Mehr Geld für die Integration

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Erzieherin Karin Rosskopf hat nicht nur eine zusätzliche Sprachausbildung, sie kennt auch die Probleme der Kinder und Eltern mit Migrationshintergrund. Für deren bessere Integration bezuschusst die Gemeinde jetzt auch zusätzliche Fachkraftstunden in der Kita Im Rüssel.

Münster ‐ Frühkindliche Bildung und früher Spracherwerb sind entscheidend für das Gelingen von Integration. Deshalb hält es auch die Gemeinde Münster für sehr wichtig, dass mehr Kinder aus Zuwandererfamilien einen Kindergarten besuchen. Von Thomas Meier

Nachdem die Kommune bereits seit Jahren in der Kindertagesstätte im Haus der Kinder in der Stettiner Straße wöchentlich zwölf zusätzliche Fachkraftstunden für die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund unterhält, wurden nun wegen des erhöhten Anteils auch im Kindergarten Im Rüssel zusätzlich ein Dutzend Fachkraftstunden geschaffen. Voraussetzung für diese Förderung ist ein Anteil von betreuten Kindern von mindestens 20 Prozent. Rund 30 Prozent der derzeit 80 Im Rüssel betreuten Kinder haben einen Migrationshintergrund, sagt Petra Becker, seit 1. Januar Leiterin der Gemeinde-Kita. Sie arbeitete zuvor als Erzieherin in Frankfurt und kennt dort Einrichtungen, in denen der Anteil von Kindern mit ausländischem Hintergrund 100 Prozent beträgt.

Für viele Migranten spielt der Kindergartenbesuch noch keine bedeutende Rolle. Dabei zeigen alle Bildungsstudien: Wer früh gefördert wird, ist besser in der Schule und vergrößert damit hierzulande seine Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft. Besonders entscheidend ist der Spracherwerb von Anfang an. Nur wer Deutsch kann, wenn er in die Schule kommt, hat dort die gleichen Start-Chancen. In den Kindergärten werden dafür die Grundlagen gelegt, weiß auch Bürgermeister Walter Blank.

Nicht bewusst, wie wichtig deutsche Sprache ist

Häufig ist es den Eltern nicht bewusst, wie wichtig die deutsche Sprache im zukünftigen Leben des Kindes sein wird. In Migrantenfamilien wird oft nur die Sprache der Eltern gesprochen. Das ist verständlich, da sich die meisten Menschen am besten in ihrer Muttersprache ausdrücken können. Doch das kann zu einem großen Problem für die Kinder werden, da sie dann im Kindergarten zumeist nur mit denjenigen Kindern spielen und kommunizieren können, die diese Sprache auch sprechen.

Die besondere Zusatz-Förderung wird in Münster gewährt, wenn der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund (ab drei Jahren) in Kindergartengruppen oder altersübergreifenden Gruppen mindestens 20 Prozent beträgt. Die Zuwendung richtet sich nach Größe der Einrichtung und beträgt jährlich 5115 Euro bei bis zu 40 aufgenommenen Kindern ab drei Jahren, 7670 Euro bei bis zu 70 und 10.230 Euro bei über 70 aufgenommenen Kindern ab drei Jahren. Die Personalkosten der Gemeinde liegen derzeit bei rund 16.000 Euro für diese Integrations-Förderung.

Migrationsarbeit von früh bis spät

Die Migration als fester Baustein und Verankerung in der pädagogischen Konzeption beinhaltet in Münsters Kitas die Integration der gesamten Familie. Gefördert werden soll somit auch die Kommunikation zwischen den Kulturen, weswegen die Einbindung aller Familien in Elternaktionen und Veranstaltungen angestrebt wird.

Es soll einen regelmäßigen Austausch zwischen den Eltern und den pädagogischen Fachkräften geben. „Die Vermittlung der Wertschätzung und Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Religionen soll bei uns selbstverständlich sein,“ heißt es aus dem Rathaus hierzu.

Das zusätzliche Personal wird durch den Besuch spezieller Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten je nach Thematik geschult werden. Die Integrationsarbeit soll dazu beitragen, ausländerfeindlichem Verhalten vorzubeugen und Vorurteile abzubauen. Petra Becker sagt: „Migrationsarbeit im Allgemeinen wird bei uns von früh bis spät geleistet.“ Nicht nur die Zusatzkräfte für Migration beraten und helfen Eltern bei Konflikten, sondern alle ziehen an diesem Strang. Es wird auf Elternsprachkurse hingewiesen, Sprachförderung für die Kinder wird angeboten, Kontakte zu Schulen gehalten. Die neue Leiterin Im Rüssel steckt voller Ideen und entwickelt ein Konzept, das auf die Migrationsprobleme speziell in Münster zugeschnitten sein soll.

Quelle: op-online.de

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