Verärgerte Bürger

Angst vor noch mehr Lärm: Anwohner gegen Verkehrsanbindung in Münster

Aktuell fahren nur die Bauarbeiter von der Mozartstraße aufs Frankenbachgelände. Eine dauerhafte Anbindung wollen die Anwohner verhindern.
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Aktuell fahren in Münster nur die Bauarbeiter von der Mozartstraße aufs Frankenbachgelände. Eine dauerhafte Anbindung wollen die Anwohner verhindern.

Die Mozartstraße in Münster soll ans Frankenbachgelände angeschlossen werden. Dagegen wehren sich die Anwohner. Sie fürchten mehr Lärm durch den zusätzlichen Lkw-Verkehr.

Münster – Schlaglöcher, Frostschäden und verärgerte Anwohner: Die Mozartstraße in Münster ist in einem schlechten Zustand. Daher wird die knapp 455 Meter lange Straße im Münsterer Westen, die am Rathausplatz beginnt, derzeit abschnittsweise saniert. „Die Arbeiten sind nötig“, schreibt die Gemeindeverwaltung in einer Mitteilung, „da die Kanalisation in diesem Bereich schon seit Jahren an ihre Kapazitätsgrenze stößt“ – besonders bei starken Regenfällen.

Anwohner bekommen das immer wieder zu spüren. Zudem wird die Kanalisation zukünftig durch die geplante Neuerschließung des ehemaligen Frankenbachgeländes zusätzlich belastet. Aber auch die Fahrbahn selbst wird im Zuge der Arbeiten mit erneuert.

Mozartstraße Münster: Entscheidung über Ausbau im Juni

Soweit kein Problem. Das beginnt für die Anwohner erst mit der Idee, den Zufahrtsweg zum Frankenbachgelände über die Mozartstraße zu führen. Denn das würde mehr (Lkw-)Verkehr und damit automatisch mehr Lärm bedeuten – zusätzlich zu dem der Dreieichbahn, die parallel zur Mozartstraße fährt. Wie genau die Mozartstraße künftig aussehen soll, wird am Montag, 31. Mai, zunächst den Bau- und Planungsausschuss und dann eine Woche später am 7. Juni die Gemeindevertretung beschäftigen, die darüber entscheiden. Vergangene Woche hat die Gemeinde die Anwohner zu einer Online-Bürgerversammlung eingeladen, bei der ihnen die drei möglichen Ausbau-Varianten (s. Infokasten) vorgestellt wurden.

Die drei Varianten

Zum Endausbau der Mozartstraße stehen aktuell drei Varianten zur Diskussion:
Variante 1: Bei der „Vorzugsvariante Fußgänger“ sind beidseitig 2,5 Meter breite Gehwege mit weichem Übergang (ohne Bordsteinkante) zur fünf Meter breiten Fahrbahn vorgesehen, Parken wäre entlang der Fahrbahn laut STVO möglich.
Variante 2: Die „Vorzugsvariante geregeltes Parken“ sieht eine etwas schmalere Fahrbahn (4,5 Meter), einen zwei Meter breiten Gehweg, zwei Meter für Parkflächen und auf der anderen Straßenseite einen 1,5 Meter breiten Gehweg vor. Die Parkbereiche wären in diesem Fall wechselseitig links oder rechts fest ausgewiesen und das Abstellen von Fahrzeugen auch nur in diesen Bereichen erlaubt.
Variante 3: Bei der „Vorzugsvariante Verkehrsfluss“ hätte die Fahrbahn eine Breite von 6,5 Metern, die Gehwege wären links und rechts 1,75 Meter breit und durch klassische Rundbordsteine abgegrenzt. Geregeltes Parken entlang der Fahrbahn durch Markierung der Parkplätze wäre auf einer Seite der Fahrbahn möglich, auf der anderen ist je nach Erfordernis ein einseitiges Halteverbot vorgesehen. (lahe)

Fragt man die Anwohner, ist die Sache klar: Variante 1 und keine Anbindung des Frankenbachgeländes an die Mozartstraße. „Grundsätzlich sollte es Ziel einer Gemeinde sein, die Durchfahrt durch ein reines Wohngebiet zu verhindern“, heißt es in einem Schreiben der Anwohner an die Gemeindeverwaltung und alle vier Fraktionen. Und wie der Planer „richtigerweise festgestellt hat“, sei die Mozartstraße eben eine Wohnstraße. Die anschließend relativierende Aussage, es handle sich um einen Grenzbereich zwischen Wohn- und Sammelstraße, sorgt bei den Anwohnern für Unverständnis: „Das ist nicht nachvollziehbar.“

Ebenso nicht nachvollziehbar finden die Anwohner, dass festgestellt wurde, dass der Fußgängerverkehr in der Straße eher gering sei. „Diese Behauptung ist nicht richtig. Die Mozartstraße wird von vielen Fußgängern genutzt. Sie verbindet verschiedene Gemeindeteile fußläufig mit dem Bahnhof, dem Einkaufszentrum und dem Rathaus“, schreiben die Anwohner. Zudem sei sie eine wichtige Erschließungsstraße für Schulkinder, Gassigänger, Jogger, Spaziergänger und eben für die Anwohner. Auch führt sie zum Radweg nach Dieburg und zum Freizeitzentrum.

Bürgermeister Joachim Schledt: Anwohner in Münster wollen ruhige Verkehrslage

Dass es nicht einfach ist, die Interessen aller Anwohner und Verkehrsteilnehmer gleichermaßen unter einen Hut zu bringen und die Straße zugleich verkehrstechnisch sinnvoll an das noch zu erschließende Frankenbach-Areal anzubinden, ist auch der Gemeinde klar. „Alle Ausbauformen haben ihre Vor- und Nachteile“, sagt Bürgermeister Joachim Schledt (parteilos), „und uns ist bewusst, dass nicht bei jedem Vorschlag die Interessen sämtlicher Akteure gleichermaßen berücksichtigt werden können.“

Ebenso legt die Verwaltung darauf Wert, dass die Sorgen und Ideen der Anwohner nicht ins Leere laufen. „Da auch Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter bei der Sitzung dabei waren, werden die Bürgerimpulse bei den Beratungen in den gemeindlichen Gremien Gehör finden und eine gewichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung spielen“, betonte Schledt. Dass die Interessen der Anwohner klar darin liegen, eine möglichst ruhige Verkehrslage zu haben „haben sie deutlich zum Ausdruck gebracht“, sagte der Bürgermeister auf Nachfrage. (Lars Herd)

Erst im März kritisierte „Münsters Alternative Liste“ die Pläne zum Ausbau der Mozartstraße.

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