Unten einkaufen, oben wohnen

Durchbruch bei Großprojekt im Münsterer Neubaugebiet

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Aus der Vogelperspektive: Rechts des Parkplatzes verläuft die Altheimer Straße. Rechts unten in der Grafik ist auch der Baum zu sehen, unter dem das Feldkreuz (Bild unten) steht. 

Durchbruch bei einem Großprojekt im Münsterer Neubaugebiet „Im Seerich“: Auf dem Grundstück mit dem Feldkreuz am Ortsausgang Richtung Altheim entsteht ab Ende 2021 ein besonderes Gebäude: Ein Lebensmittelmarkt, auf dem in zwei Geschossen 27 Wohnungen entstehen werden.

Münster – Seit fünf Jahren beschäftigt das Vorhaben die Gemeinde. Das Areal direkt an der Landstraße 3095 hat Münster wie alle Grundstücke im Neubaugebiet „Im Seerich“ über die Kommunalentwicklung der LBBW (Stuttgart), die formal Eigentümer des Geländes ist, sich mit der Gemeinde jedoch in allen Entwicklungsschritten abstimmt, vermarkten lassen.

Waren potenzielle Investoren hinsichtlich des Wunschs der Gemeinde, das sonst eher aus Großstädten bekannte Modell eines Nahversorgers mit draufgebauten Wohnungen zu realisieren, zunächst zurückhaltend, hatten die LBBW und Münster zuletzt die Qual der Wahl unter mehreren Interessenten. Der von der Gemeinde nun ausgewählte Investor, die Schoofs Immobilien GmbH aus Frankfurt, wird einen Lebensmittel-Markt errichten, auf den in zwei Geschossen 27 Wohnungen gesetzt werden.

„Vor fünf Jahren sind wir noch auf taube Ohren gestoßen“, blickt Bürgermeister Gerald Frank (SPD) zurück. Inzwischen würden die Forderungen der Gemeinde aber akzeptiert, die „Hartnäckigkeit und der Verhandlungsmarathon mit verschiedenen Bauträgern und Nahversorgern“ hätten sich bezahlt gemacht.

Einen reinen Lebensmittel-Markt hätte die Gemeinde am Feldkreuz, das wie der es überragende Baum an dieser Stelle stehen bleiben wird, längst realisieren können. „Wir wollten auf dem wertvollen Baugrund aber nicht nur einen Nahversorger, sondern die optimale Ausnutzung der knappen Ressource Boden“, betont Frank. Nun bekommt Münster buchstäblich „on top“ noch reichlich Wohnraum, der in der Gemeinde auch ob ihrer Lage im Frankfurter Speckgürtel seit Jahren stark nachgefragt wird.

Konkret entstehen durchweg Mietwohnungen (keine Eigentumswohnungen), deren Größen sich zwischen 45 und 140 Quadratmeter Wohnfläche bewegen. Alle Wohnungen haben einen Balkon oder eine Terrasse, die gesamte Mietfläche beläuft sich auf 2 700 Quadratmeter. Ein Drittel der Wohnungen soll laut Frank sozial gefördert werden.

Auf dem Grundstück hinter Feldkreuz und Baum – beides bleibt stehen – baut ein Frankfurter Investor ab Ende 2021 einen Lebensmittel-Markt, auf dem sich 27 Wohnungen befinden.

Allerdings hat sich die Gemeinde nicht nur für dieses Drittel, sondern für alle Wohnungen das Vorschlagsrecht zusichern lassen. So stelle man sicher, dass die Wohnungen zunächst für die Münsterer zur Verfügung stehen. Frank rechnet damit, dass sich unter anderem ältere Menschen irgendwann entschließen könnten, ihr im Alter womöglich zu groß werdendes und nicht mehr den persönlichen Anforderungen entsprechende Haus gegen eine kleinere, barrierefreie Wohnung einzutauschen. Deshalb sieht er das Projekt auch als lokale Antwort auf den demografischen Wandel. „Auf jeden Fall wird eine soziale Durchmischung garantiert sein“, verspricht der Bürgermeister.

Der darunter liegende Einkaufsmarkt – beim Betreiber läuft es auf Netto hinaus – wird eine Verkaufsfläche von 1 000 Quadratmetern haben. Integriert wird im Komplex auch eine Bäckerei mit Café, um Aufenthaltscharakter zu schaffen – und beispielsweise den Gewerbetreibenden aus den umliegenden Straßen eine Anlaufstelle für die Mittagspause zu bieten.

Das Gebäude wird im nördlichen Bereich des Grundstücks liegen. Im Süden schirmt hinter dem Feldkreuz eine Böschung den Parkplatz mit seinen 84 Stellplätzen, darunter auch Plätze mit Elektro-Ladesäulen für E-Autos und E-Fahrräder, optisch ab.

Mit dem Energie- und Umweltkonzept hatte Investor Schoofs Immobilien ebenfalls Pluspunkte gesammelt. Durch effiziente Gebäudedämmung, gezielte Abwärmenutzung, Tiefkühltruhen mit höchster Effizienzklasse sowie modernster LED-Beleuchtung soll nur extrem wenig Energie verbraucht werden. Die Abwärme aus den Kühlsystemen soll für das Heizungssystem genutzt werden. Des Weiteren sollen begrünte Dächer sowohl wärmedämmend im Winter als auch als Hitzeschild im Sommer wirken und zudem den Schall absorbieren.

Für die Architektur des Gebäudekomplexes zeichnet das Büro der Architekten Graf + Graf (Montabaur) verantwortlich. Im nächsten Schritt wird ein Stadtplaner für eine nötige Änderung des Bebauungsplans beauftragt, der dann Münsters politischen Gremien zur Beratung und Verabschiedung vorgelegt wird. Baubeginn soll Ende 2021 sein. Bürgermeister Frank kalkuliert ab diesem Moment mit einer Bauzeit bis zur Fertigstellung von einem Jahr.

VON JENS DÖRR

Quelle: op-online.de

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