„Art-Residency“

Altheims Arthaus wird zur Künstler-Residenz

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Roger Rigorth und Veronica Selingerowa sitzen schon mal Probe im kleinen Atelier des Arthauses, das zur Residenz der Künstler-Gäste gehören wird, die aus aller Welt nach Altheim kommen sollen.

Hätte sich derzeit nicht alles der Coronapandemie unterzuordnen, wäre das Arthaus bereits Residenz eines US-Schriftstellers. Doch die Besuche globaler Kunstschaffender ist fest ins Programm der Künstlerschmiede geschrieben.

Münster – Das Arthaus wird zur Art-Residency. Und eigentlich sollte das neue Projekt mit einem Künstlergespräch am Sonntag vorgestellt und gleichzeitig eröffnet werden. Doch auch hier machte die Corona-Pandemie dem kulturell-kreativen Vorhaben einen kräftigen Strich durch die Rechnung. Roger Rigorth, einer der Arthaus-Macher und Mitinitiator des vom Land begrüßten und hoffentlich bald mitfinanzierten Projektes gab unserer Zeitung einen Einblick in die Residency-Idee.

Bereits vergangene Woche sollte eigentlich der Schriftsteller Ishmael von Heidrick Barnes aus San Diego in der Vereinigten Staaten von Amerika in Altheim eingetroffen sein. Doch die Präsentation des ersten internationalen Gastkünstlers in Altheims Künstlerschmiede wird wohl frühestens im Herbst stattfinden können. Dann soll Barnes – wie für Mai geplant – für drei Wochen zu Gast im Arthaus und in einer Künstler-Klause im gegenüber liegenden Wohnhaus von Rigoth sein.

Dann wird auch das wegen des Coronavirus abgeplante Künstlergespräch geführt, in dem Barnes in seine Welt des Schreibens, der Poesie und des Absurden einführt und er erklärt, warum er sich als Kunstnomade fühlt und woher seine Liebe zu Deutschland kommt.

Die Idee, das Arthaus zu einer Künstlerresidenz zu machen, sei bereits in der Satzung des betreibenden Kunst- und Kulturvereins verankert, erklärt Rigorth. Man möchte einer gewissen Anzahl internationaler Künstler zwei- bis dreimal im Jahr anbieten, ein Atelier im Arthaus zu nutzen. Gedacht sei an Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Keramiker oder Druck-Künstler. Für sie seien Ateliers und Werkstätten im Arthaus und in seinem Anwesen, dem ehemaligen Hessischen Hof, vorhanden, sagt Rigorth. Auch das „Zimmer mit Anschluss“ zum Wohnen der Gäste ist bei Rigorth, Platz zur Präsentation haben die Künstler im Arthaus und bei den Partnern der Altheimer Kreativ-Stätte, beispielsweise bei der Darmstädter Sezession, einer Vereinigung bildender Künstler, im Atelier Siegele sowie im Veranstaltungsraum der Eulengasse in Frankfurt.

„Wir sind Netzwerker, und davon profitieren auch unsere Gäste“, erklärt Dr. Veronika Selingerova, Lebensgefährtin von Rigorth und im Arthaus für die Betreuung der „Art-Residency“ federführend. Die Keramikerin studierte in der Slowakei Kunst und Lehramt an der Academie of Fine Arts and Design in Bratislawa, an der sie zunächst ihren Master machte, promovierte und schließlich selbst lehrte.

Die Residenz-Künstler bekommen Logis und Atelier sowie eine kulturelle Einführung in die heimische Kreativszene. Angestrebt wird, einmal auch Reisekosten und ein kleines Honorar zahlen zu können. Dafür stellen sich die Gäste einem geneigten Publikum vor, berichten vom Künstlerleben aus ihren Herkunftsländern und zeigen freilich, was sie in Altheim kreieren. So wird Ishmael von Heidrick Barnes hoffentlich im Herbst in die Welt der Wortkolonnen, der Bedeutungsmodulation und der Textdehnung einweihen. Zu seiner Buchpremiere der Publikation „Dekompression“ werden die Gastgeber eine Lesung in drei Sprachen anbieten. Die vom Autor gelesenen englischen Originaltexte stehen neben den von Selingerova ins tschechische übersetzten und vorgetragenen sowie der deutschen Übersetzung von Rigorth.

VON THOMAS MEIER

Quelle: op-online.de

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