Mobiles Kindertheater Odenwald

Märchenhafte Spurensuche

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Großmutter (Caroline Janßen) und Rotkäppchen (Tina Stier) wurden vom Jäger (Josef Stier) gerettet, wofür es großen Beifall gab.

Münster -   Seit mehr als zehn Jahren treffen sich Mitglieder des Vereins Spurensuche jede Woche montags und dienstags in den Räumen der Christlichen Gemeinde, um an Demenz Erkrankte zu bewirten, die normalerweise von ihren Angehörigen betreut werden. Manchmal bekommen sie etwas Besonderes geboten. Von Peter Panknin

Um pflegende Angehörige zu entlasten, hat sich Spurensuche die Aufgabe gestellt, stundenweise die Betreuung der an Demenz erkrankten Menschen zu übernehmen. Neben Singen und Basteln gibt es auch andere Aktivitäten, um Abwechslung in das Programm zu bringen. Dazu gehören gemeinsame Ausflüge in die nähere Umgebung ebenso wie regelmäßige Veranstaltungen rund um die Fastnacht oder in der Vorweihnachtszeit. Manchmal gibt es aber auch besondere Ereignisse, die nicht regelmäßig wiederkehren, so wie jetzt. Zunächst traf man sich zum Kaffeetrinken. Doch nicht wie gewohnt im großen Saal, alles drängte sich um die schön gedeckten Tische im kleinen Besprechungsraum. Mit Müh’ und Not kamen alle Gäste unter, um gemeinsam zu singen. Doch so recht war man nicht bei der Sache, denn zwischenzeitlich waren drei Leute emsig damit beschäftigt, im großen Saal eine kleine Bühne zu errichten. Schnell waren bunte Tücher über ein Gerüst gehängt, um dahinter einen Rückzugsraum für die Schauspieler zu schaffen und nach vorne hin eine Kulisse für das eigentliche Stück zu präsentieren. Kaum war alles fertig, kamen die Zuschauer auch schon herbei. Stühle waren von Vereinsmitgliedern aufgestellt worden, sodass die Vorstellung auch umgehend beginnen konnte.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Josef Stier, Leiter des „Mobilen Kindertheaters Odenwald“, startete das erste Bild zum Märchen vom „Rotkäppchen“ mit der handarbeitenden Großmutter, dargestellt von Caroline Janßen. Noch ein paar Nadelstiche, von denen einer zur Belustigung der Zuschauer in den Finger der Näherin ging, und fertiggestellt war die rote Kappe für die Enkelin. Die erschien auch sogleich auf der Bühne, nahm das Geschenk entgegen und wurde somit zum „Rotkäppchen“.

Die weitere Handlung ist ja bekannt, Rotkäppchen wurde von der Mutter zur erkrankten Großmutter geschickt, um Wein und Kuchen zur Stärkung zu bringen, versehen mit allerlei Hinweisen, wie Mütter nun mal ihren Kindern mit auf den Weg geben, genauso missachtet, wie man es aus eigener Erfahrung kennt, mit dem Ergebnis, Wolf verschlingt Großmutter und Enkelin mit Haut und Haar. Gerettet vom heldenhaften Jäger lagen sich am Ende alle in den Armen, feierten Geburtstag nach der Rettung aus dem Bauch des Wolfes und tanzten fröhlich miteinander.

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Bemerkenswert an dieser Vorstellung war aber, wie die Protagonisten vom Theater ihre Zuschauer zum Mitmachen bewegten und in die Handlung mit einbezogen. Ebenso bemerkenswert, wie die Gäste im Raum mitgespielt haben. Tina Stier alias Rotkäppchen stellte fest, dass der Saal „so gar nicht nach Wald“ aussieht und forderte die Menschen im Raum auf, nach Möglichkeit aufzustehen und die Arme nach oben zu strecken, um eben einen Wald zu bilden, durch den sie dann zum Haus der Großmutter laufen konnte. Der schwarze Wolf, mit seiner dunklen Brille eher an einen Mafiosi erinnernd, erklärte den Zuschauern, wer er denn wäre, nämlich der große Wolf mit dem noch größeren Hunger. Flugs bekam er aus den Reihen der Gäste sättigende Angebote in Form von Einladungen zum Haspel- oder Fleischwurstessen, was flugs zu nicht geplanten Dialogen in heimischer Mundart führte.

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Der Wolf, gespielt von Josef Stier, bekam aber die Kurve zurück zur eigentlichen Handlung und bot an, wenn er nach dem Verspeisen der Großmutter und des Rotkäppchens noch Hunger habe, würde er auf die Einladungen zurückkommen.

Vom Schnarchen des Wolfes angelockt, erschien der heldenhafte Jäger (auch Josef Stier) und rettete die Darsteller aus dem Bauch des Untiers. Fröhlich starteten Großmutter und Jäger einen Tanz zum „Geburtstag“, um sich dann neue Tanzpartner aus den Reihen der Zuschauer zu holen. Ein obligatorisches Küsschen nach dem Tanz wurde dem Retter allerdings erst gewährt, nachdem der angeklebte Schnurrbart entfernt worden war.

Die Schauspieler bedankten sich beim dankbaren Publikum und wurden mit großem Beifall belohnt. Ein „märchenhafter“ Nachmittag ging für alle Beteiligten in froher Runde zu Ende.

Wer ähnliches erleben möchte, das „Mobile Kindertheater Odenwald“ spielt Märchen aus ganzem Herzen, denn diese sind zeitlos, hoffnungsvoll und wirksam. Gleichzeitig versucht das Team, mit den Märchen Brücken zu bauen und Generationen zu verbinden. Weitere Informationen sind hier erhältlich: www.mobiles-kindertheater-odenwald.de.

Quelle: op-online.de

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