Wohnzimmeratmosphäre bei Straßenfest

+
Ein Fest für alle: das Altheimer Hauptstraßenfest

Altheim - „Da initiiert man ein Straßenfest und plötzlich sind 20 Jahre rum“ – so oder ähnlich dürften Organisatoren und Gäste beim Hauptstraßenfest in Altheim gedacht haben. Von Michael Just

In diesem Jahr konnten die Bewohner der längsten Straße im Münsterer Gemeindeteil auf die 20. Ausrichtung blicken. Der Auftritt des evangelischen Kindergartens, der das Singspiel „Die kleine Hummel“ aufführte, ein Zauberer, Torwandschießen sowie Spiele mit der lokalen Feuerwehr garantierten am Samstag gute Unterhaltung. Am Abend spielte die Band Anblackt.

Die Idee für das Fest hatten einst Klaus Dihlmann und Wolfgang Mai. Sie wollten damit den Abschluss der Bauarbeiten bei der Kanal- und Straßensanierung feiern – auf einem kleinen Vorplatz neben der Hauptstraße. Heute nimmt es im Ortsdurchgang die Länge eines Fußballfeldes ein. Dafür wird die Hauptstraße, im Gegensatz zu früher, komplett gesperrt.

Die eigenen Ansprüche vergrößert

Einer der Urgesteine der ersten Stunde ist Ralph Kunkel. „Von einem kleinen Kreis ist es zu einem Ortsfest gewachsen“, erzählt der einstige Bewohner des Backsteinhauses an der Hauptstraße 7. Dazu habe man die eigenen Ansprüche vergrößert. Warmhaltegeräte für die Küche angeschafft, einen Grill selbst konstruiert. Geändert hat sich auch der Aufbau, der früher am Samstagmorgen stattfand. „Da waren wir dann kaputt als das Fest mittags anfing“, erinnert sich Kunkel. Jetzt werde schon am Freitagabend aufgebaut. Mittlerweile ist der 58-Jährige nach Münster gezogen, das Hauptstraßenfest gehört aber immer noch zum Pflichtprogramm.

Seit sechs Jahren steht Alex Schönberner der Hauptstraßengemeinschaft als Vorsitzender vor, die ein Verein mit rund 30 Mitgliedern ist. „Der Charakter des Festes lässt sich mit einem großen Wohnzimmer vergleichen“, sagt er. Vor zwölf Jahren zog der 44-Jährige von Frankfurt „aufs Dorf“ nach Altheim. Er schätzt vor allem die vielen eng zusammenhängenden Höfe, die zum Fest ihre Tore öffnen. Der Besuch des Straßenfestes war für ihn damals selbstverständlich, auch um den Weg in die Dorfgemeinschaft zu finden. „Auf diese Weise bin ich in den Ort reingewachsen“, erinnert er sich.

Gewerbetreibende sind nicht erwünscht

Der Charakter des Hauptstraßenfestes ist und soll laut Schönberner einzigartig bleiben. Gewerbetreibende und deren Produkte – auch Karussells – sind nicht erwünscht. Dass Bewohner für Bewohner ein Fest mit einer privaten Note organisieren, macht für viele Besucher den Reiz aus. Dazu gehört auch, dass alle Erlöse den Kindern und Jugendlichen im Ort beziehungsweise den Einrichtungen, die sich um sie kümmern, zugute kommen. Der Leitgedanke lautet: „Wir wollen nichts verdienen – wir machen das aus Spaß – alles geschieht aus eigener Hand.“

Obwohl der Zuspruch zum Fest stets gut ist und die Helferschar bis zu 50 Personen umfasst, will Schönberner nicht von einer gesicherten Zukunft sprechen. Im Organisationsteam und für die Planungen fehlen helfende Hände. Auch, was den Schriftverkehr mit den vielen Institutionen wie Gema oder Gesundheitsamt angeht.

Der Vorsitzende hofft, dass es das Fest noch lange gibt. Er kann sich nicht erinnern, dass es einmal größere Krawalle gab, die Polizei da war oder sich Anwohner über die Lautstärke beschwerten. Stattdessen sitzen alle gemütlich bis in die frühen Morgenstunden zusammen.

Quelle: op-online.de

Kommentare