Mehr Spielraum für Senio-Spitze

Münster ‐ Mit knapper Mehrheit verabschiedete die Senio-Verbandsversammlung die Strategieplanung für die Gersprenz GmbH, die Altenpflegeschule, das Gebäudemanagement und die Entwicklung. Von Ulrike Bernauer

Auf ein Strategiepapier, das der Landkreis als größter Anteilseigner noch in Arbeit hat, wollte die Verbandsversammlung ebenso wenig warten wie auf eine Abstimmung des Umstädter Parlaments, dessen Vertreter um einen Aufschub gebeten hatten. „Wir brauchen die Abstimmung dieses Papiers auch für die Wirtschaftsprüfer“, argumentierte der Vorstandsvorsitzende und Münsters Bürgermeister Walter Blank.

Altes Heim in Groß-Umstadt läuft bis Neubau fertig ist

Die Bestandssicherung des Personals für die vier Gersprenz-Pflegeheime steht ganz oben. Das Strategiepapier enthält auch die geschätzten Verluste der Gersprenz in den kommenden Jahren. Für 2009 und 2010 werden jeweils 300.000 Euro Verlust angenommen, für 2011 200.000 Euro und für 2012 100.000 Euro. „Maßgeblich für die Verluste ist die derzeitige Situation des Pflegeheims in Groß-Umstadt und der für den Beginn des Betriebes des Neubaus Groß-Umstadt voraussichtlich entstehende Anlaufverlust“, ist dem Papier zu entnehmen. „Dennoch haben wir uns entschieden, das alte Pflegeheim in Groß-Umstadt bis zum erfolgten Neubau weiter laufen zu lassen“, so der Vorstandsvorsitzende.

Erfreuliches konnte er vom Pflegeheim in Münster berichten: Momentan sei das Haus mit 57 Bewohnern belegt, ab Dezember wird es dann zu 100 Prozent ausgelastet sein. Außerdem stehen 15 Personen auf der Warteliste, die gerne nach Münster kommen würden.

Betriebsstätte Münster „im positiven Bereich“

Eine kurzfristige Erfolgsrechnung der Gersprenz zeigt, dass die Pflegeheime in Reinheim und in Groß-Zimmern übers Jahr 2009 schwarze Zahlen schrieben. Die Betriebsstätte Münster habe im Anlauf Verluste produziert, sei aber seit Juli auch im positiven Bereich, lediglich Groß-Umstadt produziere Verluste. Die Auslastung von Reinheim, Groß-Umstadt und Groß-Zimmern liege bisher im Jahresmittel über 90 Prozent, Münster habe sich von einer Auslastung von 60 Prozent im Januar zu einer Auslastung von 95 Prozent im September entwickelt.

Die Verbandsumlage wird laut Strategiepapier 2010 noch einmal kräftig steigen, von aktuell rund 1,64 Millionen Euro auf 1,932 Millionen Euro. Ab 2011 soll die Umlage auf 1,636 Millionen Euro sinken und 2012 auf 1,216 Millionen Euro.

Sanierungen stehen in Reinheim und Groß-Zimmern an

Für die Altenpflegeschule sieht das verabschiedete Strategiepapier eine Zertifizierung vor. Der Standort in Groß-Umstadt soll erhalten bleiben, eine Kooperation mit der Krankenpflegeschule des Landkreises ist angedacht. Sanierungen stehen in den Pflegeheimen in Reinheim und Groß-Zimmern an. In Reinheim müssen die Fenster, die Außenhaut und die Abdichtung der begrünten Flachdächer saniert werden, in Groß-Zimmern sind Schäden an der Thermohaut und den Balkonen aufgetreten. Für die Sanierungen werden im Jahr rund 200.000 Euro und ab 2010 rund 50.000 Euro jährlich benötigt. Für den Neubau in Groß-Umstadt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: „Noch im November werden wir den Bauantrag einreichen“, erklärte Blank. Wenn alles glatt verläuft, wird der Spatenstich vielleicht noch in diesem Jahr gesetzt.

Außerdem geplant sind unter anderem der Aufbau eines eigenen ambulanten Pflegedienstes, der Aufbau einesTrainingszentrums gegen Demenz und Depression (DDZ) mit dem Kreiskrankenhaus Groß-Umstadt und der Schluss von Kooperationen beispielsweise mit der evangelischen Fachhochschule Darmstadt oder dem Institut für angewandte Pflegeforschung Freiburg.

Dem Vorstand wird mehr freie Hand gegeben

Die Verbandsmitglieder beschlossen eine Änderung des Gesellschaftsvertrags. Dabei geht es hauptsächlich um eine bessere Verzahnung und die Klarstellung der Zuständigkeiten zwischen der Gersprenz GmbH, eines nach privatwirtschaftlichen Maßstäben geführten Unternehmens, und dem Senio-Verband, der der Öffentlichkeit verpflichtet ist. Dem Vorstand wird mehr freie Hand gegeben. Er wird künftig für die Detailfragen zuständig sein, die Vertreter aus den Kommunen, die sich künftig nur noch zweimal jährlich in der Verbandsversammlung treffen sollen, werden eher die Richtung vorgeben.

Quelle: op-online.de

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