Autor Michael Tonfeld bei Ghana-Hilfe-Fest

Alle Sympathie gilt der Schnecke

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Autor Tonfelds Geschichte von der Kochtopf-Flucht zieht die Zuhörer in ihren Bann.

Münster - Autor Michael Tonfeld begeistert beim Ghana-Hilfe-Fest mit seiner erzählenden Riesenachatschnecke Wa bibio nicht nur Kinder. Von Thomas Meier 

Tierisch ab ging es auf dem Ghana-Hilfe-Fest. Im wahrsten Sinne gar, denn zwei Stargäste waren sicherlich die beiden echten riesigen Achatschnecken, die der Autor und Afrika-Experte Michael Tonfeld mit nach Münster brachte. Die Kinder waren fasziniert. Von was am meisten, ließ sich schwerlich feststellen: Von den großen, behausten Schleimern, die sich nicht ins berühmte Schneckenhaus zurückzogen, oder vom Erzähler Tonfeld. Und der erzählte nicht einmal selbst, sondern er verlieh nur Wa bibio, einer der Landlungenschnecken, seine Stimme. Zu berichten von der unglaublichen Geschichte, die da heißt: „Dem afrikanischen Kochtopf entronnen“.

Als Tonfeld, ein eher unscheinbarer Autor, in der Kulturhalle von Fest-Moderator Günter Frey angekündigt wurde mit den Worten: „Er steht da drüben in der Ecke und wird mit den Zuhörern gleich in einen Vorleseraum hinter der Bühne gehen“, da hatten ihn die Kinder längst entdeckt und eine Traube um ihn und seine exotischen Mitbringsel gebildet.

Flucht vor dem Tochtopf

Wa bibio (was so viel heißt wie „Kleine Schnecke“) schleimte mit ihren sieben Jahren in beachtlichen Ausmaßen über den Handrücken Tonfelds. Sie überragt gar den Handteller, und dabei ist sie noch nicht einmal ausgewachsen. Etwa 20 Jahre können die Landlungenschnecken alt werden, dann haben sie die Länge eines Unterarms. Doch da sie in Afrika als Leckerbissen und zudem als Ernteschädling gelten, werden die wenigsten so groß.

Doch um solche Realitäten ging es dem Geschichtenerzähler eher weniger. Sehr einfühlsam erzählte Wa bibio über ihre menschliche Stimme von der langen und beschwerlichen Reise aus Ghana nach Augsburg und von dort nach Münster. Lehrreich, ohne auch im Ansatz belehrend zu klingen, ist der Achatschnecken-Bericht. Des ghanaischen Schneckenschleimers Odyssee beginnt damit, dass er ins Maul eines riesengroßen Blechvogels geschoben wird, wie Tonfeld den ersten Flug des Tieres beschreibt. Womit er beim Einverleiben und dem Essen anlangt, und um Nahrungsmittel und Speisen dreht sich einiges in der Geschichte. So hörten die Kinder mit großen Augen, dass Palmöl nicht nur das Fieber senken hilft, sondern Afrikaner auch durchaus verstehen, mit ihm Riesenachatschnecken lecker zuzubereiten. Wa bibio als wohlschmeckende Delikatesse – das ließ schon einige Zuhörer schaudern.

Auf Tuchfühlung mit Riesenschnecken

Und dem Kochtopf Afrikas entronnen, sollte auch hierzulande noch nicht Schluss sein mit der Verfolgung. Tonfeld, auch in Realität mit einer Afrikanerin verheiratet, vermachte das glitschige Achattierchen seiner Tochter, und die musste ihr Mitbringsel vom Schwarzen Kontinent nun verteidigen gegen die Mutter: „Papa, komm schnell, die Mama soll Wa bibio nicht kochen. Ich will sie doch als Haustier behalten.“ Ein Unterfangen, das zum Aufatmen der Zuhörer bislang geklappt hat.

Außer den lebenden Achatschnecken, die sich streicheln lassen und nicht ins Haus zurückziehen, lernten die Kinder so wichtige Nahrungsmittel Afrikas kennen. Mit seiner Erzählung zog Tonfeld zweimal die Zuhörerschaft in seinen Bann. Auch nach Ende der Geschichte blieb er mit seinem Getier umlagert, musste viele Fragen beantworten. Seit vielen Jahren tritt er in Schulen, Büchereien und Kindergärten auf. Nach Münster hatte ihn Nima-Vorsitzende Anna Zaaki verpflichtet, die den Autoren bei einem anderen Afrikafestival kennengelernt hatte.

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Quelle: op-online.de

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