Meditativer Pilgerweg der katholischen Pfarrgemeinde

Im Zeichen der Mutter Jesu

Dem kleinen Pilgerweg der Erwachsenenbildung von St. Michael in Münster war dieses Jahr im Wald kein gutes Wetter beschert.
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Dem kleinen Pilgerweg der Erwachsenenbildung von St. Michael in Münster war dieses Jahr im Wald kein gutes Wetter beschert.

Auf den kleinen meditativen Pilgerweg hat sich am Mittwochabend eine kleine Gruppe der katholischen Pfarrgemeinde Münster gemacht.

Münster – Spaziergänger und Radfahrer, die es regelmäßig in den Altheimer Wald zieht, werden es wissen: Bewegt man sich nach dem Ende der Kirchstraße stetig geradeaus Richtung Groß-Umstadt, kommt irgendwann auf der linken Seite ein Marienbildstock. Von einer riesigen Kastanie beschützt, hat der Ort mit seinem ewigen Licht etwas Mystisches. Diese Woche machte sich eine kleine Gruppe der Erwachsenenbildung der Pfarrei St. Michael in Münster zu Fuß von Altheim zum Standbild auf.

„Wir gehen unseren kleinen meditativen Pilgerweg“, erklärte Brigitte Ganz, bei der für alle Veranstaltungen der Erwachsenenbildung die Fäden zusammenlaufen. Dass es an diesem Tag immer wieder stündlich zu regnen begann, störte die Christin nicht. „Absagen fiel mir schwer, auch deshalb, weil im letzten Jahr kein einziges Angebot von uns stattfand“, erklärte sie. Aus ihren Worten ließ sich heraushören, dass sie sich endlich wieder für die Pfarrei und für die von ihr übernommene Aufgabe engagieren will. So gab es am Mittwochabend kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Das sahen fast zehn weitere Personen genauso. Der kleine Pilgerweg stand ganz im Zeichen der Mutter Jesu. Über die Wege, die Maria in der Bibel gegangen ist, wurde versucht, Orientierung und Lösungen für das eigene Leben zu finden. Ergänzt wurden die Bibelauszüge von Fürbitten und Gebeten.

Meditativer Pilgerweg: Regen sorgt für geringere Teilnahme

Dass nur Frauen mitliefen relativierte die Organisatorin: „Das ist Zufall, wir haben auch Männer. Schließlich nehmen viele Ehepaare unsere Angebote wahr.“ In der Regel kommen 20 bis 25 Personen zu den Terminen. Zu den Klassikern gehört seit Jahren das Heilfasten. Auch die Eutonie und damit Körperübungen, die den Organismus und die Beweglichkeit stärken, sind beliebt. Die Vorträge warten durchgängig mit interessanten Themen auf. Im letzten hatte es Ganz geschafft, dass ein Referent von der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt zum Thema Antisemitismus und Rassismus kommen wollte. Corona verhinderte das. Meditieren und Ruhe für die Seele stellen regelmäßige Schwerpunkte dar. Das belegt etwa die „Tankstelle der Seele“ im Advent. Beim rund 45-minütigen Weg zum Marienbild liefen die Teilnehmer in kompletter Stille. Nach der Ankunft wurde ein „Gegrüßet seist du Maria“ gebetet, dazu eine Kerze entzündet.

Unter einer Kastanie steht im Wald zwischen Altheim und Groß-Umstadt der Marienbildstock.

Wir blicken auf mehrere Veranstaltungen, bei denen wir anfangs nicht dachten, dass sie zu großen Eckpfeilern werden“, erläutert Ganz. Dazu zählt neben dem Heilfasten auch der kleine Pilgerweg. Nachdem vor rund 15 Jahren Gemeindemitglieder zum bekannten Pilgerort Lourdes in Frankreich fuhren, kam die Idee auf, ob man in Münster nicht eine Pilgermöglichkeit im Kleinformat kreiert.

Der kleine Pilgerweg hat den Vorteil, dass die Strecke hin und zurück, inklusive einer kleinen Andacht, in zwei bis drei Stunden machbar ist. Einmal per anno wird der Weg beschritten. Dass Ganz schon dreimal in Lourdes war, bekräftigte sie jetzt, den Termin nach 2020 nicht noch einmal ausfallen zu lassen. Dicke Regentropfen begleiteten die Teilnehmer auch schon in der Vergangenheit: So öffnete vor zehn Jahren der Himmel ebenfalls massiv seine Schleusen. Damals war das Bedauern groß, dass der aufgeweichte Waldweg die schönen Halblederschuhe von Pfarrer Bernhard Schüpke, der zu jener Zeit noch relativ neu in Münster war, ziemlich in Mitleidenschaft zog. Der ehemalige Kaplan Thomas Weiß (heute Pfarrer in Hainburg), der nur einen kleinen Schirm dabeihatte, wurde zudem gehörig nass.

Hoffnung auf besseres Wetter im nächsten Jahr

Diese Woche nahm man die grauen Wolken gelassen: „Ist der Mai kühl und nass, füllt das des Bauern Scheun und Fass“ zitierte Beate Detzer eine alte Bauernweisheit. Für 2022 hofft man auf besseres Wetter. Dann gibt‘s zum Abschluss auch wieder Maiwein und Gebäck. Zumindest wurden die Pilger auf dem jüngsten Rückweg nach Altheim mit einem kurzfristigen, blauen Himmel und Sonne bedacht. Das und die gewonnene Kraft für Glaube und Seele sorgte bei der Verabschiedung für zahlreiche glückliche Gesichter. (Von Michael Just)

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