100 Teilnehmer erörtern kommunale Perspektiven

Fachkonferenz in Münster: Kleine Orte und ihre Chancen

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Münsters Kulturhalle mal als Konferenzraum für eine überregional bedeutsame Zusammenkunft von Experten und kommunalen Mitarbeitern. Es ging beim Kongress um Siedlungspolitik und die Perspektiven für kleine bis mittelgroße Kommunen, zu der Bürgermeister Gerald Frank rund 100 Teilnehmer begrüßte.

Münster - Großer Bahnhof in der Kulturhalle: Rund 100 Delegierte folgten der Einladung von Gemeinde und der Technischen Universität Darmstadt zu einer Konferenz über Hessen künftige Siedlungsentwicklung. Von Thomas Meier 

Dass ein Kongress über die „Außen- und Innenentwicklung – Perspektiven für kleine und mittlere Kommunen“ in Münster stattfindet, liegt begründet in Münsters Teilnahme bei „AktVis“, einem von derzeit rund 30 Forschungsprojekten der Fördermaßnahme „Kommunen Innovativ“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Es wird mitbetreut von der TU Darmstadt. Und Prof. Hans-Joachim Linke und Bürgermeister Gerald Frank oblag so auch gestern die Begrüßung der rund 100 angereisten Konferenzteilnehmer, die aus ganz Hessen kamen, doch auch aus Berlin Interessierte anlockte.

Flächenversiegelung, demografischer Wandel, Klimawandel – die aktuellen Herausforderungen für die Kommunen sind vielfältig. Politische Zielsetzung ist in der Ortsentwicklung dabei vorrangig die Innenentwicklung. Und genau darüber informierte auch Bürgermeister Frank, als er Münsters Vorstellung von Siedlungsentwicklung kurz umriss. Die Gemeinde profitiert von einer verkehrsgünstigen Lage. Zentrale Orte wie Frankfurt und Darmstadt sind sowohl mit dem Auto als auch mit Bus und Bahn schnell erreichbar. „Dementsprechend existiert eine Nachfrage nach Bauland im Gemeindegebiet“, sagte Frank.

Gleichzeitig drohe jedoch im historischen Ortskern ein erheblicher Leerstand, da viele Gebäude modernen Ansprüchen an Wohnraum nicht mehr gerecht würden und wachsende Mietpreise finanziell schwächere Haushalte belasteten. Es gelte nicht nur, der demografischen Entwicklung folgend genügend seniorengerechten und barrierefreien Wohnraum zu schaffen. Dies allein falle einkommensschwachen Kommunen wie Münster schon nicht leicht, sagte Frank, erinnernd, dass man zeitgleich junge Familien, auch kinderreiche, in die Orte ziehen müsse. Die zwängen, die entsprechende Logistik an Kitas und Betreuung bereit zu stellen.

Münsters Bestrebungen in „AktVis“ sind vielfältig. Die Struktur des Ortskerns besteht vornehmlich aus ehemaligen landwirtschaftlichen Hofstellen, Arbeiterwohnhäusern und vereinzelten Ladenlokalen. Nach Möglichkeit werden zunächst die dort bestehenden Immobilien gemäß moderner Wohnansprüche saniert und ertüchtigt, bevor eine Neuausweisung von Baugebieten im Außenbereich erfolgt. Nicht erhaltenswerte Bausubstanz soll durch energiesparende Neubauten ersetzt werden.

Bilder: Kerb in Münster

Im Plenum wurden gestern viele Fragen erörtert: Welche Instrumente stehen Kommunen zur Verfügung? Wie können die erfolgreich eingesetzt werden? Welche Grenzen sind der Umsetzung gesetzt? Die Konferenz richtete sich vor allem an mittlere und kleinere Kommunen, die aufgrund eingeschränkter finanzieller und personeller Ressourcen sowie erhöhtem Handlungsbedarf vor besonderen Herausforderungen stehen. Ziel war ein Erfahrungsaustausch zu aktuellen Perspektiven der Kommunalentwicklung und Umsetzungsmöglichkeiten. Daneben werden aktuelle Entwicklungen in der Raumordnung für Südhessen diskutiert. Unter den Teilnehmern aus Gemeinden, Planungsbüros und der Wissenschaft waren auch einige Bürgermeister des Landkreises.

Als Referenten und Diskutanten konnten hochrangige Persönlichkeiten gewonnen werden. Unter anderem referierte das Büro Albert Speer & Partner aus Frankfurt über ein Konzept zur Entwicklung der Region Südhessen, Dr. Tatjana Zeiß vom Regierungspräsidium Darmstadt sprach über regionale Siedlungs- und Bauleitplanung. Nicht nur für Münster ein wichtiges Thema, wurden doch hier künftige Modelle aufgezeigt. Die Konferenz wurde von der Gemeinde Münster und TU Darmstadt, Fachgebiet Landmanagement, sowie dem Institut für kommunale Geoinformationssysteme (IKGIS. E.V.), dem Kompetenzzentrum Innenentwicklung und der Hessischen Akademie für Planung und Entwicklung im ländlichen Raum (HAL) organisiert.

Quelle: op-online.de

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