Mit Michael Jackson und „Barbie Girl “

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Kalle und Ralle.

Münster - Für alle Damen das Wichtigste vorneweg: Kalle und Ralle sind noch zu haben. Das mag bei Julian (27) alias Kalle und Jannis (24) alias Ralle im „normalen“ Leben zwar anders aussehen – wenn sie in ihre Rolle als DJ-Duo der besonderen Art schlüpfen, ist das aber irrelevant. Von Jens Dörr

„Kalle und Ralle sind arbeitssuchend“, erklärt Julian, der wie Jannis aus Münster kommt, das erbärmliche Dasein der beiden Proleten, die sie hinter ihrem Mischpult verkörpern. „Während Kalle im Sonnenstudio arbeitet und sich dafür auch ordentlich bräunen darf, hilft Ralle an der Imbissbude aus“, sagt Julian todernst, wenn er von den mit Jannis gemeinsam geschaffenen Figuren spricht.

Kalle und Ralle – das sind allerdings nicht nur zwei lustige Illusionen. Mehrmals pro Jahr schmeißen sich Julian und Jannis in Schale: In Trainingsanzug, Sonnenbrille, Nackenmatte legen sie unter ihren Alter-Egos Musik auf. Das nächste Mal sind sie am heutigen Mittwochabend im Dieburger Club Biergarten zu sehen und zu hören, dann sind sie Hauptdarsteller einer „Trash Pop Party“.

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„Trash“, zu deutsch Abfall, Schund, ist überhaupt das Zauberwort, mit dem sie ihr Engagement beschrieben wissen wollen. „Keiner würde zugeben, dass er gerne die Spice Girls hört“, sagt Jannis. „Bestimmte Lieder und Künstler werden so demonstrativ verneint, dass sie gerade deshalb schon wieder Kult sind. In Wirklichkeit hören die Leute diese Songs immer noch gerne, auch wenn ihre Bravo-Hits-Zeit teils schon langte her ist.“

Das sähen beide immer wieder bei ihren Auftritten. „Das ist dann zum Beispiel der immer gleiche, billige Synthesizer-Beat des Eurodances und des Pops aus den 80er und 90er Jahren“, sagt Julian. Dennoch seien Hits wie „Mr. Vain“ von Culture Beat einfach nicht klein zu kriegen.

Für Kalle und Ralle sind bei ihren Gigs Lieder wie „Coco Jambo“ von Mr. President, „Barbie Girl “ von Aqua oder „Quit playing Games with my Heart“ von den Backstreet Boys die Garanten für beste Stimmung.

Begonnen hat das Projekt der proletenhaften Art an Fastnacht 2008 – da legten beide in ihrer Verkleidung erstmals im „PM“ in Dieburg auf. Zuvor hatten sie schon einige Jahre zusammen Partys organisiert und gemeinsam bei Abi-Feten, an der Uni Gießen oder im Münsterer „Tropical“ aufgelegt. Zu ihrer Verkleidung, die sie bei den Partys fast zur Unkenntlichkeit verfremdet, kamen sie Anfang 2008, zufällig, wie sie sagen, als sie ein gemeinsame Outfit suchten und dann auf ihren heutigen Look stießen.

„Dazu gibt es eine fast schon unglaubliche Anekdote“, sagt Julian lachend. „Einer von uns stand in diesem Jahr vor Fastnacht in einem Dieburger Kaufhaus, als vor ihm ein kleines Kind ein Foto rauskramte. So will ich aussehen, sagte es der Verkäuferin, und hatte doch tatsächlich ein Bild von Kalle und Ralle in der Hand.“

Das Kind mag bereits Fan der beiden sein, das Publikum bei den „Trash-Partys“ ist indes meist zwischen 18 und 25. „Da kommen auch Hip-Hopper und Metal-Fans“, weiß Jannis. „Mit Michael Jackson stellen wir die aber alle zufrieden.“ Per SMS können sich die Gäste während der Party Titel wünschen – 40 bis 50 Kurzmitteilungen erhalten beide pro Abend, erzählen sie. „Da kommen dann auch Spaß-SMS à la ,Ich will ein Kind von Dir’“, sagt „Kalle“ und grinst.

Obwohl sich beide sehr hinter ihre Musik klemmen, soll sie aber Hobby bleiben. Julian arbeitet als Lehrer, Jannis studiert noch. Die „Wellenreiter durch die verschiedenen Musik-Genres“, wie sie sich unter anderem nennen, dürften in der Region dennoch auch künftig von sich reden machen.

Info für die Mädels: Duo ist noch zu haben.

Quelle: op-online.de

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