Mineralien sammeln und Gold waschen

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Gerhard Kenke hat alles, was man zum Goldwaschen braucht - Teller, Pumpe, Rinne und einen Spaten.

Münster ‐ Seit über dreißig Jahren packt Gerhard Kenke am Wochenende Meißel, Fäustel, Lupe und Geologenhammer ein, setzt einen Helm auf, zieht sich feste Schuhe an und dann geht es los – ab in den Steinbruch. Von Jasmin Frank

„Ich bin durch meinen Schwager auf das Mineraliensammeln aufmerksam gemacht worden. Er wohnt im Fichtelgebirge und hatte dort schon eine kleine Sammlung angelegt, die mich beeindruckt hat. Ich habe mich dann in das Thema eingelesen und mich für den Odenwald entschieden, weil er einfach so nahe ist. Ja, und dann habe ich es einfach mal ausprobiert“, erinnert sich der sportliche Münsterer.

Doch ganz so einfach ist der Einstieg in das spannende Hobby nicht, denn ein Anfänger benötigt Paten, die ihn in die Materie einführen. „Ich bin von zwei auf die Region spezialisierten Sammlern eingewiesen worden. Es ist wichtig, jemanden unterwegs dabei zu haben, der einen Blick für die Gesteine hat“, informiert Kenke.

An die 100 Silberstufen

Natürlich kann nicht jeder einfach so in einen Steinbruch gehen und sammeln, dazu ist immer eine Anmeldung erforderlich, jedoch kennen die Betreiber die meisten Mineralienjäger bereits. „In der Regel geht man zu zweit los, denn in einem Steinbruch kann es ja mitunter auch mal zu gefährlichen Situationen kommen. Mit dem Auge sucht man die Bruchsteine ab und schaut, ob man Störungen im Gestein findet. Hier auf dem Foto sieht man einen roten Streifen im grauen Fels und innerhalb der Sektion ist eine schwarze Einlassung zu erkennen. Das ist ein Schörl-Quarz“, informiert der Chemie- und Sportlehrer fachgerecht. Etwa 5 000 Mineralienstufen hat er im Laufe der Jahrzehnte schon zusammengetragen, darunter allein an die 100 Silberstufen. Auch Jaspis-Steine hat er schon gefunden, was für ihn eine besondere Freude ist, ebenso wie ein Betechtinit, der nur an ganz wenigen Stellen in der Welt zu finden ist, und zwar in Waschenbach und in Kasachstan.

Mineraliensammler Gerhard Kenke fertigt auch hochwertige Makro-Aufnahmen seiner schönsten Stücke an.

„Oft findet man auch einfach gar nichts, die Quote liegt bei etwa zehn Prozent“, gibt er zu bedenken. Über seine Tätigkeit hält er zudem Fachvorträge, für die er die gesammelten Exemplare auch aufwändig fotografiert. „Für eine Makrofotografie von einem ein- oder zwei Millimeter kleinen Kristall sitze ich schon etwa zwei Stunden lang hier an meinem Apparat“, schmunzelt er und erzählt, wie groß die Freude ist, wenn er dann ein gutes Foto geschossen hat. „Dann rufe ich sofort meine Frau Heide und zeige es ihr“, lacht Kenke.

Assoziation mit dem Wilden Westen

Die hat nichts dagegen, wenn es ihren Mann immer wieder in den Steinbruch zieht, denn das Paar hat genug gemeinsame Hobbys, ihren Sport und das Kochen. Doch damit nicht genug, hat der rührige Vater und Großvater noch eine weitere Passion: Er ist Goldschürfer. Dazu kam er im Sommer 2000, als er beim Mineraliensammeln überhaupt nicht fündig wurde. Als er dann von einem Goldnuggetfund in Thüringen hörte und feststellte, dass die Verhältnisse im ihm vertrauten Odenwald ganz ähnlich sind, hat es ihn gepackt. „Ja, das löst bei vielen Menschen eine Assoziation mit dem Wilden Westen aus. Aber wild ist mein Hobby gar nicht, sondern ganz im Gegenteil, sehr entspannend“, meint Kenke zufrieden.

Auch hier hat er einige Utensilien, die er immer mit dabei hat: Eine Goldwaschpumpe, um den Kies aus dem Flussbett zu saugen, dann eine selbstgebaute Goldwaschrinne, um den Kies auf eine bestimmte Korngröße vorzuwaschen, und dann den aus den Filmen bekannten runden Waschteller, die Goldwaschwanne, mit der dann die Nuggets ganz vorsichtig von den restlichen kleineren Steinen getrennt werden.

„Reich wird man damit aber nicht“, meint er und verweist auf die Nuggets, die er bereits zusammengetragen hat: Sie sind teilweise so klein, dass man sie mit bloßem Auge kaum erkennen kann. Das größte Exemplar ist gerade mal 5,5 Millimeter groß. „Aber um möglichst große Funde geht es auch gar nicht, sondern um den Spaß, in der freien Natur zu wandern, eine geeignete Stelle zu finden und zu verweilen“, so Kenkes Credo.

Edelmetall bleibt nur an bestimmten Stellen liegen

Dazu muss erst einmal ein Gewässer gefunden werden, das durch goldhaltiges Gestein, wie alte Schieferzonen, geflossen ist. Zusätzlich muss man wissen, dass das Edelmetall nur an bestimmten Stellen liegen bleibt und wenn, dann immer ganz unten, weil es das schwerste Mineral im Wasser ist.

„Im nächsten Sommer werde ich meinen Enkel Jonas mitnehmen und der freut sich über einen dicken Frosch genauso wie über ein Körnchen Gold“, weiß der stolze Großvater. Damit hat zumindest der kleine Jonas schon einen würdigen Paten, der ihn in die Goldwasch- und Mineraliensammelkunde einführen kann.

Quelle: op-online.de

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