Medienpädagoge referiert über Medienwelt

Smartphone ist wie ein Lichtschwert

+
„Sprechen Sie mit Ihren Kindern“, appellierte Peter Holnick an die Eltern.

Münster – Geht es nach dem Philosophen und Medienkritiker Paul Virilio, dann steuert unsere hoch technologisierte Menschheit derzeit gerade auf ihren eigenen Untergang zu: Der Wunsch, dank moderner Kommunikationsmedien wie Smartphones und Co. überall und jederzeit dabei oder erreichbar zu sein, bezeichnete der kürzlich verstorbene Franzose als einen „rasenden Stillstand“, der unser aller Fortbestand bedrohe.

Ganz so schwarz sah Peter Holnick, Geschäftsführer des Vereins „Instituts für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen“, die Zukunft nicht, als er für knapp zwei Stunden im Kleinen Saal der „Gersprenzhalle“ zu geschätzten 80 Eltern sprach. Er verdeutlichte jedoch die negativen Auswirkungen der Medien insbesondere auf die junge Generation und gab den Eltern Tipps, wie sie darauf reagieren könnten.

Holnick, der auf Einladung des Schul-Elternbeirates (SEB) der Münsterer „Schule auf der Aue“ an die Gersprenz kam, begann seinen Vortrag mit einer Reise in die Vergangenheit und einem Vergleich: So, wie einst die spanischen Kolonialisten die südamerikanischen Ur-Einwohner mit wertlosen Glaskugeln um ihr kostbares Gold gebracht hätten, so forderten jetzt US-amerikanische Internet-Giganten wie Facebook oder Google mit ihren Web-Angeboten das Wertvollste ein, was wir Konsumenten besäßen: unsere Daten. Aus diesem Grund müsse man sehr aufpassen, was man im Internet von sich Preis gäbe.

Weil viele Erwachsene von der rasanten Entwicklung der „Neuen Medien“ überrascht wurden und selbst nicht exakt wüssten, wie diese „virtuelle Welt“ funktioniere, seien sie damit überfordert, es ihren Kindern beizubringen. Dabei sei das sehr wichtig: Kinder und Jugendliche bräuchten unbedingt Anleitungen. „Man stelle sich vor, Luke Skywalker hätte den Umgang mit seinem Lichtschwert nicht erlernt, sondern damit einfach drauf los gekämpft... ähnlich ist es, wenn wir unseren Kindern ein Smartphone geben“ – es waren Vergleiche wie diese, mit denen Holnick seine Zuhörer in den Bann zog. Auch ein Smartphone sei eine Waffe, wie viele Kinder und Jugendliche in Chats erfahren würden: Geschriebenes sei häufig verletzend, Emojis nicht immer eindeutig. Man müsse Kindern und Jugendlichen erläutern, wie man virtuell kommuniziere. Denn hier lauerten viele Fallen, so der Medienpädagoge, der selbst Messenger-Dienste wie „WhatsApp“ nur äußerst ungern nutzt.

„Sprechen Sie mit Ihren Kindern“, appellierte er an die Anwesenden. Die Schule könne hier nicht weiterhelfen, denn beim Umgang mit dem Internet, bei der Kommunikation mit anderen Menschen, seien „Werte“ das Wichtigste. Und die könnten die Kinder nur bei ihren Eltern lernen. Oder auch mithilfe des Fernsehens, im positiven wie im negativen Sinne. Mittels Porträt-Einblendungen von TV-Moderatoren der 1970er- und 1980er-Jahre verdeutlichte der Mittfünfziger Holnick, selbst Vater einer siebenjährigen Tochter, wer ihm einst medial Umgangsformen beibrachte und wie sich die Zeiten seither gewandelt hätten: Hans Rosenthal und seine Kollegen hätten damals Verlierer von Spiel-Shows einfühlsam getröstet. Sie hätten Empathie vorgelebt. Mit einem Verweis auf die TV-Vorbilder der heutigen Generation, sprich Dieter Bohlen oder Heidi Klum, zeichne sich schon seit Jahren der Trend ab, unterlegene Kandidaten „zu mobben“ und schlechtzumachen. Casting- oder „Dschungelshows“ seien alle weit im Voraus mit Drehbüchern exakt vorgeplant, das Gezeigte inszeniert, nichts sei echt: „Darüber müssen Sie mit ihren Kindern reden!“, forderte der Medienpädagoge die Eltern auf.

Von Android auf iOS umsteigen

Zu einer Fragerunde kam es gegen Ende der Veranstaltung nicht mehr, da dem Referenten immer wieder neue „gruselige“ Geschichten aus der Medienwelt einfielen, so zum Beispiel die Algorithmen von Amazon: In den USA sei es vorgekommen, dass Eltern einer schwangeren Tochter von deren Schwangerschaft erfuhren, als ein unbestelltes Päckchen mit Baby-Artikeln angekommen sei: „Die Tochter hatte es nicht bestellt, aber nach solchen online gesucht. Amazon verschickt auch ungefragt Pakete“.

Auch wenn Holnick immer wieder einschob, dass die „Neuen Medien“ uns ebenso Gutes brächten, war sein pessimistischer Unterton unüberhörbar: Die mediale, technisierte Zukunft verlange viel von uns. Und insbesondere Eltern seien hier gefragt, sich mit ihren Kindern über diese Zeiten intensiv und regelmäßig auszutauschen. (nkö)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare