Moses als Migrantenkind

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Kabarett vom Feinsten servierten Clajo Herrmann und Hans-Joachim Greifenstein.

Münster ‐ Lautes Lachen, nur unterbrochen von konzentriertem Zuhören, um keinesfalls die nächste Pointe zu verpassen, und dann schon wieder Applaus und Gelächter: So war die Stimmung am Freitagabend in der Münsterer Kulturhalle. Von Jasmin Frank

Verantwortlich für die gute Laune war das „Erste allgemeine Babenhäuser Pfarrerkabarett“ alias Hans-Joachim Greifenstein und Clajo Herrmann. Doch die beiden waren kein Novum für die ortsansässigen Kabarettfreunde.

„Wir sind schon vor mehreren Jahren auf die beiden aufmerksam gemacht worden und uns hat ihr Programm sehr gut gefallen. Deshalb sind sie auch schon zum zweiten Mal bei uns zu Gast und wieder ist die Kulturhalle ausverkauft“, freuen sich die Organisatoren des SV Münster, Dieter Huther und Martin Preusser. Zudem hat der Klamauk auch einen guten Zweck: Der Verein investiert das eingenommene Geld in die Jugendarbeit und in andere Projekte.

Greifenstein, der sich als einen „bekennenden Altmod“ bezeichnet und mit dem „hessischen Triathlon auf dem Tisch, nämlich Presskopf, Blut- und Leberwurst“ groß geworden ist, wundert sich über die moderne Welt: Überall stehen Entscheidungen an, über Dinge, die gar nicht gebraucht werden. „Wenn ich früher zum Bäcker gegangen bin, gab es rundes Brot und langes Brot. Heute muss ich im Backshop aus einem Portfolio von Backproducts wie Brioche, Ciabatta und Baguette sowie anderen 36 Sorten auswählen.“

"Sozialismus falsch herum" 

Auch über weitere moderne Wendungen des Weltgeschehens konnte er nur den Kopf schütteln: Sei doch Karl Marx für eine Verstaatlichung von Banken gewesen, die noch etwas gehabt hätten. „Heute werden die Institute verstaatlicht, die Pleite sind, das ist doch Sozialismus falsch herum“, ruft er, und das Publikum klatscht begeistert.

Doch nicht nur Spaß, auch der ein oder andere nachdenkliche Ton wurde angeschlagen, wenn es darum ging, dass in Afrika die Menschen verdursten, während europäische Ingenieure anstatt Brunnen zu bauen lieber das Schließgeräusch von Autotüren konzipieren. Auch die Medizin wurde auf die Schippe genommen, so bewertete das Duo Medikamente für Menschen, die dreimal nachts raus müssen, als durchaus positiv, fragte aber: „Warum gibt es Mittel gegen Harndrang und keine Mittel für Hirndrang. Dann müssten die Menschen wenigstens dreimal am Tag denken!“ So standen die Pfarrer gemeinsam und auch einzeln auf der Bühne und brachten weltliche und biblische Themen aufs Tapet, wobei auch Moses als Migrantenkind nicht ausgespart wurde.

Quelle: op-online.de

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