Was tritt noch zutage?

Ortslandwirt soll auch Bauschutt unter Äcker gepflügt haben

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Bauschutt auf den Merck-Wiesen an der Thomashütte (im Hintergrund): Neben Betonbrocken, Kacheln und Fliesen sollen auch Teerstoffe, Plastik und anderer Müll dort liegen. Merck kündigte die Pacht nach Bekanntwerden des Zustandes.

Münster/Eppertshausen - Der Ortslandwirt, der seine Rinder hungern ließ und der nach einer Zwangsversteigerung zwangsgeräumt wurde, habe auch Bauschutt unter eigene und Pachtäcker gebracht, lauten Vorwürfe, die von Eigentümern wie Merck bestätigt werden. Von Thomas Meier 

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Der Landkreis als Ordnungsbehörde will von nichts gewusst haben. In der Redaktion meldeten sich nicht nur Tierfreunde, die das Leid der dürren Kühe anrührte, die vom in Altheim wirtschaftenden Ortslandwirt stark vernachlässigt wurden. „Da habt ihr nur die Spitze des Eisbergs angekratzt“, war sich ein Leser sicher. Er berichtete von Bauschutt, der in großen Mengen unter Äcker gepflügt oder aber auch einfach nur auf Felder abgelagert worden sei. Äcker, die nicht einmal dem seit Jahren bei Ämtern in Misskredit stehenden Landwirt gehörten, sondern die er nur gepachtet habe.

Recherchen unserer Zeitung ergaben: Der Leser hat wohl richtig beobachtet. Auch wenn sich die Kreisbehörden unwissend geben. Auf unsere schriftliche Nachfrage, ob dem Landratsamt bekannt ist, dass der Ortslandwirt (-) Bauschutt und/oder auch andere Materialien unter seine Felder pflügte, lautete die Antwort aus der Kreispressestelle: „Nein, derartiges ist uns nicht bekannt.“

Dabei gab es im April dieses Jahres eine konzertierte Aktion, bei der gleich mehrere Behörden und sogar die Polizei eben wegen eines solchen Vorfalles an einem Acker zwischen Altheim und Richen vor Ort erschienen. Spaziergänger und landwirtschaftlich interessierte Beobachter hatten die Ordnungskräfte gerufen. Der Vorwurf: Ein ortsfremder Gartenbauunternehmer kippe am helllichten Tag Bauschutt aufs Feld. Gefragt, was er denn da mache, habe er nur geantwortet, er dürfe das, der Bauer habe es erlaubt. Und es sei ja nichts Schlimmes im Schutt.

Münsters Bürgermeister Gerald Frank erinnert sich an den Vorfall, ja, vom Ordnungsamt sei jemand vor Ort gewesen. Aber auch von der übergeordneten Behörde, die für solche Angelegenheiten federführend sei. Doch die Kreispressestelle berichtet nicht vom Besuch ihres Vertreters aus dem Kreisausschuss Natur-, Gewässer- und Bodenschutz, Landschaftspflege, Fachgebiet Naturschutz, Jagd, Fischerei und Forsten, der den Acker ebenfalls in Augenschein nahm.

Und unsere Leser wissen noch mehr, schicken uns auf die sogenannten Merck-Wiesen bei Eppertshausen, direkt an die Thomashütte angrenzend. Hier standen bis vor wenigen Tagen einige der 140 Rinder, die zur Herde gehörten, die am Freitagnachmittag von holländischen Lastwagen abgeholt wurden. Dort würden wir schnell sehen, worauf die Viecher hätten grasen müssen, lautete der Hinweis.

Und wie wahr, nur ein wenig Gras ist über sehr große Mengen Bauschutt gewachsen, die dort abgelagert sind und auf denen das Vieh sein dürftiges Fressen suchen durfte. Betonbrocken, alte Kacheln und Fliesen, Backsteine, Teerstoffe und mehr werden nur dürftig vom Unkraut kaschiert. „Dazwischen finden sich auch Plastik- und Glasteile, Müll und andere Stoffe“, sagen Beobachter. Der Kreis antwortet auf unsere Frage, ob von womöglich kontaminierten Flächen Proben genommen wurden und was deren Analysen ergaben: „Diesbezüglich liegen uns keine Erkenntnisse vor.“

Gut, dass die Beobachter von des Ortslandwirtes seltsamer Felderbewirtschaftung auch den Eigentümer der Wiesen, die Liegenschaftsverwaltung der Darmstädter Firma Merck, verständigten. Und der global agierende Industriekonzern reagierte umgehend. Konfrontiert mit unserem Wissen, heißt es aus der Darmstädter Konzernzentrale: „Wir haben alle notwendigen rechtlichen Schritte unternommen, um unsere Interessen zu wahren. Der Pachtvertrag wurde fristlos gekündigt. In der Zwischenzeit stehen wir mit den zuständigen Behörden im engen Kontakt, um aktiv an einer Lösung mitzuwirken.“

Was die zuständige Kreis-Behörde wohl auch nicht weiß. Denn auf die Frage, ob den Ordnungs- und Landwirtschaftsbehörden im Landkreis „Ordnungswidrigkeitstatbestände“ (so heißt das im Amtsdeutsch, d. Red.) bekannt sind, lautet die Antwort: „Dem Landkreis wurden im Laufe der vergangenen Jahre Verstöße gegen Tierschutzbestimmungen sowie nicht ordnungsgemäße Festmistlagerung bekannt.“

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Wenigstens die Frage, wer für die Beseitigung eventueller Verschmutzungen oder Kontaminierungen aufzukommen hat, weiß die Kreispressestelle zu beantworten: „Im Zweifel der jeweilige Flächeneigentümer.“

Bei den Wiesen an der Thomashütte kennen wir den Eigner. Und man weiß, wer den Hof bei Altheim kaufte, auf dem die ominösen Container stehen, deren Inhalt wohl auch noch niemand unter die Lupe nahm. Doch auf welchen Pachtflächen des geschassten Bauern was abgelagert wurde, ist weitgehend offen. Nach Aussage von Bürgermeister Frank hatte der Landwirt auch gemeindliches Ackerland gepachtet.

Quelle: op-online.de

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