Mode, Tanz und Marmelade

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Viel beklatscht war der Programmpunkt „Türkische Volkstänze“ zum Projekttag in der Aue-Schule.

Münster - Stolz hält Niklas Murmann ein kompliziertes Schaltbrett in der Hand. „Ich habe an dem Projekt ‚elektrische Schaltungen und Drahtfiguren löten’ teilgenommen und ein eigenes Tic-Tac-Toe-Spiel gebaut. Von Jasmin Frank

Das hat unheimlich viel Spaß gemacht. Wir haben Bretter gebohrt und viel gelötet. Dabei habe ich mich zwar verbrannt, aber es war trotzdem toll“, schwärmt der Zwölfjährige mit leuchtenden Augen. In jedem Raum der Schule auf der Aue in Münster findet man an diesem Tag Kinder vor, die voller Begeisterung von der Projektwoche berichten. Von Schulmüdigkeit fehlt hier jede Spur und die Schüler berichten voller Enthusiasmus von ihren Projekten, sei es ein Babysitter-Diplom, Marmelade einkochen oder Geschichten schreiben.

Auch Jan Goebel hat in dieser Woche neue Seiten an sich entdeckt. Der fünfzehnjährige Hauptschüler schuf im Tiffany-Projekt ein beeindruckendes Glaskunstwerk und ist sichtlich stolz: „Ich habe zum ersten Mal mit Glas gearbeitet. Ich wusste gar nicht, dass das so einfach ist. Aber ich zeichne ja auch gerne, da fällt mir das leicht.“

Schwieriger war die diffizile Arbeit für seinen Freund Christian Dietzel, der als großer Heranwachsender mit den kleinen Teilen nicht so gut klar kam, aber dennoch viel Spaß hatte.

Programm auf Bühnen und Gängen der Schule

Für Lehrer Claus D. Sterr liegt das Ergebnis einer solchen Woche aber nur in zweiter Linie in dem entstanden Produkt. „Wichtig ist mir, dass die Jugendlichen Ideen für ihre Freizeitgestaltung bekommen. Viele spielen nur Computer oder langweilen sich. Aber durch solche Projekte werden sie an interessante Themen herangeführt. Es kommen auch noch Abgänger und fragen mich nach Material oder Tipps für ihre Hobbys. Die jungen Leute nehmen bei solchen Aktionen viel fürs Leben mit“, erläutert der engagierte Pädagoge.

Für die zahlreichen Besucher wurde neben den Präsentationen in den Klassenräumen auch noch ein vielfältiges Programm auf den Bühnen und Gängen der Schule angeboten. Gut besucht war die Vorstellung türkischer Volkstänze, aber auch eine Modenschau zog die Zuschauer in ihren Bann. Das Glanzlicht war hierbei, dass die Kinder die Kleidungsstücke nicht nur zur Schau stellten, sondern vorher selbst bearbeitet hatten, so auch Kira Miftari, die ein T-Shirt mittels einer Schablone mit Paletten bestickt und ihre Hose aufgehellt hat. Geleitet wurde das Projekt nicht von einer Lehrerin, sondern von der Münstererin Isolde Kreher, die sich selbst gerne ausgefallen und ein bisschen verrückt kleidet.

Philipp Wolf ist „Hahn im Korb“

Besonders stolz ist sie auf den einzigen männlichen Teilnehmer des Projekts, Philipp Wolf, der auch von den Mädchen als total mutig angesehen wird. Auf die Frage, ob ihn denn seine Rolle als „Hahn im Korb“ viel Überwindung gekostet habe, antwortet er gelassen: „Überhaupt nicht. Ich habe mir das Projekt angeschaut und fand es okay. Deshalb habe ich mitgemacht. Ich habe mir mit Klebeband eine Schablone für mein T-Shirt gemacht und es dann eingesprüht. Heute für den Laufsteg habe ich aber Verstärkung geholt, mein bester Kumpel David Mieth macht mit.“

Und während sich alle bestens amüsieren, hört man plötzlich ein Mädchen mit einer blutenden Hand weinen und Johanniter herbeieilen. Hat es etwa einen Unfall gegeben? Doch es ist nur die Projektgruppe Schulsanitätsdienst, die zeigt, was sie alles gelernt hat. Zum Glück werden ihre Fähigkeiten an diesem Tag nicht mehr ernsthaft benötigt.

Quelle: op-online.de

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