„Eigentümerin freut sich über Interesse“

Münster will die Langsmühle kaufen: Gemeinde weitet Fundraising aus

Noch befindet sich die Langsmühle samt Museum an der Gersprenz in Privatbesitz. Die Gemeinde Münster mietet sie derzeit für 20 000 Euro pro Jahr an, will sie nun jedoch kaufen. 
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Noch befindet sich die Langsmühle samt Museum an der Gersprenz in Privatbesitz. Die Gemeinde Münster mietet sie derzeit für 20 000 Euro pro Jahr an, will sie nun jedoch kaufen. 

Sie ist das älteste Gebäude im Ort und stiftet damit ein Stückchen Identität: Bereits im Jahr 1254 wurde die Langsmühle an der Gersprenz erstmals urkundlich erwähnt.

Münster – Seit 15 Jahren mietet die Gemeinde die Immobilie von der privaten Besitzerin an, derzeit für 20 000 Euro pro Jahr. Ebenso lange betreibt der Münsterer Heimat- und Geschichtsverein dort das Heimatmuseum mit Dauerausstellungen zur Ortshistorie und wechselnden Schauen. Nun will die Gemeinde die Langsmühle kaufen – und das mit möglichst wenig eigenem Geld.

Das Fundraising, also die Beschaffung externer Mittel zur Finanzierung örtlicher Vorhaben, hat Bürgermeister Gerald Frank (SPD) vom ersten Tag seiner Amtszeit an zur Chefsache erklärt. Was die politischen Gegner Frank auch vorhalten mögen: Einen Mangel an Kreativität beim Beantragen öffentlicher Förderungen kann dem Sozialdemokraten niemand bescheinigen. Die bis zu sieben Millionen Euro, die Münster binnen eines Jahrzehnts aus dem Städtebau-Förderprogramm „Aktive Kernbereiche“ (in das die Gemeinde im zweiten Anlauf aufgenommen wurde) erhalten kann, sind dafür das prominenteste Beispiel. Frank geht aber noch weiter.

„Es war Teil meines alten Jobs, sich Gedanken zu machen, wie man an Einnahmen kommen kann“, sagt der Bürgermeister, der vor seiner Wahl 2014 für die Stiftung Deutsche Sporthilfe arbeitete. In Münster will er sich in Zusammenarbeit mit der Verwaltung zunehmend nicht nur als „Förderfuchs“ entpuppen, was Zuschüsse etwa aus Landes-, Bundes- und EU-Mitteln (hier bisher vor allem aus dem Leader-Programm zur Förderung des öffentlichen Raums, Beispiel Arthaus in Altheim) betrifft. Um Münster – bei begrenzten öffentlichen Mitteln – möglichst weitreichend gestalten zu können, nimmt Frank nun verstärkt Unternehmen und Privatpersonen ins Visier.

Beim Kulturprogramm mit teils hochkarätigen Veranstaltungen in der Kulturhalle setzen Frank und das örtliche Kulturamt diesen Ansatz bereits seit mehreren Jahren um. Die Verpflichtung von Größen wie Kabarettist Hans-Joachim Heist (als Gernot Hassknecht und Heinz Erhardt) oder Schauspielerin Alice Hoffmann (unter anderem die frühere Hilde in „Familie Heinz Becker“) subventionierten Sponsorengelder örtlicher Unternehmen quer. Was jetzt auch bei anderen Projekten Schule machen soll. So bei der Langsmühle.

„Sie könnte ja theoretisch jederzeit verkauft werden“, sagt Frank. „Wir wollen die Langsmühle einfach sichern. Das freut auch den Heimat- und Geschichtsverein, für den das ja eine Art Existenzsicherung ist.“ Die jetzige Besitzerin sei „offen und freut sich über unser Interesse, sie ist der Gemeinde wohlgesonnen“, geht Frank davon aus, dass Münster das Objekt bekommen werde, sofern man das Geld dafür aufbringe. Wie viel man für die Langsmühle wohl bezahlen müsse, kann der Bürgermeister noch nicht beziffern. Er kündigt aber an: „Wir gehen jetzt daran, Gespräche mit potenziellen Geldgebern zu führen.“

Besonders Münsterer Unternehmen haben Frank und die Verwaltung – hier ist Olaf Burmeister-Salg, Abteilungsleiter der Wirtschaftsförderung, der Ansprechpartner –im Visier. Sichtbares Zeichen der Offensive beim Akquirieren externer Gelder ist ein vor wenigen Wochen veröffentlichter Flyer mit dem Titel „Leben in Münster“, der Sponsoren verschiedene Beteiligungsprojekte und im Gegenzug Werbemöglichkeiten aufzeigt (siehe Infokastent). „So, wie wir nach Fördergeldern suchen, weiten wir jetzt auch das Fundraising aus“, erläutert Frank den Plan. Dass man zumindest in dieser Entschlossenheit zu den Pionieren unter den Kommunen im Ostkreis zählt, ist ihm bewusst: „Die anderen machen das vielleicht nicht so. Das soll uns aber nicht davon abhalten.“

Wie erfolgreich die Mittelbeschaffung etwa beim geplanten Kauf der Langsmühle sein wird, werden die nächsten Monate zeigen. Frank betont unterdessen: „Sobald wir als Gemeinde etwas zuschießen müssen, wird sich auch der Haupt- und Finanzausschuss damit befassen.“

Noch handelt es sich um eine Initiative von Bürgermeister und Verwaltung, hat das Thema die politischen Gremien nicht erreicht. Im Gemeinde-Haushalt 2020 ist das Vorhaben ebenfalls noch nicht berücksichtigt.

VON JENS DÖRR

Quelle: op-online.de

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