„Vitamin“ für Rathausplatz

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Freudig nimmt Luise Schmittke das neue Angebot am Stand von Roland Garroppo Scaldaferri an. Künftig gibt es donnerstags auf dem Rathausplatz neben Fisch auch frisches Obst und Gemüse. Nur nächsten Donnerstag nicht, da ist Feiertag.

Münster - Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Und problematisch ist es auch, den Rathausplatz wieder etwas mehr zu beleben. Davon können Gewerbeverein und Verwaltung ein Lied singen. Von Thomas Meier

Doch nähern sich die Platz-Beleber ihrem Ziel wieder ein kleines Stück: Immer donnerstags erscheint ab sofort von 9 bis 17 Uhr Roland Garroppo Scaldaferri mit seinem Wagen und Stand. Und weil Leben immer auch viel mit Essen und Trinken zu tun hat, verkauft der frischgebackene Händler hier künftig frisches Obst und Gemüse und einige weitere nahrhafte Kleinigkeiten mehr. Neben dem bereits etablierten Fischwagen wird somit nun ein weiteres belebendes Element Einzug vor dem Rathaus halten.

Auf Frisches legt der aus Mainhausen kommende Gemüsehändler großen Wert. Er holt seine Waren direkt aus der Frankfurter Großmarkthalle und von Erzeugern aus dem Raum Alzenau. Vom Bauern dort stammen Salate, Gurken oder Spargel, und an Obst derzeit pflückfrische Erdbeeren. Doch auch Eier sind im Sortiment Scaldaferris. Sie kommen von einer Bäuerin, und zwar in den Größen bis XL. Und auch Eier der Araucana-Hühner, einer chilenischen Rasse, liegen in ihrer typisch hellgrünen Farbe im Sortiment. Das Angebot runden Bauernbrot und Hausmacher Wurst in Dosen ab. Und für die Eiligen oder hungrige und figurbewusste Rathausbedienstete führt der findige Mainhäuser auch fertige Obstsalate, die in einer Isolierschachtel kühl gelagert werden.

Dass neben dem Fisch jetzt Obst und Gemüse (nebst Kartoffeln) auf dem Rathausplatz angeboten werden, ist gleich mehreren Zufällen zu verdanken. Einmal einem für den Händler zunächst unglücklichen, denn der Mainhäuser arbeitete bis vor drei Monaten 28 Jahre lang in der chemischen Industrie. In der Produktion eines Solartechnikunternehmens in Alzenau, das vor einem Vierteljahr für immer seine Produktionsstätten schloss.

Glücklicher Zufall

„Gut, dass die Belegschaft schon ein dreiviertel Jahr vorher Bescheid wusste und ich mich somit nach was anderem umsehen konnte“, sagt Scaldaferri. Doch zunächst brachte ihm dieser zeitliche Vorsprung gar nichts: „Ich schrieb fast 30 Bewerbungen, aber in meinem Alter und in meinem Job hier in der Region etwas zu bekommen ist fast aussichtslos.“

Er erinnerte sich an einen Spruch seines Großvaters: „Essen und trinken geht immer!“ Und im Bekanntenkreis ist auch einer, der im Obst- und Gemüsehandel bewandert ist. Ihn und weitere Händler suchte der Arbeitslose in spe auf, informierte sich und bereitete sich auf den Weg in die Selbstständigkeit eines Markthändlers vor.

Vor dem Obstverkauf lag aber zunächst ein steiniger, weil finanzintensiver Weg. „Das Marktauto und der Stand wollten erst einmal bezahlt sein“, sagt der neue Gemüsemann, alles sei aus eigenem Säckel genommen.

Mittlerweile ist er seit drei Monaten im fahrenden Geschäft, jeden Tag der Woche an einem anderen Ort. Das Münster ebenfalls „frisch“ dabei ist, ist dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass der neu angelernte Fachmann für Obst ein Kenner guten Tropfens ist und in der Chianti Toscana Vinothek von Gerhard Dahms am Rathausplatz einkauft. Weiterer Zufall: Er war an einem Donnerstag dort und sah den Fischwagen stehen. Seine Frage, ob wohl Interesse daran bestünde, dass vielleicht das Angebot an Eiweißreichem durch Obst und Gemüse bereichert werden könnte, wusste der Mann vom heimischen Gewerbeverein sicher positiv zu beantworten. Und er wies dem „belebenden Element“ auch den Weg zu den richtigen Leuten im Rathaus, auf dass es was werde mit einem kleinen Markt auf dem sonst arg verwaisten Platz.

Quelle: op-online.de

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