Es mangelt an Kunstrasenplätzen

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Kunstrasenplätze in der näheren Umgebung - jeder durch einen Ball gekennzeichnet. Zur Orientierung inmitten des Fußballkreises Dieburg als weißer Fleck das Wappen des SC Hassia.

Münster - Früher war alles besser? Bestimmt nicht beim Fußballspielen auf Kunstrasen: Wer einst die Kickschuhe auf dem ehemaligen Platz des 1. FC Niedernhausen schnürte, wusste von hartem Untergrund und Hautverbrennungen bei falschem Hinfallen zu berichten. Von Jens Dörr

Kaum besser als auf dem Hallenboden. Unschöne Erinnerungen, die von gestern sind: Längst hat sich die Qualität von Kunstrasenplätzen deutlich erhöht – dank Elastizität unter den Halmen, dank Gummigranulat, Quarzsand und Schichten, die Aufnahme und Abfluss des Wassers ermöglichen.

Wobei es hier tausendundeine Möglichkeit gibt, einen Platz zu bauen – mehr oder weniger teuer. Von 150.000 Euro an sind mittlerweile Lösungen denkbar, abhängig zum Beispiel von Exklusivität des Baumaterials und Untergrunds. Leute, die sich mit der Materie beschäftigen, sagen, dass unter einer Viertelmillion Euro eine zufriedenstellende moderne Lösung kaum zu haben sei. In der Region machen sich derzeit zum Beispiel der SV Münster und der SC Hassia Dieburg Gedanken um einen Kunstrasenbau.

Vorher aber der Blick ins nähere und weitere Umland und noch einmal der Schwenk nach Niedernhausen. Der Verein aus Fischbachtal war viele Jahre lang der einzige im Fußballkreis Dieburg, der über einen Kunstrasen – wenngleich auch einen ziemlich ungemütlichen – verfügte und damit unabhängiger von der Witterung war. Der Fußballkreis Dieburg besteht aus dem Ostteil des politischen Landkreises Darmstadt-Dieburg plus den Vereinen aus Rödermark, drei aus Ober-Roden und zwei aus Urberach. Der 1. FC Niedernhausen hat inzwischen einen moderneren Kunstrasen, auf dem das Kicken deutlich mehr Vergnügen bereitet. Zudem hat Reinheim einen Kunstrasen-Platz in seinem Sportzentrum errichtet, auf dem die Aktiventeams der Stadt in der Regel aber keine Meisterschaftsspiele austragen. Der neueste Kunstrasen des Fußballkreises Dieburg ist bei der TS Ober-Roden zu finden, wo das Hauptfeld aber nach wie vor aus Naturrasen besteht. Bei den meisten Spielern noch immer der beliebteste Untergrund.

Ganze drei Kunstrasen-plätze gibt es derzeit also im Fußballkreis Dieburg, davon nur zwei in Vereinshand.

Viel? Wenig? Ein Blick in die benachbarten Fußballkreise Darmstadt, Offenbach, Groß-Gerau und Bergstraße hilft: Dort reiht sich eine Möglichkeit des vor allem im Winter komfortableren Kickens an die nächste. Bensheim oder Bürstadt haben jeweils drei Kunstrasenplätze, so viele wie der Fußballkreis Dieburg insgesamt. Selbst für Rimbach und seine Ortsteile gilt die Zahl drei. Rüsselsheim setzt schon lange auf die Plätze, die wesentlich geringere laufende Kosten als Naturrasenfelder verursachen. Sechs Stück sind es in der Opel-Stadt. Viel passiert ist auch im Raum Darmstadt. Der Odenwald hinkt hinterher, wie der Fußballkreis Dieburg.

Die Region ist also ein ziemlich weißer Fleck auf der Karte der Kunstrasenplätze. Vor allem den stärkeren politischen Willen in anderen Regionen Südhessens führen hiesige Vereinsverantwortliche als Ursache an, weshalb Kunstrasen-Plätze etwa an der Bergstraße mehr Konjunktur haben als rund um Dieburg.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass es dort viele altmodische Hartplätze (Tennenplätze) gab, die in der Regel mit kräftiger Unterstützung der öffentlichen Hand umgewandelt wurden. Naturrasenplätze werden in der Regel erhalten.

Auch beim SV Münster gibt es den Plan, aus dem derzeitigen Tennenplatz am Mäusberg einen Kunstrasenfeld zu machen. Die Hürde Kreis hat der SVM in Sachen Förderungswürdigkeit bereits genommen, nun liegt der Ball beim Hessischen Innenministerium. In Dieburg brachte sich der SC Hassia in die Diskussion um ein neues Sportzentrum für Vereine, Schulen und Breitensport ein. In diesem Zug hat der Sportclub ein Angebot unterbreitet, sein Vereinsgelände zur Verfügung zu stellen. Ein vereinseigenes Konzept legt als Lösung die Umwandlung des bestehenden Hauptplatzes aus Naturrasen in einen Kunstrasenplatz vor. Einen Naturrasen soll es weiter westlich auf dem Areal aber ebenfalls geben.

Bis auf Weiteres bleiben jedoch die Vereine im Vorteil, die auf unechtem Grün und damit wetterunabhängiger trainieren können; mit dem Fußballkreis Dieburg im Hintertreffen.

Quelle: op-online.de

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