Malstunden für Demenzkranke

Bunte Bilder alter Erinnerungen

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Drei Monate lang nahmen an Demenz Erkrankte Malstunden. Ihre Kunstwerke wurden nun ausgestellt. Die an Demenz erkrankte Betty Witzel (vorne) gehörte zu den Malerinnen der Ausstellung, freute sich aber auch darüber, die Bilder ihrer Kollegen zu sehen.

Münster - Auf viele verschiedene Engel fällt das Auge des Besuchers als Erstes. Auch wenn sie unterschiedlich gestaltet sind, eines haben sie doch gemeinsam: Die Engel prangen alle auf leuchtend blauem Hintergrund. Von Ulrike Bernauer 

„Wir haben uns den intensiven, blauen Winterhimmel als Vorbild genommen“, lacht Malerin Monika Behlke. Eine der Malerinnen betritt die Ausstellung. Betty Witzel schiebt ihren Rollator sehr zielstrebig durch die Reihen. Sie sucht die Bilder, die sie selbst gemalt hat, macht aber auch so manch andere Entdeckung. Die alte Dame freut sich fast mehr über die Fotos, die Behlke von den Malern gemacht hat, als über die Gemälde. Immer wieder bleibt sie bei einem stehen und identifiziert die fotografierten Personen.

Die Künstlerin hat im vergangenen Jahr mit an Demenz Erkrankten zusammen gemalt und am Samstagnachmittag die Werke im Haus der Christlichen Gemeinde in Münster präsentiert. Der Verein Spurensuche hat die Malerin aus Groß-Zimmern engagiert, herausgekommen sind sehr bunte und teilweise überraschende Bilder. Zehn Unterrichtseinheiten standen Behlke und ihren „Schülern“ zur Verfügung, begonnen hat die Künstlerin mit ihren Malern mit dem Thema Weihnachten, dem die oben erwähnten Engel folgten. Muscheln und Wasser sind auf den Bildern zu sehen, aber auch Ostereier oder Blumen. Über das Ergebnis ihres Malkurses mit den Demenzkranken ist Behlke ganz begeistert. „Man muss bedenken, dass viele der Menschen über 80 Jahre alt sind und noch nie einen Pinsel in der Hand hatten“, freut sich die Künsterlin. Bei der Spurensuche werden demente Ältere zweimal die Woche betreut, ansonsten wohnen die Künstlerneulinge meist noch im Kreis der Familie. So mancher weigerte sich am Anfang, aber letztendlich konnte Behlke alle dazu bringen, zum Pinsel zu greifen.

Zu sehen waren nicht nur die Gemälde der späten Künstler, sondern auch Fotos, die während der Malstunden aufgenommen wurden. Behlke schwärmte von so mancher Stunde noch im Nachhinein. Bei der Ausstellung deutete sie auf ein etwas surrealistisches Gemälde und erzählte von der Künstlerin. „Das hat eine über 90-jährige ehemalige Klavierlehrerin gemalt, die konnte kaum den Pinsel halten, aber ihre Bilder haben einen besonderen Charme. Sie hat beim Malen einen Rhythmus gehabt.“ „Wir machen für unsere Besucher Beschäftigungsangebote“, sagte Carmen von der Au, die Gruppenleiterin der Nachmittagsgruppe für Demenzkranke. Es wird nicht nur gemalt, sondern auch Erinnerungsarbeit geleistet oder nach der eigenen Biografie geforscht. Zwei Aspekte hat die Arbeit mit den Gästen laut von der Au, die Erkrankten kommen mal raus und mit anderen Menschen zusammen und die pflegenden Angehörigen haben wenigstens einmal die Woche für drei Stunden eine Entlastung. Etwa zehn Gäste kommen zu den Angeboten der Spurensuche. Sie werden betreut von Ehrenamtlichen, die für ihre Aufgabe allerdings geschult wurden.

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Von der Au zeigte sich sehr zufrieden mit der Resonanz auf diese erste öffentliche Veranstaltung der Spurensuche. Nicht nur zahlreiche der Künstler sind gekommen, sondern auch viele Angehörige und Freunde. Etliche der Bilder werden gegen eine Spende verkauft, die Einnahmen dienen der weiteren Arbeit des Vereins.

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