Münster

Ein Model in XXL und Teufels-Tänzerinnen

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Sehr gut besucht war die Fastnachtssitzung der DJK-Münster.

Ob blau-weiße Federn an Musketier-Hüten, Harlekin-Glöckchen, Teufelshörnchen oder Turban – beim „Time Warp“ mit dem Männerballett von Carmen Schwarzer wippen Kopfbedeckungen aller Art bei der DJK-Sitzung im Takt.

Münster - Nicht nur der Rhythmus reißt mit, auch die Aussicht ist atemberaubend: Strapsen spannen sich um behaarte Männerschenkel, Lackschuhe und Corsagen glänzen. „Manche von euch bewegen sich, als hätten sie nie andere Schuhe an“, witzelte Elferratspräsident und DJK-Chef Peter Waldmann von der Tribüne. Bis auf den letzten Platz gefüllt war die DJK-Halle, als der Verein zur Sitzung eingeladen hatte – vier Mal (plus Altweiberfastnacht) treffen sich die Narren in der Heinrich-Heine-Straße.

„Der letzte Raucher“ musste sich im Vortrag von Nicole Erdmann ordentlich auf die Schippe nehmen lassen: Per Diashow machte sie sich auf die Suche nach dieser „vom Aussterben bedrohten“ Spezies und förderte mit Absolventen-Hut und Professoren-Robe allerlei Amüsantes über die „Rauchlinge in freier Wildbahn“ zutage: Zusammengedrängt auf einem Balkon und in Gebüschen habe sie die schwer zu findenden Exemplare aufgetrieben.

Ganz besonders glücklich machte sie der Fang von zwei geschlechtsreifen Exemplaren mittels einer mit einer Zigarette bestückten Mausefalle: „So haben wir zum ersten Mal Rauchling-Nachwuchs in Gefangenschaft hervorgebracht“. Und tatsächlich: Aus der Kindertasche qualmt wacker das „Kleinkind“ (freilich ein erwachsener Kollege mit einer Zigaretten-Attrappe).

In buntem Umhang machte sich der „Eppertshäuser Dummschwätzer“ (Jörn Müller) über die Nachbarn im Süden seiner Heimat lustig – zum Beispiel über die (zumindest in Eppertshausen) bekannte sprichwörtliche Langsamkeit: „Gute Frau, Sie haben erst mit drei Minuten Verzögerung gelacht“, kalauert der Jeck in bunter Flickenjacke. „Aber in Münster ist das ok, da ist ja alles unter fünf Minuten noch spontan.“ Zu machen sei da wenig – ab und zu schalte er beim Sprechtempo einen Gang zurück, damit jeder der einheimischen Besucher den Ausführungen folgen kann; helfen könne auch Doping mit „Epo“ – im „wirklichen Leben“ ein Dopingmittel, das sich vor allem unter Profiradfahrern großer Beliebtheit erfreut. Nördlich der Gersprenzbrücke verhilft das „Eppertshäuser Power Opium“ völlig legal zu Höchstleistungen.

Ein bisschen an „Cindy aus Marzahn“ erinnerte Sandy Gerhold als „XXL-Model“: Die kräftige Dame nahm, auf das neben und unter ihr zierlich und zerbrechlich wirkende Pult gestützt, die Modewelt aufs Korn. In Größe 38 – „nicht am Leib, sondern an den Füßen“ – bringt sie die schmalen Laufstege zum Beben; getreu ihrer Devise „Man muss auch mal essen können, wenn man keinen Hunger hat.“ Und zweifelt keine Sekunde an sich und ihrer Figur: „C’est passable“, kommentiert Karl Lagerfeld – „Bloß nicht frech werden“, stellt das vollschlanke Model klar. Am Ende sind alle zufrieden: Statt bei den edlen Modemarken wie Dior, Versace oder Prada unterschreibt sie einen Vertrag – bei Kreher Wurstwaren.

Geistliche in Frauenkleidern gibt es nicht jeden Tag zu Gesicht – bei der DJK kein Problem: Pfarrer Bernhard Schüpke und Kaplan Thomas Weiß kappelten sich beim Altennachmittag am Mallorca- Strand. Kleiner Ausflug nach Südostasien – oder doch nicht? „Klar waren wir schon in Burma“, sagt die eine. „Das war eine Tagesfahrt für 19,90.“ Doch war keineswegs von Asien die Rede – „Burmasens“ liegt nämlich in der Pfalz.

Außerdem lachten die knapp 400 Narren über das Piloten-Duo (Josef Bonifer und Willi Heckwolf), das sich über die Ehefrauen zuhause und die Phänomene des Älterwerdens amüsierten. Im heimischen Wohnzimmer redete ein älteres Ehepaar (Heiko Löbig und Rainer Roßkopf) wacker aufeinander ein und aneinander vorbei.

Die Abteilung Musik und Tanz sorgte den ganzen Abend über für Stimmungsschübe: Hatte schon Münsterer Musikverein und Kinderballett (Manuela Mack und Martina Peter) für ordentlich schunkelnde Stimmung gelegt, heizte später eine Horde Cowboys und Indianer (Frauengesangsgruppe Sidas, Leiter Manfred Bürner) ein. Außerdem lieferte die Tanz- und Showgruppe Pan i Pani zur Melodie von Baywatch eine mitreißende Vorstellung als Rettungsschwimmer – die Präsidentengarde (Anja Löbig und Kristin Oestreicher) präsentierte wirbelnde Röckchen und gewagte Hebefiguren.

Zum teils schon recht mutigen Schritt auf Tisch und Stuhl motivierte die Blasmusik der Hinnergassebuwe: Die Münsterer Truppe hatte Eingängiges von „Eviva España“ bis zu AC/DCs „Highway to Hell“ im Repertoire. Das DJK-Damenballett in Teufelskostümen vereinte Rhythmus mit kurvenreicher Optik – „Grüße aus der Hölle“ inklusive. Wer bis dahin noch auf seinem Stuhl saß, den scheuchten die Siebenschläfer auf: Mit einem Ausflug in die 80er Jahre und „Formel Eins“ (Moderation: Daniele Günther und Achim Schledt) rissen sie auch den letzten Besucher mit. 

(Alexander Klug)

Quelle: op-online.de

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