Münnsterer „Hinnergassebu“ von der FDP fühlt sich „geehrt und beflügelt“

Matthias Matheis größter Kommunalwahl-Aufsteiger

Witz- und gestenreich tritt Matthias Matheis bei den Sitzungen der DJK-Fastnacht auf. In der Gemeindevertretung muss der 36-Jährige demnächst Ernsthaftigkeit an den Tag legen.
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Witz- und gestenreich tritt Matthias Matheis bei den Sitzungen der DJK-Fastnacht auf. In der Gemeindevertretung muss der 36-Jährige demnächst Ernsthaftigkeit an den Tag legen.

Von Listenplatz 15 bis auf Rang 1: Matthias Matheis ist der größte Aufsteiger der Kommunalwahl in Münster. Dabei ist er erst vor gut einem Jahr der FDP beigetreten.

Münster – „So ein Sprung ist außergewöhnlich“, sagt Matthias Matheis. Bei der Münsterer Gemeindewahl Mitte März machte der 36-Jährige unter sämtlichen Kandidaten den größten Satz: Auf der 16-köpfigen Liste der FDP ging er auf Platz 15 ins Rennen – und lief nach Auszählung der kumulierten und panaschierten Stimmen auf Platz eins ein. Den enormen Vertrauensvorschuss möchte der Dachdecker-Meister, im Ort vielen auch als „Hinnergassebu“ bekannt, in den nächsten fünf Jahren als Gemeindevertreter zurückzahlen.

„Münster ist mir nicht egal – und ich glaube, das nimmt man mir ab“, sagt Matheis. Auf die Frage, worin er die Gründe für seinen steilen Aufstieg bei der Kommunalwahl sieht, antwortet er bescheiden. Dennoch kristallisieren sich Einschätzungen heraus, warum ihn die Münsterer auf der Liste der Liberalen derart nach oben katapultierten – und er schlussendlich sogar an seinem Vater Albert Matheis vorbeizog. Der war für die FDP von Platz drei ins Rennen gegangen und hatte sich „nur“ auf Platz zwei verbessert.

Matthias Matheis: Im Kindergartenalter nach Münster gezogen

Matheis nennt sich „geerdet, ich bin kein Typ, der sich verbiegt. Ich habe eine Meinung, und die sage ich.“ Sollte man den verheirateten Vater zweier Töchter, der in Koblenz geboren ist und im Kindergarten-Alter an die Gersprenz zog („Ich kenne de facto nur Münster“) als Außenstehender mit einem Attribut beschreiben, wäre „authentisch“ wohl eine gute Wahl. „En kloare Kerl“, würde man in „Minsder“ vielleicht sagen.

Das allein beschert freilich noch keine 2.472 Stimmen, mit denen Matheis selbst FDP-Spitzenkandidat Jörg Schroeter toppte. Ein Bekanntheitsgrad, verquickt mit positiven Emotionen, hilft ebenfalls. Davon hat Matheis viel zu bieten: Bei Münsters Backstreetboys, den Hinnergassebuwe, sorgt er am Saxofon für Stimmung. Auf den Fastnachtssitzungen der DJK, bei der er auch Tischtennis spielt, hat er mit Witzvorträgen die Lacher auf seiner Seite – und mit urkomischen Gesten. Letztere sind ihm einst in der Theatergruppe des Altheimer Eintracht-Fanclubs in Fleisch und Blut übergegangen. Dort ist er seit einigen Jahren nicht mehr aktiv, „man kann nicht auf jeder Hochzeit tanzen“.

Versprechen, mit Kollegen sachorientiert zusammenzuarbeiten

Der angestellte Handwerksmeister ist also nicht nur beruflich und familiär gut ausgelastet. Jetzt erweitert auch noch das Gemeindevertreter-Mandat Matheis’ Freizeit-Portfolio. Dass dies in den Reihen der FDP geschieht, ist einerseits logisch, andererseits auch nicht: Zwar ist sein Cousin Jens Brandenburg FDP-Bundestagsabgeordneter; Matthias Matheis selbst war bis 2019 jedoch CDU-Mitglied. „Ich war aber weder auf konservative noch auf liberale Politik fokussiert“, stellt er, der bisher noch kein politisches Amt innehatte, heraus. Der FDP, deren Münsterer Ortsverband er im März 2020 beitrat, fühlt er sich inzwischen aber doch am nächsten.

Gleichwohl verspricht das frisch gebackene Fraktionsmitglied, in der Münsterer Gemeindevertretung mit den Kollegen aller Couleur sachorientiert zusammenarbeiten zu wollen. „Mich interessiert die Kommunalpolitik unheimlich“, sagt Matheis, „und ich glaube, dass das in Münster auch für immer mehr andere Leute gilt. Das geht hier in die richtige Richtung.“

Brachliegender Ortsteil Breitefeld ein „Chancenquartier“

Inhaltlich will sich der neue Gemeindevertreter unter anderem für einen soliden Haushalt seiner Kommune einsetzen: „Man kann nur das ausgeben, was man hat.“ Das in Teilen brachliegende Breitefeld nennt er – ganz im FDP-Sprech – ein „Chancenquartier“ und will auch die Entwicklung des Frankenbach-Geländes als reines Gewerbegebiet voranbringen.

Im sozialen Bereich kann er sich außerdem einen einrichtungsübergreifenden Elternbeirat für alle Kitas in Münster und Altheim vorstellen: „Dieses Gremium könnte dann die Anliegen der Kitas gegenüber der Gemeinde vorbringen.“ Wieder ein Projekt, das Matthias Matheis mit der FDP anstoßen will. Und dabei den Rückenwind des außergewöhnlichen Wählervotums vom 14. März spürt: „Ich fühle mich geehrt und beflügelt!“ (Von Jens Dörr)

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