An eine Wiedereröffnung im Frühjahr 2020 ist kaum zu denken

Hallenbad bleibt noch lange dicht - das sind die Gründe

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Betriebsleiter Helmut Voigt erläuterte bei einem Rundgang, was im Münsterer Hallenbad derzeit im Argen liegt. 

Die Gemeinde Münster zeigt Bürgern bei einer Führung durch das Gebäude, warum das Hallenbad geschlossen bleibt. 

Münster – Die Gemeinde Münster hat am Donnerstagabend (10.10.2019) jedem Bürger die Gelegenheit gegeben, sich bei mehreren Führungen durchs Hallenbad selbst ein Bild davon zu machen, warum das Rathaus die Einrichtung vor ein paar Wochen geschlossen hat. 

Besonders die in 50 Jahren immer wildwüchsigere, womöglich sicherheitsgefährdende Elektroinstallation im Bad, aber auch bröckelnder Beton und vernachlässigter Brandschutz wurden von Bürgermeister Gerald Frank (SPD) und Betriebsleiter Helmut Voigt buchstäblich vor Augen geführt.

Münster: Hallenbad bleibt noch lange dicht 

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass den Münsterern eine der zentralen Freizeiteinrichtungen im 14 000-Einwohner-Ort wichtig ist, lieferte ihn der Ortstermin. Vier Gruppen à 15 Personen zeigten Frank und Voigt, was alles im Argen liegt und zu einem verheerenden Gutachten sowie der daraus resultierenden Schließung geführt hat. Bis auf den letzten der halbstündigen Rundgänge waren alle Gruppen mit vorab angemeldeten Personen ausgebucht. Wobei Frank klarstellte, dass das Problem längst keine reine Münsterer Angelegenheit sei: „Das hat regionale Bedeutung.“

Frank unterlegte dies mit Zahlen: 95 000 Besucher verzeichne das Münsterer Hallenbad jährlich, „davon kommen 30 Prozent aus Münster und 70 Prozent aus der Region“. Neben den Schulen und teils auch Kitas aus Münster und Altheim zählen beispielsweise auch Schulen aus Eppertshausen und Babenhausen zu den Nutzern. Von Vereinen wie den Gersprenztauchern und dem VfL Münster, die sich in den vergangenen Wochen allesamt händeringend um Ersatz-Wasserzeiten bemühen mussten, gar nicht erst zu reden.

Hallenbad in Münster bleibt dicht: Stadt nennt folgende Gründe

Frank leitete den Marsch durch die Katakomben dahingehend ein, dass „die Vorgaben immer strenger werden, die Installationsinfrastruktur für all die Kabel nicht ausreichend ist und wir bei einer Brandschutzprüfung durchfallen würden“. Dann wurde es bei näherem Hinsehen offenkundig: abgetrennte bröckelnder Beton, große Wanddurchbrüche direkt neben der Brandschutztür, Kabelsalat allerorten. 

„Viele Kabel wurden einfach abgetrennt, viele einfach auf die Decke gelegt statt befestigt“, schilderte Voigt den Status quo. Wie Frank verzichtete er auf Beschuldigungen, zumal einige „Vergehen“ wohl jahrzehntelang nicht nur im Münsterer Bad üblich gewesen und durch immer neuere und schärfere Vorschriften überholt worden seien. Was Frank auch klar machte: „Das Bad war und ist funktionstüchtig.“ Das Blockheizkraftwerk, das auch die Kennedy-Grundschule und das „Haus der Kinder“ in der Nachbarschaft mitversorgt, ist weiter in Betrieb.

Wanddurchbruch (rechts oben) direkt neben der Brandschutztür: „Bei einer Prüfung würden wir durchfallen“, sagt Bürgermeister Gerald Frank.

Geöffnet werden darf das Bad aus Sicherheitsgründen aber nicht – und daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Frank wagte keine Prognose, wann die Schwimmer wieder in die (derzeit leeren) Becken eintauchen können. Nahezu sicher abschminken müssen sich die bisherigen Nutzer aber die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr: An eine Wiedereröffnung im Frühjahr 2020 ist kaum zu denken. Bisher wurde eine Schließung „voraussichtlich bis Ende 2019“ kommuniziert – so ist es derzeit auch noch auf der Website der Gemeinde zu lesen, aber nur noch ein frommer Wunsch.

Hallenbad in Münster: Gemeinde will Bad trotzdem erhalten

Momentan prüft eine Fachfirma weiter die Elektronik, doch könnte auf das Münsterer Parlament eine viel generellere Entscheidung als „nur“ jene über Austausch oder Sanierung der Elektroinstallation zukommen: Auch den kompletten Abriss und Neubau des vor einem halben Jahrhundert in Betrieb genommenen Münsterer schloss Gerald Frank am Donnerstag als mögliches Ergebnis der weiteren Untersuchungen nicht aus. 

Im aktuellen Haushalt stehen Mittel in Höhe von 200 000 Euro für die Planung einer umfassenden Sanierung das Bads bereit. Die war – unabhängig von der jüngsten Hiobsbotschaft – mit einem Volumen von 2,3 Millionen Euro und einer einjährigen Schließung für diese Maßnahme - ohnehin vorgesehen gewesen. „Ich wage die Prognose: Das wird nicht reichen“, sagte Frank ob der neusten Erkenntnisse mit Blick aufs Geld. Um einmal mehr zu betonen: „Wir müssen den Sanierungsbedarf noch genauer ermitteln.“ Und: „Wir wollen das Bad erhalten.“

Von Jens Dörr

Das Hallenbad in Münster bleibt wegen gravierender sicherheitsrelevanter Mängel vorübergehend geschlossen.

Quelle: op-online.de

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