Auf Pump bei langer Trockenzeit

Ausschuss empfiehlt: Hallenbad wird saniert und bleibt vier Jahre lang zu

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Die Außenansicht bleibt, innen wird für Millionen nahezu alles erneuert.

„Das Hallenbad ist in die Jahre gekommen. Sie müssen jede Menge investieren“. Mit diesen Worten eröffnete Architekt Matthias Marhöfer (Geschäftsführer BZM Architekten) die gemeinsame Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses sowie des Bau- und Planungsausschusses am Montagabend im Rathaus.

Münster – 40 Zuhörer vernahmen zunächst die Wiederholung der Darstellung der vielen Mängel sowie potenzielle Sanierungsmaßnahmen, Zeitfenster und Kostenrahmen (wir berichteten). Den Tagesordnungs-Punkt schlossen die Ausschussmitglieder von CDU, SPD und ALMA mit der einstimmigen Beschlussempfehlung, das Bad technisch und baulich zu sanieren und die Haushaltsmittel bereitzustellen.

Marhöfer sowie ein Vertreter des Hanauer Ingenieurbüros Paulus skizzierten nochmals, was im Argen liegt. Neben der Problematik mit mangelhaften und gegen heutige Normen verstoßenden Elektroinstallationen ist vieles nicht mehr auf zeitgemäßem Stand der Dinge.

Zu den baulichen Maßnahmen zählen beim Nichtschwimmerbecken die Optimierung des Beckenkopfs und die Betonsanierung; beim Schwimmerbecken unter anderem neue Abläufe; bei den Beckenumgängen die Herstellung eines normkonformen Gefälles; die komplette Neufliesung und Neuabdichtung in der Badehalle; die komplette Demontage der Sauna, um den Beckenkopf des Schwimmerbeckens öffnen zu können, und die anschließende Wiederherstellung der Räume; dazu mögliche Attraktivitätssteigerungen im Kleinkinder-Bereich. Technisch muss die Badewasser-Technik für alle Becken zumindest teilweise erneuert werden; für die Lüftungsanlage und die Elektrotechnik gilt das praktisch komplett. Viel zu tun ist auch an der Automation des Gebäudes und an den Heizungs- und Sanitäranlagen. Die Sauna kommt indes grundsätzlich auf den Prüfstand, könnte zurückgebaut werden.

All das würde zu folgender Zeitschiene führen: Beginn der Fachplanung im Sommer, Baubeginn Ende 2021, Fertigstellung Ende 2023. Die kalkulierten Gesamt-Nettokosten wurden erneut mit einer Höhe von 4,6 Millionen Euro (5,5 Millionen Euro brutto) taxiert. Die Erneuerung der technischen Anlagen würde dabei mit 2,5 Millionen Euro (netto) den Löwenanteil ausmachen.

In der Debatte kristallisierte sich heraus, dass trotz der hohen Sanierungskosten keine Fraktion (mehr) überlegt, das alte Bad durch einen Neubau an selber oder anderer Stelle zu bauen, weder solo oder gemeinsam mit anderen Kommunen. Ersatzlos aufgeben will das Bad auch keiner. Entsprechend votierten alle Fraktionen trotz der hohen Kosten und langen Dauer die Sanierung des Bads. Dies zementiert den Fakt, dass die Münsterer und die anteilsmäßig noch mehr auswärtigen Nutzer auf den Besuch des Hallenbads wohl noch vier Jahre verzichten müssen.

Während der Prozess noch andauern wird, welche Sanierungsmaßnahmen CDU, SPD und ALMA im Detail als zwingend nötig und welche als womöglich verzichtbar erachten, wurde die Frage der Finanzierbarkeit der derzeit 4,6 Millionen Euro netto angerissen. CDU-Fraktionschef Thorsten Schrod fragte, wie Münster das bezahlen solle, wo die Gemeinde „aufgrund der expansiven Ausgabepolitik des Bürgermeisters pleite“ sei. Bürgermeister Gerald Frank (SPD) beschrieb seine Bemühungen um Zuschüsse aus dem Landesprogramm „SWIM“ und den „Aktiven Kernbereichen“ und sprach davon, im Haushalt „die Einnahmensituation zu optimieren und Mittel umzuschichten“. Ein Vertreter der Finanzverwaltung, der später zu einem anderen Thema sprach (siehe Infokasten), legte sich allerdings schon darauf fest, dass man die Hallenbad-Sanierung auf Pump finanzieren müsse.

VON JENS DÖRR

Quelle: op-online.de

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