In Altheim

Zünftige Kirchweih mit markigem Kerbspruch

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Alles Auswerfen oder selbst auch ein bisschen naschen? Die G-Junioren des TSV Altheim liefen beim Umzug mit und hatten reichlich Süßes auf ihrem Wagen für die Zuschauer dabei.

Altheim - Viele Altheimer säumten am Sonntag die Straße zum Kerbumzug. Vorneweg fuhr Kerbvadder Jürgen Siebold, der auf einer großen Couch saß, die von einem Radlader knapp über dem Erdboden getragen wurde. Von Michael Just

In der Hauptstraße zieren viele Bänke vor den Häusern das Ortsbild. Auch vor der Hofreite von Desiree und Werner Bauscher-Faust ist so eine adrette Sitzgelegenheit zu finden.

Am Sonntagnachmittag genießt das Paar auf der Bank den Kerb-umzug und die kurzen Momente, in denen sich die Sonne zeigt. Dabei lässt man es sich richtig gut gehen: Auf dem Beistelltisch steht ein Teller mit Käse sowie ein französischer Weißwein. Auch etwas Gebäck liegt dabei und eine Handvoll Bonbons. „Die Süßigkeiten sind nicht von uns, die haben die Fußballer der G-Jugend des TSV Altheim hergeworfen“, erklärt der Hausherr und fügt hinzu, dass in der Mannschaft auch Sohnemann Clemens (6) spielt, und dementsprechend auch beim Umzug mitläuft. Leider hat der Lindwurm gerademal neun Nummern, so dass der Spaß nur von kurzer Dauer ist.

Feuerwehr als Organisator

Viele Altheimer säumten am Sonntag die Straße zum Kerbumzug. Vorneweg fuhr Kerbvadder Jürgen Siebold, der auf einer großen Couch saß, die von einem Radlader knapp über dem Erdboden getragen wurde. Die Feuerwehr stellte die ersten drei Nummern mit Blasorchester, Jugendfeuerwehr und Einsatzabteilung, danach folgten der MGV, der sich in historischer Kluft das Motto „anno dazumal“ gegeben hatte. Ebenfalls mit dabei: der Eintracht-Fanclub, der TSV, die Kerbburschen aus Harpertshausen sowie die Altheimer Pilsstube.

Unter dem Motto „anno dazumal“ präsentierte sich die Sänger des MGV beim Umzug.

Aktuell organisierte die Feuerwehr die Kerb, die sich im dreijährigen Rhythmus mit dem TSV und dem Eintracht-Fanclub abwechselt. Die Teilnahme der jungen Männer mit Strohhut aus Harpertshausen offenbarte, dass Altheim auch in diesem Jahr keine eigenen Kerbburschen hatte. „Das ist bedauerlich, aber es ist halt so. Wenn es Kerbburschen gäbe, müssten die Vereine nicht die Ausrichtung übernehmen“, weiß Heinz Neff, zweiter Vorsitzender der Feuerwehr, zu berichten. Auch ohne Kerbburschen ließen sich die Altheimer ihre Kirchweih’ nicht verderben: Einen guten Zuspruch erlebte am Freitagabend der Bieranstich bei der Feuerwehr. Auch bei den „Vamps“ war gleich an zwei Tagen was geboten, dazu lud der Eintracht-Fanclub in seine Weinlaube ein. Das Pilsstübchen war ein weiterer Anlaufpunkt. Wer abends ausschwärmen wollte, hatte also durchaus Möglichkeiten.

Umzug als Höhepunkt

Der Höhepunkt der Kerb war natürlich der Umzug samt Spruch am Sonntagnachmittag vor dem Gustav-Schoelzke-Haus. Tritt die Feuerwehr als Ausrichter auf, heißt der Kerbvadder seit ein paar Jahren Jürgen Siebold. Mit seinem Bart und dem Zylinder macht sich der 69-Jährige in dieser Rolle alleine schon optisch hervorragend.

Nur eine Sache überrascht: Siebold wohnt gar nicht im Ort sondern in Eschwege bei Kassel. Da er in Altheim aufwuchs, ist der Bezug aber da. „Er hat schon Theater gespielt und schöne Gedichte geschrieben. Da Kerbvädder rar sind, ist er für uns der ideale Mann“, so Neff. Die Vorkommnisse im Gemeindeteil der letzten Monate lässt sich der ehemalige Werkzeugmacher schicken und formuliert diese dann gekonnt aus. In seine aktuelle Rede baute er sogar ein, dass die Suche nach einem Kerbvadder in Altheim schwierig ist und er deshalb immer wieder als Joker aushelfen muss – was er aber gerne macht. Dieses Jahr hätte es noch zwei Anwärter gegeben: Der eine sei dann aber in Urlaub gefahren, bei dem anderen hätte die Frau nicht mitgespielt.

Bei den lustigen Begebenheiten im Ort malträtieren zwei Geschichten richtig das Zwerchfell der Zuhörer: Zum einen die Verwechslung von Zucker und Deko-Sand, was beim Kaffeetrinken im evangelischen Gemeindehaus zu einem lauten Zähneknirschen führte. Zum anderen das Loch eines Zeitgenossen in seiner Wursttüte: Vom Metzger kommend, nahm das Unheil seinen Lauf: Auf dem Heimweg markierte der Hungrige unbemerkt mit Bratwurst die Gass’.

Quelle: op-online.de

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