Mehr Platz für die Knirpse

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Der Bedarf nach Kindergartenplätzen sinkt in Münster wie allerorts. Wartelisten aber gibt es für die Betreuungsplätze von Unter-Dreijährigen. Diese will die Gemeinde ausbauen.

Münster ‐ Münster gedeiht prächtig. 15 188 Einwohner ergab die jüngste Zählung der Gemeindeverwaltung. Mehr Bewohner gleich mehr Kinder gleich mehr Kita-Plätze, die benötigt werden, könnte man rechnen. Von Jenny Westphal

Doch das ist eine Milchmädchenrechnung, wie ein Blick auf die Tabelle von Michael Krauß, Fachbereichsleiter für Soziales, Sport und Kultur, zeigt. Es mag mehr und mehr Menschen ins beschauliche Münster ziehen, doch die südhessische Gemeinde ist nicht das gallische Dorf der Geburtenstatistik. Vor acht Jahren weist das Zahlenwerk noch 461 Kinder mit Anspruch auf einen Kita-Platz aus. Für 2012 rechnet Krauß mit 332 anspruchsberechtigten Kindern. Es ist eine vorsichtige Schätzung seines Fachbereichs, die keinen nostradamischen Anspruch auf Allwissenheit erhebt. „Es ist aber wahrscheinlich“, sagt Krauß.

Während also die Gemeinde die einen Plätzen im Überfluss hat, sind andere so begehrt, dass die Gemeinde inzwischen Wartelisten führt. Die Betreuung der Drei- bis Sechsjährigen ist in Münster langfristig gesichert. Da bringt eine steigende Nachfrage die Verwaltung nicht in die Bredouille. Im Gegensatz dazu fehlt es gerade an Betreuungsplätzen für Unter-Dreijährige. 20 Namen stehen auf der Warteliste für die knappen Plätze in der Kita Im Rüssel. „Bei den Blumenkindern sind es nochmal so viele“, ergänzt Krauß. Die Gemeinde reduziert also die Kita-Plätze und baut dafür den U3-Bestand aus. Geplant ist ein Krippenhaus am Helgolandring (wir berichteten) mit 20 Plätzen. Läuft alles nach Plan, öffnet es zum September seine Türen. Weitere 20 Krippenplätze will die Gemeinde bis 2012 durch Umschichtung schaffen: Reduzierte Kita-Plätze werden in welche für Unter-Dreijährige umgewandelt. Bisher werden die ganz kleinen Knirpse in der Kita Im Rüssel montags bis freitags von 7 bis 12.30 Uhr betreut. 198 Euro verlangt die Gemeinde von den Eltern dafür. Vor der Gebührenanpassung haben Eltern von Krippenkindern 82,50 Euro gezahlt. Dieser Betrag aber stammte noch aus der Anfangszeit vor vier Jahren, als die ersten drei Krabbler in eine normale Kita-Gruppe integriert wurden. Als sich die Nachfrage mehrte und die Zahl der Plätze erhöht wurde, entschied die Gemeinde, die Kleinen in einer eigenen Gruppe zusammenzubringen. „Zweijährige spielen anders als Fünfjährige“, sagt Ulrich Lenz, als Abteilungsleiter zuständig für die Münsterer und Altheimer Kinder und Jugendlichen: „Aus pädagogischen Gründen ist diese Trennung sinnvoll. Es ist einfach eine große Spanne von Zweijährigen bis zum Vorschulalter.“ Der sprunghafte Gebührenanstieg ist den erhöhten Personalkosten geschuldet: Um eine zehnköpfige Krabbelgruppe kümmern sich zwei Erzieherinnen. Zu einer normalen Kitagruppe hingegen gehören 25 Kinder. Die elterlichen Gebühren decken jedoch bei weitem nicht die Betriebskosten. „Vielleicht 30 bis 35 Prozent“, schätzt Lenz.

Nicht anders verhält es sich bei den normalen Kita-Gebühren. 105 Euro zahlen Münsterer Eltern aktuell für eine siebenstündige Betreuung ihres Zöglings. „Das sind 20 Prozent der Betriebskosten“, sagt Michael Krauß. Kinderbetreuung bleibt ein gewaltiges Zuschussgeschäft für die Gemeinde. Angesichts durch die Wirtschaftskrise geschrumpfter Gemeindesäckel stellt sich die Frage nach einer möglichen Gebührenerhöhung, um Ausfälle an anderer Stelle auszugleichen. „Das wäre kontraproduktiv“, sagt Krauß. Geplant sei jedenfalls keine. Auch würde Münster einen Standortvorteil verschenken, schließlich findet sich die Gemeinde in Sachen Kita-Gebühren im Kreisvergleich an der Grenze zwischen unterem und Mittelfeld wieder, wie Ulrich Lenz ergänzt.

Quelle: op-online.de

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