„Mit Ärzten sieht es gut aus in Münster“

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Wenn der Ärzte-Mangel offensichtlich wird, hat es die Gemeinde schwer, zu reagieren ,meint der Münsterer Allgemeinmediziner Dr. Peter Lücker.

Münster - Die Versorgung mit ärztlichen Leistungen ist in vielen Orten der Region ein Thema – nicht wenige sorgen sich angesichts aufgebender Allgemeinmediziner oder weiterer Wege zu Fachärzten um die Zukunft – besonders auf dem Land. Von Alexander Klug

Wie es um die Versorgung in Münster bestellt ist, darüber hat sich Redakteur Alexander Klug mit Dr. med. Peter Lücker (45) unterhalten. Er hat die Praxis nahe der Münsterer Ortsmitte vor acht Jahren übernommen.

Herr Dr. Lücker, wie sieht es denn aus in Münster mit der ärztlichen Grundversorgung? Es gibt Orte, zum Beispiel Babenhausen, die damit Probleme haben ...

Es sieht gut aus in Münster. Mit sechs niedergelassenen Allgemeinmedizinern ist der Ort ausreichend ausgestattet, jeder Münsterer und jede Münsterin müsste ihren Arzt in fußläufiger Entfernung parat haben. Natürlich konzentrieren sich die Patienten in ländlichen Gegenden, auch unserer hier, auf weniger Praxen als in Großstädten wie Frankfurt oder Darmstadt. Das ist aber normal.

Wie viele Patienten kommen denn zu Ihnen, wenn der Hals kratzt oder der Rücken schmerzt ?

In meiner Praxis kümmere ich mich zusammen mit meinen fünf Angestellten um rund 2 000 Patienten. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei ungefähr 900. Da liegen wir deutlich drüber, das ist aber so gewollt und hat auch mit der eben erwähnten Lage auf dem Land zu tun.

Das klingt, als gäbe es wirtschaftlich keine Probleme ...

Naja, ich habe keine Probleme im Praxisalltag. Aber die Zeiten sind schon deutlich härter geworden. Das Gehalt kommt oft erst Monate später, ich weiß zum Beispiel noch nicht, was ich im ersten Quartal diesen Jahres verdient habe. Unverständliche Regelungen wie die Budgetierung, nach der ich für einen großen Teil meiner Patienten weniger Geld von der Kassenärztlichen Vereinigung bekomme als für andere, machen es auch nicht gerade einfacher.

Sie bleiben Münster aber erhalten, oder?

Ja, mit Sicherheit. Meine beiden Kinder fühlen sich hier sehr wohl. Der Haushalt ist mit Hund, zwei Katzen und den Fischen im Teich komplett. Kein Grund, wegzugehen. Nach acht Jahren als Truppenarzt bei der Bundeswehr bin ich außerdem froh, dass es seit ebenfalls acht Jahren hier in Münster so gut läuft.

Trend zu Ärztehäusern noch völlig offen

In Mode sind derzeit sogenannte Ärztehäuser oder Ärztezentren, eines davon entsteht in Schaafheim. Wie sehen Sie diesen Trend? Ist so etwas auch für Münster denkbar? 

Diese Entwicklung sehe ich noch völlig offen, da kann alles passieren. Es ist zum Beispiel nicht gesagt, dass für den gewünschten Arzt überhaupt einer der Sitze zur Verfügung steht, die die Kassenärztliche Vereinigung vergibt. Soll zum Beispiel ein Kinderarzt oder ein Augenarzt dabei sein, muss der entsprechende Platz zu haben sein, sonst ist nichts zu machen. Ich persönlich habe Bedenken, dass gerade viele niedergelassene Ärzte nicht sonderlich motiviert sein dürften, bei einem solchen Projekt mitzumachen. Wer eine längere Zeit eigenständig gearbeitet hat, macht das meistens auch gerne und tut sich womöglich schwer mit derlei Kooperationen. In Münster gibt es ab und zu Stimmen, die meinen, das ehemalige Centralkaufhaus wäre für so etwas gut geeignet. Den Bedarf sehe ich nicht.

Auch keinen an Fachärzten? Die gibt es in Münster nicht.

Nicht unbedingt. Denn so, wie der Weg zu Fuß zum Allgemeinmediziner in Münster gegeben ist, können alle, die das brauchen, ihren Hals-Nasen-Ohrenarzt, Orthopäden, Gynäkologen und Kinderarzt in Dieburg, den Lungenarzt in Groß-Umstadt oder einen Radiologen in Dietzenbach finden. Standorte mit Krankenhäusern sind freilich meistens besser ausgestattet.

Wie schätzen Sie die Rolle der Verwaltung bei der Ärzte-Versorgung ihrer Bürger ein?

Das ist nicht einfach. In Münster zum Beispiel sehe ich derzeit keinen Bedarf für ein Eingreifen der Gemeinde, es läuft ja prima, was die Allgemeinmediziner angeht. Wenn der Mangel erst einmal da ist, wie etwa in Babenhausen, ist es für die Kommune schon recht spät, zu reagieren. Sie muss dann natürlich den Standort für die gewünschten Mediziner attraktiv machen, zum Beispiel über günstige Darlehen.

Quelle: op-online.de

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