Noch-Vorsitzende suchen händeringend nach Nachfolgern

Bald Aus für Gewerbeverein?

+
Annelore Oestreicher (vorn) und Hiltrud Schäfer in der Schaltzentrale des Gewerbevereins: Sie suchen schon lange nach Nachfolgern für die tragenden Ämter im Vorstand. Am Donnerstag ist Hauptversammlung.

„P. S. : Es wäre schade, wenn sich der Gewerbeverein Münster auf der Höhe seiner Zeit auflösen würde!“.

Münster – Das Postskriptum zur Einladung der kommenden Hauptversammlung des Gewerbevereins Münster, die am Donnerstag, 4. April, sein wird, erklärt kurz und knapp, was für die Gemeinde auf dem Spiel steht. Es stehen Vorstandswahlen an und das bewährte Team aus Annelore Oestreicher und Hiltrud Schäfer tritt „definitiv nicht mehr“ für die Posten von Vorsitzender und Stellvertreterin an. Und bis heute gibt es noch keinen, der seinen Hut in den Ring geworfen hätte.

Seit 1996 ist Annelore Oestreicher im Vorstand des Gewerbevereins, dem damals knapp 50, heute über 70 Mitgliedsbetriebe angehören. Zunächst als Zweite Vorsitzende, dann ab 1989 als Nachfolgerin von Friedel Seib als Chefin. Alle zwei Jahre sind Wahlen im Gewerbeverein, und schon vor einigen Legislaturperioden suchte die Geschäftsfrau aus dem Betrieb für Radio- und Fernsehtechnik eine Ablösung. Vor fünf Jahren schlossen ihr Mann und sie ihre Firma nebst Geschäft an der Mozartstraße gegenüber des Rathausplatzes. Doch einen Ruhestand in Sachen Gewerbevereinsmanagement hatte die 60-Jährige bislang nicht. Seit über zehn Jahren steht ihr Hiltrud Schäfer als Stellvertreterin zur Seite, die 61-Jährige betreibt ein Büro der Gothaer Versicherung und engagiert sich schon seit der Jahrtausendwende im Verein. Beide sagen: „Es ist Zeit für die Führung unter neuen Leuten.“

Von den über 70 Mitgliedern engagieren sich sich ein knappes Dutzend, zum harten Kern gehören „fünf bis zehn“, sagt Oestreicher. Eigentlich müsste sie froh sein um den Verein, hat er doch trotz zahlreicher Geschäftsaufgaben oder -schließungen in den vergangenen Jahren einen Mitgliederhöchststand erreicht. Doch dies kann sich schnell ändern, sogar eine Auflösung droht, findet sich niemand, der die Geschicke der örtlichen Gewerbetreibenenden an der Spitze weiterzuleiten bereit ist.

Vor 38 Jahren brachte die Liebe die Darmstädterin nach Münster, hier vergrößerte sie mit ihrem Mann nicht nur das Radio- und TV-Geschäft, hier baute sie, zog ihre Kinder groß und wuchs seit 1998 auch „mit dem Verein“. Das erste, was sie als Vorständlerin mit auf die Beine stellte, war die große Gewerbeschau, als das Inselviertel einst feierlich eröffnet wurde. Ums Millenium herum gab sie mit anderen Mitstreitern am Abtenauer Platz bei der Feuerwehr so richtig Gas. „Wir hatten damals bestens zusammengearbeitet mit Bürgermeister Walter Blank und der Verwaltung. Vieles wurde auf dem kurzen Dienstweg auf die Reihe gebracht“, erinnert sich die Macherin. 20 Aussteller waren vor und im Feuerwehrhaus zugange.

Die nächste Großveranstaltung war 2004 zur 750-Jahrfeier Münsters eine Bau- und Handwerkermesse mit 35 Ausstellern. Zu den Leistungspräsentationen kamen bald kulturelle Schmankerln, die der Verein anbot und die beim Publikum bestens ankamen: 2007 etwa gab es ein „Leuchtendes Rathaus“, für das der Verein mit Feuer und Flamme im Einsatz war. Stände, Infos, Leckereien wurden aufgefahren, Jazz und irische Musik auf dem Rathausplatz geboten. Und 2008 stieg zur Erschließung des neuen Quartiers Auf der Beune gemeinsam mit der Gemeinde eine erneute Leistungsschau Münsters.

2011 und 2014 hatten Münster und Eppertshausen in viel gepriesener interkommunaler Zusammenarbeit die beiden jeweils vom weiten Umland her frequentierten und gefeierten „Gewerbemeilen“ auf die Beine gestellt. „Da haben wird zwar nichts zu organisieren brauchen, aber wir waren stark eingebunden“, sagt Oestreicher. Nur war die Freude über diese schnell wieder gekappte interkommunale Liaison kurz.

Die jüngste Schau, die Oestreicher und Co. auf die Beine stellten, lief auf der Beune. Hier war wieder Zusammenarbeit mit der Gemeinde Motor, und „der Gewerbeverein hat ganz schön Manpower da hineingesteckt“, sagen Oestreicher/Schäfer, eher Womanpower meinend. Das organisierte Gewerbe zahlte die Band, hatte viel Arbeit mit der Logistik, steckte das Terrain im Mischgebiet ab und mehr. „Ohne unseren Einsatz hätte es dieses Fest nicht gegeben“, sind sich die Macherinnen sicher.

Neues ist bislang (noch) nicht geplant. Man will einen neuen Vorstand ja auch nicht verschrecken. Aber die beiden neuen Vorsitzenden können sich eines versichert sein: das Team Oestreicher/Schäfer wird – aus der zweiten Reihe heraus – wenn gewünscht Gewehr bei Fuß und unterstützend zur Seite stehen. „Ich will nur nichts mehr unterschreiben und verantworten müssen“, sagt die Noch-Vorsitzende.

In Eppertshausen gibt es schon lange keinen Gewerbeverein mehr. Der wurde jetzt erst abgewickelt, denn bis die Verbindlichkeiten eines solchen Vereins rechtlich abgelaufen sind muss einige Zeit verstreichen. Dies wäre auch in Münster der Fall.

Von Thomas Meier

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare