Vor allem Flüchtlingsunterkünfte oft Ziel der Feuerwehr

Eklatanter Anstieg der Fehlalarme

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Die Anerkennungprämie des Landes für aktiven Dienst erhielten Günter Schneider und Thilo Becker (Zweiter und Dritter von rechts). Die Gemeindebrandinspektoren Timo Kreher und Florian Kisling (von links) bedankten sich mit Bürgermeister Gerald Frank (rechts) für die geleistete Arbeit.

Münster - Zu 129 Einsätzen rückte die Feuerwehr Münster 2016 aus. Das sind 41 mehr als im Vorjahr und bedeutet einen beachtlichen Anstieg um 47 Prozent. Von Michael Just

Diese Entwicklung gab Gemeindebrandinspektor Florian Kisling bei der jüngsten Jahreshauptversammlung im Feuerwehrhaus bekannt. Eine große Tagesordnung war abzuarbeiten. Der Grund lag darin, dass Feuerwehrverein und Einsatzabteilung ihre bisher getrennten Versammlungen zu einer zusammenlegten. Im Mittelpunkt der zwölf Berichte, darunter von der Altheimer Feuerwehrmusik, den Jugendwehren beider Orte sowie den Alters- und Ehrenabteilungen, stand die Jahresbilanz von Gemeindebrandinspektor Florian Kisling.

Darin unterteilte er die 129 Einsätze in 20 Brandfälle, 54 technische und allgemeine Hilfeleistungen sowie 55 Fehlalarme. In allen Bereichen wurde ein Anstieg zu 2015 verzeichnet: Die Hilfeleistungen kletterten von 45 auf 54, die Brände von 20 auf 25. Regelrecht explodiert sind die Fehlalarme: Deren Zahl stieg von 15 auf 55. Das ist ein Plus von 267 Prozent und somit fast eine Verdreifachung. Vor allem an die Unterkünfte für Flüchtlinge wurden die Floriansjünger gerufen, obwohl es nicht brannte. Damit reiht sich Münster in die große Zahl der Fehlalarme im Kreis ein. In Mühltal wurden die Retter alleine 35 Mal umsonst zu einer Gemeinschaftsunterkunft gerufen. In den meisten Fällen hatte angebranntes Essen die Rauchmelder ausgelöst und die Bewohner –ohne der Sache zunächst auf den Grund zu gehen – sofort die Feuerwehr alarmiert.

„Besonders ärgerlich sind Einsätze in der Nacht. Sie sind belastend, da sie den erholenden Schlaf rauben“, führte Kisling an. 2016 mussten die Wehrleute 37 Mal nachts aus dem Bett, im Jahr davor nur 17 Mal. Wie der Gemeindebrandinspektor bilanzierte, werde zwar eine deutliche Steigerung der Einsatzzahlen gegenüber 2015 verzeichnet, allerdings befinde man sich in der Summe wieder auf dem Niveau vorheriger Jahre. Weiter sollten die Zahlen allerdings nicht steigen, da man sonst ein kritisches Niveau erreiche.

Die Bedenken Kislings nähren sich vor allem aus der Einsatzabeteilung der Kameraden. So lassen sich bei Nachteinsätzen kaum mehr als 25 Retter aufbringen. Das macht 50 Prozent der vorhandenen Einsatzkräfte aus.

Vorbildlich zeigten sich die Münsterer Blauröcke bei den Ausrückzeiten: Die gesetzliche Hilfefrist, dass die ersten Retter innerhalb von zehn Minuten am Einsatzort sein müssen, wurde stets eingehalten. Im Durchschnitt betrug die Zeit vier Minuten. „Somit kann man von einer funktionierenden Wehr sprechen“, sagte Kisling.

Derzeit besteht die Einsatzabteilung aus 77 Kräften, darunter fünf Frauen. 60 Köpfe gehören zur Löschgruppe Münster, 16 zu Altheim. 2016 konnten sechs Neuzugänge verzeichnet werden. Den stehen neun Austritte gegenüber.

Großübung der Feuerwehr auf Fiege-Gelände

Neuwahlen standen nicht an. Die Anerkennungsprämie des Landes Hessen für ihren aktiven Dienst erhielten Thilo Becker, Thorsten Schrod, Peter Löbig und Günter Schneider. Bürgermeister Gerald Frank bedankte sich bei allen Aktiven für die geleistete Arbeit. „Trotz diverser Sparvorgaben im Etat hat die Gemeinde 433 000 Euro für die Arbeit der Feuerwehr eingestellt“, sagte der Verwaltungschef mit Blick auf den Haushalt. 360 000 Euro seien für 2018 vorgesehen.

Mit den längsten Jahresbericht trug Feuerwehrvereinsvorsitzender Josef Haus vor. Das lag sicherlich an den vielen Aktivitäten, die für die 700 Mitglieder bereitgehalten wurden. Höhepunkt war das traditionelle und äußerst beliebte Oktoberfest, das über zwei Tage ging. Am Sonntag stand es ganz im Zeichen des 40. Geburtstages der Jugendwehr. Als sehr gut bezeichnete der Vorsitzende die Beteiligung beim Volksradfahren und beim Volkswandern. Hier wurden zwei zweite Plätze mit 76 und 55 Teilnehmern geholt. Gänzlich unter sich waren die Mitglieder beim 46. Vereinsausflug nach Südtirol. Das Dolomitenerlebnis dauerte vier Tage. Den Verein sieht Haus finanziell auf gesunden Füßen. Lediglich an der Mitgliederzahl besteht für ihn noch Luft nach oben: „Zwar ist die Mitgliederzahl von 700 stabil, dennoch liegen wir zu anderen Gemeinden im Kreis, die mit uns vergleichbar sind, zurück.“ Deshalb sollte daran gearbeitet werden, fördernde Mitglieder zu gewinnen.

Quelle: op-online.de

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