dr. Heimer von der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis.

Münster - Die Dämmerung erreichte Altheims Osten und die Gattin des Hauses machte Licht in der Wohnstube, als die abendliche Ruhe durch klackende Geräusche an der Festerscheibe gestört wurde. Ein, zwei, drei mal ein leichter Klatsch. Ruhe. Dann wieder. Von Thomas Meier

„Als ich auf der Terrasse nachsehen wollte, was da gegen die Fenster schlägt, knackte es erst einmal unter meinen Pantoffeln“, berichtet die Wachsame. Und sie erschrak, als sie gewahr wurde, worauf sie getreten war: Maikäfer.

Am Ostrand des Ortsteiles gelegen, beobachten die Bürger derzeit verstärkt die dicken Brummer, die Liedermacher Reinhard Mey in den 70-er Jahren schon als nicht mehr existent besungen hatte: Es gibt sie doch noch, die Maikäfer. Und zwar in allen Klassifizierungen, für die schon früher die Kinder die unterschiedlichen Tauschwerte definierten: Schornsteinfeger (dunkel mit wenig Behaarung), Müller (mehlig weißlich behaart) und Kaiser (rötlicher Kopf und rötliches Brustschild, sehr selten).

Plage im Hessischen Ried

Und weil die fast schon ausgestorben geglaubten Krabbler wieder in die Schlagzeilen rücken, sie als Plage im Hessischen Ried auftauchten und im Hanauer Raum aktuell bekämpft werden, erschrecken auch hier die Menschen, werden sie mit dem chitingepanzerten Getier konfrontiert.

Dr. Wolfgang Heimer, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis, gibt Entwarnung. „Bei uns im Raum ist alles harmlos.“ Zwar seien andernorts dieses Jahr besonders viele Maikäfer geschlüpft, und die Tierchen fressen, was ihnen in die Quere kommt, doch von einer Plage zu reden sei weit überzogen. „Die Leute sind die Massenentwicklungen nicht mehr gewohnt“, sagt Heimer, der als Bub abends Laternenmasten herauf kletterte, um die Krabbler nicht nur als Sammelobjekte für die Schule einzusammeln. Die Insekten dienten in der armen Zeit auch als begehrtes Hühnerfutter.

Maikäfer haben eine Zykluszeit

Zu bestimmten Zeiten tritt der Melolontha melolontha (so der lateinische Name des Feldmaikäfers) besonders häufig auf. Maikäfer haben eine Zykluszeit von drei bis fünf, meist jedoch vier Jahren. Das heißt, die frischgeschlüpften Engerlinge benötigen vier Jahre, bis sie eine volle Metamorphose durchgemacht haben. Diese Zyklen sind regional gleichgeschaltet. Bei einem vierjährigen Zyklus etwa folgt auf drei Jahre mit niedrigem Aufkommen ein Jahr mit deutlich mehr Käfern. „Aber diesem Zyklus ist ein alle 15 bis 30 Jahre auftretender Rhythmus dazugeschaltet“, weiß Heimer. Wenn zwei starke Zyklen aufeinander treffen, dann kommt es zur für den betroffenen Landstrich unangenehmen Massenentwicklung.

Die Gründe hierfür sind noch nicht genauer erforscht. Es wird jedoch vermutet, dass Krankheiten und Parasiten, die speziell Maikäfer befallen, sich in zusammenhängenden Beständen ungehindert epidemisch ausbreiten können.

„Das Käferaufkommen bei uns ist harmlos“

„Das Käferaufkommen bei uns ist harmlos. Gesunde Bäume, die derzeit unter Blätterkahlfraß durch den Maikäfer leiden, erholen sich zu 99 Prozent wieder. Sie werden schon bald mit einem erneuten Austrieb auf den zeitlich beschränkten Angriff reagieren“, sagt der Experte. Der Naturkenner weiß auch, warum Mey einst singen konnte: „Es gibt keine Maikäfer mehr.“ Er besang praktisch die Folgen der massiven Bekämpfung der Insekten mit dem inzwischen verbotenen Insektizid DDT zwischen Anfang der 50er Jahre und etwa 1972. Allerdings ist auch in Gebieten, in denen der Maikäfer nicht bekämpft wurde, seine Population stark zurückgegangen. In den letzten Jahren werden wieder aus Teilen Mitteleuropas größere Bestände gemeldet.

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Zur Bekämpfung von Maikäfern wurden im Mai 2010 in Pfungstadt trotz massiver Proteste von Naturschutzverbänden erstmals seit 55 Jahren in Hessen wieder mehrere Hundert Hektar Wald mit einem Insektizid gegen Maikäfer behandelt. Und noch eines weiß Heimer: Mehr als Kinder freuen sich heute beispielsweise die Baumfalken über die Populationsexplosion der Maikäfer: Leichtgefangenes Extrafresschen für die Brut.

Quelle: op-online.de

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