Eintracht-Fanclub  begeistert

Ertappt im „Club Robin & Sohn“

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Die Bürgermeisterin (Miriam Weihert, Zweite von rechts) betrügt ihren Mann Hajo (Sascha Diehl, Zweiter von links) mit Unternehmer Carsten (Christian Lehr, rechts). Die Friseurin (Thekla Hartmann, links) gestikuliert auch bei jenen Gesprächen mit, in die sie gar nicht involviert ist. 

Altheim - Die Theatergruppe des Eintracht-Fanclubs Altheim lockte am Wochenende mit „In flagranti dilettanti“ an die 1 000 Zuschauer in die Kulturhalle. Sascha Diehl hatte dabei erneut eine Paraderolle inne. Von Jens Dörr 

Krasser könnte der Kontrast kaum sein: Als am Freitagabend gerade der zweite von drei Akten des diesjährigen Stücks der Theatergruppe des Eintracht-Fanclubs Altheim über die Bühne der Münsterer Kulturhalle geht, rieseln draußen die ersten Flocken vom Himmel. Drinnen protzt Klaus Damm gerade als „Manni“ – mit freiem Oberkörper. Was freilich zum ausgewählten Stück passt: „In flagranti dilettanti“, eine Komödie von Autorin Winnie Abel, spielt schließlich an der Adria, im italienischen Ferienparadies „Club Robin & Sohn“. Dort ist der Name – abzüglich der beiden Pausen – zweistündiges Programm.

Animateur Enzo (Felix Mainka) flirtet mit Urlauberin Tina (Mona Michel).

Denn im Ferienclub will die verheiratete deutsche Bürgermeisterin Claudia Hemmel (Miriam Weihert) – zerrissen zwischen Selbstbewusstsein und Sorge ums Image – eine entspannte Woche mit ihrem Geliebten Carsten Mann (als muskulöser und angeberischer Unternehmer: Christian Lehr) verbringen - und wird dabei natürlich ertappt. Zunächst von der neugierigen Friseurin Danni Schmidtchen, die aus derselben Stadt kommt und prompt am selben Ort urlaubt. Und ihrem proletenhaften Partner Manni, der sich nicht nur oberkörperfrei, sondern auch im Eintracht-Trikot sonnt – und eines der Adlerträger-Utensilien auch in die 32. Theatersaison des Altheimer Fußball-Fanclubs einbringt.

Thekla Hartmann und Klaus Damm, die dieses kuriose Pärchen spielen, trennt im wirklich wahren Leben eine ganze Generation. Kein Wunder, spielt Damm doch schon seit drei Jahrzehnten mit und war diesmal dienstältester Schauspieler. Seine Frau Edith Damm stand bislang in jedem Stück auf der Bühne, fungiert diesmal aber hinter den Kulissen - als Souffleuse. Regisseurin Kathrin Wennel bleibt dem Publikum ebenfalls verborgen und leistete gerade in den Monaten der Vorbereitung doch einen eminent wichtigen Beitrag. Wennel steht wie die weiteren Schauspieler Felix Mainka – als Urlauberinnen vernaschender Italo-Animateur Enzo – und Susanne Lehr sowie Mona Michel (beide als Feriengäste und Enzo-Gspusis) für eine deutliche Verjüngung, die das Ensemble in jüngerer Vergangenheit vollzogen hat. So gab aus der alten Riege 2017 etwa Werner Lehr seine Abschiedsvorstellung.

Einer, auf den gerade das Stammpublikum des Eintracht-Theaters stets mit dem Zwerchfell in Habacht-Stellung wartet, fehlt noch in der Reihe der 2018er Darsteller: natürlich Sascha Diehl. Urkomisch verkörpert er Jahr für Jahr die besonders skurrilen Charaktere in den immer komödiantischen und auch ohne Theaterdiplom nachvollziehbaren Handlungssträngen. Dass er diesmal den Hajo Hemmel-Klauswitz und damit den Ehemann der Bürgermeisterin spielen darf, der ziemlich lange braucht, bis er kapiert, dass er hintergangen wird, böte allein schon eine ulkige Ausgangslage. Diehl darf aber auch noch einen Wesenszug – selbstredend völlig überspitzt – einbringen, der alles noch viel skurriler macht: Um ein bisschen zu kompensieren, dass er nach abgebrochenem Sozialpädagogik-Studium nur noch als Hausmann aktiv ist, macht er nun noch eine Ausbildung zum Deeskalationstrainer. „Du musst lernen, über deine Gefühle zu sprechen“, rät er jedem, der nicht bei Drei auf den Bäumen ist.

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Insgesamt 134 Einsätze, die zweitmeisten hinter Hauptdarstellerin Weihert, hat Diehl als Hajo. Bei jedem verzieht er das Gesicht, bis sich das Chaos zwischen Ehebetrug, den seltsamsten Ausflüchten, Amore-Animateur und Selbstfindung diverser Personen im letzten Akte sämtliche Bahnen bricht. Noch weiter auf die Spitze treibt Hartmann ihre Gestik und Mimik: Als Friseurin nimmt sie mit Händen und Gesicht auch an jenen Dialogen teil, in denen sie selbst gar nicht mitredet. Dies geschieht oft an der Seite des erneut aufwendigen und Bühnenbilds, für das das Ensemble als Einheit verantwortlich zeichnet, bei dem es Ferienclub-Atmosphäre in Münster klirrender Kälte schafft und bei dem es am Bühnenrand in Blau sogar das Wasser des Pools dargestellt hat.

Den abermals (aber)witzigen Auftritt der Theatergruppe des Altheimer Eintracht-Fanclubs erleben bei der Premiere am Freitagabend rund 200 Zuschauer. Am Samstagabend, stets am stärksten frequentiert, sind es mehr als doppelt so viele. Den Abschluss bildete die dritte Aufführung am späten Sonntagnachmittag. Insgesamt an die 1000 Zuschauer lockte das Ensemble auch diesmal wieder in die Kulturhalle.

Quelle: op-online.de

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