"Das Land ist in der Pflicht"

Gerald Frank leitet Bürgermeister-Arbeitsgruppe zum Erhalt des Hallenbades

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Vor allem Kindern und Jugendlichen soll Münsters Hallenbad erhalten bleiben. Schwimmen lernen ist Bestandteil der Lehrpläne an den Schulen.

Die Gemeinde kämpft weiter für den Erhalt des Hallenbades als wichtigen Standort für den Schwimm-Schulsport im Kreis und zentrale Freizeiteinrichtung für alle Bürger.

Münster/Eppertshausen – Nachdem sich Bürgermeister Gerald Frank bereits in einem offenen Brief an Staatsminister Peter Beuth gewandt hatte (wir berichteten), wurde das Thema „Schwimmbäder im Kreis Darmstadt-Dieburg“ nun auch bei der Bürgermeister-Kreisversammlung in Eppertshausen auf Franks Betreiben hin auf die Tagesordnung genommen. Mit dem Ergebnis, dass die Arbeitsgruppe unter Leitung des Münsterer Bürgermeisters Konzepte für die langfristige Sicherung und Finanzierung der Schwimmbad-Infrastruktur erarbeiten wird.

Dass das Hallenbad an der Darmstädter Straße aufgrund von gravierenden, technischen Sicherheitsmängeln nach den Sommerferien nicht planmäßig wieder in Betrieb genommen werden konnte, ist nach Auffassung von Frank Anlass, das Thema grundsätzlich zu diskutieren. Man dürfe die Situation nicht auf Ebene der einzelnen Kommunen betrachten, die Bäder betreiben, betont er: „Es geht dabei nicht allein um den Bestand des Münsterer Hallenbads, sondern um die nachhaltige Bereitstellung der Bäderinfrastruktur des gesamten Kreises, ja sogar des Landes Hessen.“

Langfristig stehen alle Kommunen, die Bäder betreiben, vor großen finanziellen Herausforderungen. In vielen Bädern stehen für den Erhalt Millioneninvestitionen an. Wenn die Kommunen allein auf sich gestellt bleiben, drohen weitere Schließungen, weil für viele Kommunen die Grenze der finanziellen Belastbarkeit erreicht ist.

Die Kreisversammlung hat nun eine Arbeitsgruppe von acht Bürgermeistern aus Kommunen mit und ohne Schwimmbädern eingerichtet, um zukunftsfähige Vorschläge zu erarbeiten und den Fortbestand der Einrichtungen sicher zu stellen. Einig ist man sich, dass das 50 Millionen Euro Förderprogramm des Landes Hessen, das auf fünf Jahre verteilt lediglich zehn Millionen pro Jahr für ganz Hessen zur Verfügung stellt, längst nicht ausreicht. „Pro Landkreis dürften so bestenfalls drei bis vier Bäder zu Zuschüssen kommen, die nur einen kleinen Teil der Investitionen decken“, unterstreicht Frank.

„Die Schließung des Münsterer Bades ist nun Anlass, das Thema politisch auf die Tagesordnung zu setzen“, so Frank weiter. Es gehe ihm nicht allein darum, den Fortbestand des Hallenbades in Münster sicher zu stellen. Die gesamte Infrastruktur im Kreis, im Land und im Bund seien betroffen.

Die aktuelle Situation der Schwimmbäder in Deutschland und die sich daraus ergebende Prognose ist schon heute erschreckend: 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer, bei 38 Prozent der Grundschulen fällt regelmäßig der Schwimmunterricht aus. Alle vier Tage schließt ein Bad für immer.

„Das Land ist in der Pflicht, den Kommunen stärker unter die Arme zu greifen. Schwimmen ist Bestandteil der Lehrpläne in den Schulen und somit Bildungsaufgabe, für die das Land zuständig ist“, betont Frank.

Allein 17 Schulen der Umgebung absolvieren regelmäßig den Schwimmunterricht am Standort Münster, hinzu kommen Kindergärten und Vereine. „Wir wollen auf jeden Fall unser Bad wieder auf Vordermann bringen“, sagt Frank, „mitentscheidend für die Zukunft des Bades wird aber sein, in welchem Maße wir mit Förderungen unterstützt werden.“  

tm

Quelle: op-online.de

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